Lodernde Fackeln im Palast

Von: Guido Rademachers
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Sie verleiht der Giulietta ein wunderschön mädchenhaftes, doch nie naives Timbre: Sopranistin Patrizia Ciofi. Foto: Jacques Croisier

Lüttich. Keine Frage, der Star des Abends ist die Bühne. Sie spielt alles an die Wand, und zwar an die eigene. Genau gesagt, handelt es sich um eine riesige Projektionsfläche im Hintergrund sowie weiße Stoffbahnen, die vom Schnürboden herabhängen.

Per Video werden darauf im Fünfminutentakt Paläste mit lodernden Fackeln, liebliche Wäldchen, schroffe Landschaften und historische Stadtansichten projiziert. Bunte Sammelbildchen in beeindruckendem XXL-Format und 3D zum Thema „Italien und die Renaissance” - mit Sängern als moderat animierter Bildergänzung: Standbein, Spielbein, die eine Hand am Degen, die andere am Wams vor der Brust. O Schmerz!

Die Schau von Regisseurin Maria Cristina Mazzavillani Muti und Bühnenbildner Ezio Antonelli garantiert nicht nur 100 Prozent stolperfreies Singen. Sie gibt auch die verblüffend passende Antwort auf eine Oper, die dramaturgische Statik und eine rudimentäre Handlung mit effektvollem Primadonnen-Gesangsfutter kompensiert. Bellinis „Romeo-und-Julia”-Variation „I Capuleti e i Montecchi” ist Belcanto pur. Und Lüttichs Oper hat darauf auch musikalisch die passende Antwort.

Luciano Acocella dirigiert das makellos aufspielende Orchester geradezu zärtlich. Die Balance zur Bühne ist optimal. Acocella atmet mit den Sängern, hebt - um kammermusikalische Transparenz bemüht - Details hervor, ohne sich zu verbohren. Alles bleibt beschwingt. Patrizia Ciofi, Sopranistin von Weltgeltung, verleiht der Giulietta ein wunderschön mädchenhaftes, doch nie naives Timbre. Vielleicht ein leichtes Anschärfen im Übergang zur absoluten Höhe, in jedem Fall aber perfekt durch die elegischen Passagen führender Legatogesang, zu dem Laura Polverelli in der Hosenrolle des Romeo den nötigen energischen Gegenakzent setzt.

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