Düsseldorf - Liza Minelli präsentiert sich in Düsseldorf als Bühnen-Stehauffrau

Liza Minelli präsentiert sich in Düsseldorf als Bühnen-Stehauffrau

Von: Bernd Schuknecht
Letzte Aktualisierung:
minellibild
Die großen Gesten hat sie noch drauf: Weltstar Liza Minelli in der Düsseldorfer Foto: Thomas Brill

Düsseldorf. Als Sally Bowles in „Cabaret” hat Liza Minnelli Showgeschichte geschrieben. Für das Leben des 63-jährigen US-Showstars, Tocher von Vincente Minnelli und Judy Garland, war Sally Bowles aber nicht nur ein künstlerischer Meilenstein.

Die Rolle enthielt eine unnachahmliche Mischung aus pathetischem Glamour und Tingeltangel-Charme. Divenhafte Theatralik und bodenständige Herzlichkeit verbanden sich zu einer emotionalen Achterbahnfahrt zwischen Himmel-hoch-jauchzend und zu-Tode-betrübt. Das alles ließ sich auch auf ihr privates Leben, eine lange Straße mit vielen tiefen Schicksals-Schlaglöchern, übertragen. Aber gerade deswegen scheinen ihre Fans sie zu lieben, wie das Konzert in der Düsseldorfer Tonhalle bewies.

Umwerfende Selbstironie

Schon bei ihrem Erscheinen auf der Bühne wird Liza Minnelli mit Standing Ovations begrüßt, und obwohl man ihr ansieht, dass das Gehen ihr schwerfällt, wagt sie ein paar kecke Tanzschritte. Temperament hat sie noch jede Menge, allerdings fehlt ihr die nötige physische Kondition es auszuleben. Beim Singen scheint sie sich fast zu verausgaben, während der Ansagen japst sie vernehmlich ins Mikro. Als Ausgleich beweist sie jedoch umwerfende Selbstironie. Aufgekratzt fragt sie, wer schon mal eine Show von ihr erlebt hätte, und viele Fans outen sich als erklärte Minnelli-Anhänger. „Damals musste ich mich allerdings erst im zweiten Konzertteil setzen, diesmal fange ich damit schon im ersten an”, sagt sie breit grinsend und nimmt auf einer Art erhöhtem Regiestuhl Platz. Zum Ausgleich reißt ihre ergreifende Interpretation von „Maybe This Time” das Publikum aus den Sesseln.

Mit der Rückendeckung eines sehr sensibel auf sie eingehenden zwölfköpfigen Orchesters singt sie mit einer nicht mehr so samtigen, aber deswegen nicht weniger faszinierenden Stimme. Sie jubiliert, gurrt, schmettert und haucht - und verweigert sich konsequent allzu glatter Arrangements. Noch immer geht ihr angerautes Timbre unter die Haut, winzige Schwächen sind nicht der Rede wert.

Zum Repertoire zählen unter anderem ihre musikalische Visitenkarte „Say Liza (Liza With A Z)”, Musical-Klassiker aus „Chicago” sowie das unvermeidliche „New York, New York”. Mit letzterem gelingt es ihr einmal mehr, die Grenze zwischen Song und persönlicher Lebensgeschichte zu verwischen. Sie verkörpert keine Rolle, sie ist diese bewundernswerte Bühnen-Stehauffrau, die immer, wenn es eng zu werden droht, zu ganz großer Form aufläuft.

Zur letzten Zugabe hat sie ihr Bühnenkostüm gegen ein knallrotes Ferrari-T-Shirt getauscht. „Seht her, auch das bin ich”, möchte sie zum Abschied sagen. Das frenetisch jubelnde Publikum weiß es bereits.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert