London - Londoner Galerie stellt Gerhard Richter als Porträt-Maler vor

Londoner Galerie stellt Gerhard Richter als Porträt-Maler vor

Von: Anna Tomforde, dpa
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Gerhard Richter
Der Künstler Gerhard Richter bleibt der berühmteste lebende Künstler der Gegenwart. Foto: ddp

London. Gerhard Richter gilt als scheu und unnahbar. Umso bemerkenswerter ist der tiefe Einblick in das Privatleben des größten deutschen Gegenwartskünstlers, den eine Ausstellung von Richter- Porträts in der Londoner Portrait Gallery gewährt.

Richters „Lebensthema” von Schein und Realität, seine Suche nach Hintersinn und das Eingeständnis der „ständigen Unsicherheit” des Lebens dominieren die rund 35 Porträts, die das Museum am Londoner Trafalgar Square in einer bisher einzigartigen Show zusammengetragen hat. Die Ausstellung „Gerhard Richter Portraits” ist dort seit Donnerstag bis zum 31. Mai zu sehen.

Richter begann 1962 in Düsseldorf mit der Porträt-Malerei, zunächst in Schwarz-Weiß, und stets auf der Grundlage von Fotos aus Zeitungen, Zeitschriften und dem Familienalbum. Vier Jahre später, als er selbst zu fotografieren begann, kam der Übergang zur farbigen Porträt-Malerei. Das von Richter 2007 erstellte Porträt seiner Tochter Ella wird in London erstmals öffentlich ausgestellt. Nicht weniger fasziniert das Gemälde seiner älteren Tochter Betty, deren Richter-typische Bild-Abgewandheit Verlust und Melancholie ausstrahlt.

Die chronologisch und nach Themen angeordnete Ausstellung beginnt mit Schwarz-Weiß-Gemälden der frühen 60er Jahre. Im Mittelpunkt steht dabei das Bild „Frau mit Schirm”, eine transparente, verwischte Darstellung einer trauernden Jacqueline Kennedy, basierend auf einem Zeitungsfoto. Richter selbst wollte nicht, dass die Witwe des 1963 erschossenen US-Präsidenten erkennbar war. Sein Porträt des Kennedy- Mörders Lee Harvey Oswald fordere den Betrachter ebenso auf, hinter der Oberfläche der Darstellung die Wirklichkeit von Lebenssituationen zu erkennen, sagte Kurator Paul Moorhouse.

Aus dem Familienalbum besticht Richters schwarz-weißes Ölgemälde „Tante Marianne” aus dem Jahr 1965. Es basiert auf einem Foto von 1933, das den damals einjährigen Richter im Arm seiner Tante zeigt. Hinter der fast madonnenhaften Darstellung, so Moorhouse, verbirgt sich das „tragische Geheimnis” der an Schizophrenie leidenden Tante, die später Opfer des NS-Euthanasieprogramms wurde. Zu demselben Thema malte Richter 1965 ein Schwarz-Weiß-Porträt des NS-Gynäkologen Werner Heyde, der sich seinem Prozess wegen der Euthanasie-Morde durch Selbsttötung entzog.

Über eine Reihe von Gemälden aus dem Kreise der Förderer, Sammler und Händler, denen Richter auf dem Weg seiner künstlerischen Entwicklung begegnete, schließt die Ausstellung mit Porträts aus dem Privatleben des dreimal verheirateten Richter ab. Aus dem Museum Ludwig in Köln kam das Gemälde Ema (Akt auf einer Treppe), das Richter 1966 malte. Die scheinbar transparente Darstellung des Frauenkörpers reflektiert laut Moorhouse Richters Überzeugung von der Flüchtigkeit des Seins.

Von Richters zweiter Frau, der Künstlerin Isa Gentzken, sind drei, dem Betrachter abgewandte, Nacktporträts aus Privatsammlungen und aus der Stiftung La Caixa in Barcelona zu sehen. Sabine Moritz, die Richter 1995 heiratete, ist in dem Gemälde „Lesende” aus dem Jahre 1994 dargestellt, das laut Moorhouse Rückschlüsse auf Richters frühes Studium von Vermeer in der Dresdner Gemäldegalerie zulässt.

Der 77-jährige Richter, der zur Vernissage nach London kam, ließ es sich nach Angaben der Portrait Gallery nicht nehmen, persönlich die Aufhängung seiner zur Biennale in Venedig im Jahr 1972 angefertigten 48 Fotografien großer Kulturvertreter aus dem 19. und 20. Jahrhundert in der Eingangshalle des Londoner Museums zu überwachen.
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