Linnich - Linnich: Campendonks unbekannte Seite

Linnich: Campendonks unbekannte Seite

Von: Eckhard Hoog
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Ausdrucksstark: Museums-Direktorin Myriam Wierschowski vor Heinrich Campendonks Glasgemälde „Kreuzigung“ aus den Jahren 1926/27.
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Ausdrucksstark: Museums-Direktorin Myriam Wierschowski vor Heinrich Campendonks Glasgemälde „Kreuzigung“ aus den Jahren 1926/27.

Linnich. Bekannt ist er eigentlich als Maler, als Expressionist und Mitglied der Künstlergruppe „Blauer Reiter“: Heinrich Campendonk (1889-1957). Das Deutsche Glasmalerei-Museum in Linnich stellt jetzt erstmals umfassend in einer Ausstellung eine eher unbekannt gebliebene Werkgruppe des in Krefeld geborenen Künstlers vor: seine Glasgemälde.

Myriam Wierschowski, die Direktorin des Museums, leistet damit Pionierarbeit. Viele Arbeiten, die sie für Linnich zur Verfügung bestellt bekam, stammen aus dem Nachlass. Der 240 Seiten starke Katalog mit dem Titel „Kristalline Welten“ gibt über die Präsentation hinaus einen profunden Überblick über die Glasmalerei Campendonks. Zahlreiche Fotografien sind eigens für dieses Begleitbuch zur Schau entstanden.

Der Sohn eines Textilkaufmanns brach seine Lehre in Textilkunde 1905 ab und begann ein Studium an der Werkkunstschule in seiner Heimatstadt, wo er zu den ersten Schülern Johan Thorn Prikkers, dem Pionier der modernen Glasmalerei, gehörte. Doch die ersten Glasarbeiten Campendonks entstanden während seiner Zeit in Bayern noch in Anlehnung an wiederentdeckte Volkskunst: als eher kleinformatige Hinterglasmalerei.

Erst nach seiner Rückkehr ins Rheinland wandte er sich ab 1923 der Glasmalerei zu, wie sie ihm unter seinem großen Lehrer in Krefeld begegnet war. Zu den herausragenden Stücken der Ausstellung gehört Campendonks erste Bleiverglasung inklusive Originalkarton und Entwurf: die „Kreuzigung“ für das Kloster Marienthal von 1926/27. Stilisierte Konturen, brillant leuchtende Gläser, durch die sogenannte „Schwarzlotwischung“ vom Künstler intensiv und wirkungsvoll strukturiert, markieren bereits früh den ganz besonderen Stil Campendonks.

Auch als Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie (1926-34) setzte Campendonk seine Glasmalerei-Arbeit fort, für etliche Profanbauten entstanden geometrische Ornamentfenster mit einer klaren Formensprache, für Kirchen in Bonn oder Hamburg detailreiche Szenen aus biblischen Geschichten. 1934 floh er nach der Amtsenthebung durch die Nazis nach Amsterdam, wo er einen ganz neuen Stil entwickelte, mit stark zurückgenommener Farbigkeit oder beinahe monochromer Farbgebung. Sein dreiteiliges Glasgemälde „Arma Christi“, womöglich das bedeutendste Exponat der Ausstellung, ist fast ganz in Blau gehalten, 1937 wurde es auf der Weltausstellung in Paris mit dem Grand Prix ausgezeichnet, wo übrigens Pablo Picasso sein epochales Bild „Guernica“ im spanischen Pavillon ausstellte.

Zu den Höhepunkten der Linnicher Ausstellung gehören zwei monumentale Fenster, die zwischen 1941 und 1944 für die Kölner Kirche St. Kolumba und deren nie realisierte Gesamtverglasung ihrer Ostwand entstanden und über 30 Jahre lang voneinander getrennt waren. Jetzt finden sich die „Geburt Christi“ und die „Auferstehung“ zusammen mit einem weiteren, posthum ausgeführten Fenster mit ihrem Detailreichtum erstmals wieder vereint.

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