Lionel Richie: Das volle Hit-Paket für Aachen

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Ständig unterwegs, und ein Ende ist nicht in Sicht: Lionel Richie macht auf seiner „‚All The Hits All Night Long“-Tour Station in Aachen. Foto: dpa

Aachen. Lionel Richie gehört zum Kreis der Unverbesserlichen. Seit zwei Jahren befindet sich der bald 66-Jährige – Richie wurde am 20. Juni 1949 in Tuskegee im US-Bundesstaat Alabama geboren – auf seiner „All The Hits All Night Long“-Tour, und ein Ende der buchstäblichen Konzert-Weltreise ist vorerst nicht in Sicht.

Den Sommer wird er auf europäischen Festival- und ausgewählten Open-Air-Bühnen verbringen, weil die Nachfrage nach dem Lionel-Richie-Songbook ungebrochen ist.

Der mehrfache Grammy-Gewinner und Komponist von Soulpop-Gassenhauern wie „Say You Say Me“, „Easy“, „Hello“ und „Dancing On The Ceiling“ genießt aber auch das Erkunden von Städten, in denen er noch nie aufgetreten war. Deshalb steht sein Auftritt bei den Kurpark Classix in Aachen am 22. Juni, zwei Tage nach seinem Geburtstag, ganz oben auf Richies Agenda.

Warum er sich nach wie vor über jeden einzelnen Konzertbesucher freut, erzählt Lionel Richie im Interview mit unserem Mitarbeiter Michael Loesl.

Mr. Richie, wissen Sie eigentlich, wie viele Hits Sie im Laufe ihrer fünf Jahrzehnte andauernden Karriere geschrieben haben?

Richie: Oje, nein, ich habe sie nie gezählt, weil ich lieber nach vorne blicke als zurück. Aber da Sie fragen, würde ich spontan schätzen, dass es zwischen 30 bis 40 wiedererkennbare Songs sind.

Wenn Sie in Aachen alle spielen wollten, kommen Sie erst gegen 2 Uhr in der Nacht von der Bühne.

Richie: Meine Konzerte sind immer umfassend, aber nicht derart ausschweifend. Ich konzentriere mich bei den Open-Air-Konzerten in Europa ausschließlich auf meine Hits, die wirklich jeder kennt. Im Grunde handelt es sich um das universelle Lionel-Richie-Songbook. Aber es kann passieren, dass ich kein Ende finde und dann geht’s eben über die zwei Stunden Konzertspielzeit hinaus. Das wird mir doch keiner übel nehmen, oder?

Ihr ewiger Hit „All Night Long“ ist Ihnen also immer noch nicht lästig geworden?

Richie: Sind Sie von allen guten Geistern verlassen? Ich kenne keinen Künstler, dem seine Hits lästig geworden sind. Wenn du in diesem Geschäft mit einem Hit gesegnet bist, den die Leute wieder und wieder hören wollen, kannst du dich verdammt glücklich schätzen.

Es gibt auch Jugendsünden im Hit-Katalog einiger Künstler.

Richie: Stimmt, das sind die Ausnahmen. Aber ich bin in der glücklichen Lage, keinen einzigen Song geschrieben zu haben, den ich jetzt mit Mitte 60 nicht mehr aufführen könnte, weil es peinlich wirken würde. Ich kann und konnte mein ganzes Leben lang aus meinem Songkanon schöpfen, ohne mich schämen zu müssen.

Haben Sie die DNA Ihrer Hits mal entschlüsselt?

Richie: Sie sind frei von modischen Gimmicks. Ich glaube, dass der Schlüssel für Langlebigkeit von Songs darin begründet liegt. Ich glaube an die Kraft der Melodie. Und dabei ist die Einfachheit wichtig. Wenn ein Song das gewisse Etwas besitzt, also eine Melodie, die jeder singen kann und will, dann hat man einen Hit geschaffen. Ich würde „All Night Long“ heute wieder genauso schreiben, wie ich den Song vor mehr als 30 Jahren geschrieben habe.

Gibt es einen Song, von dem Sie wünschten, dass Sie ihn geschrieben hätten?

Richie: Wow, ja, den gibt es. Das ist „Yesterday“ von Paul McCartney. Die Nummer ist ein textliches und melodisches Meisterwerk. Jedes Mal, wenn ich Paul treffe, sage ich ihm, wie verdammt stolz er darauf sein kann, diesen Song geschrieben zu haben. Interessanterweise wird der Song von Jahr zu Jahr relevanter, weil wir Beatles-Fans von Jahr zu Jahr älter werden.

Welche Schwierigkeiten und Mühen bleiben denn, die Sie früher nicht plagten, um im „Yesterday“-Bild zu bleiben?

Richie: Ich ahne, worauf Sie hinauswollen und muss Sie enttäuschen. Mein Alter bereitet mir keine Schwierigkeiten.

Sie haben ja auch die Musik.

Richie: Exakt, Musik füttert meine Seele und fördert die Balance meiner Körperchemie. Sie ist mein Lebensquell. Ich bin mit einem Ventil für Emotionen jedweder Art gesegnet, nach dem viele Leute ihr Leben lang suchen. Meinen tiefsten Gefühlen kann ich in der Musik Ausdruck verleihen. Ich kann nicht genau sagen, warum exakt mein Körper, meine Stimme noch so wunderbar funktionieren. Aber ich kann sagen, dass die Musik mein Lebensretter ist.

Ist es wirklich so dramatisch?

Richie: Musik ist schlicht notwendig für mich. Bin ich traurig, schreibe ich einen Song. Bin ich glücklich, fühle ich mich beflügelt, einen Song zu schreiben. Gehe ich auf die Bühne, dann kann ich meine Energien ausleben. Wo sollte das alles hin, wenn die Musik nicht mein Sprachrohr geworden wäre?

Vielleicht wären Sie Talkmaster geworden. Sie reden ja auch gerne auf der Bühne.

Richie: Aber nicht während der kommenden Open-Air-Konzerte. Eine Konzert-Arena kann man in einen gigantischen Club verwandeln, wenn man will. Ein Open-Air-Konzert stellt gänzlich andere Herausforderungen an mich. Das ist die große Variable, das Wetter, und da sind all die Happenings, die sich im Publikum abspielen, wenn man sich draußen zu einem Konzert trifft. Bei Freiluftkonzerten muss man die Zuhörer ganz anders packen können. Deswegen wird es bei den kommenden Konzerten weniger Gerede, dafür aber umso mehr Hits von mir geben. Und zwar Schlag auf Schlag.

Sie spielen seit Ewigkeiten Konzerte in Deutschland, waren aber bisher nie in Aachen. Wie ist das für Sie, in einer Ihnen noch unbekannten Stadt aufzutreten? Routine, weil Sie Profi sind?

Richie: Routine sind meine Konzerte für mich nie gewesen.

Das klingt jetzt aber sehr professionell, fast ein bisschen einstudiert.

Richie: Sie liegen falsch mit Ihrer Vermutung, mein Freund. Ich habe nämlich nie vergessen, wo ich herkam. Die ersten Konzerte mit der Band, deren Sänger ich früher war, haben mich für immer Demut gelehrt. Die absolvierten wir ohne einen einzigen selbst geschriebenen Hit, und entsprechend wurde uns überhaupt keine Publikumsaufmerksamkeit zuteil. Ich bin mir dieser Erfahrung nach wie vor bei jedem einzelnen Konzert bewusst, und ich nehme an, dass das Publikum meine Wertschätzung spürt. Einfach lustlos ein Programm abzuspulen, war nie mein Ding. Das finde ich respektlos dem Publikum gegenüber.

Vielleicht will das Publikum ja auch mal wieder etwas Neues von Lionel Richie hören.

Richie: Ich liebe meine Hits genauso, wie mein Publikum sie wertschätzt. Aber ich möchte bitte noch nicht allzu viele Preise für mein Lebenswerk bekommen, weil ich immerzu neue Songs schreibe und nicht das Gefühl habe, meinen Song-Kanon abgeschlossen zu haben. Das Schreiben neuer Songs ist für mich im gleichen Maße Daseinsberechtigung wie mein Hit-Erbe. Das ist für mich so natürlich wie das Atmen. Aber jetzt stehen erst mal die Hits auf dem Programm.

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