Liebe zum Tango: Quadro Nuevo auf Wilhelmstein

Von: Sabine Rother
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Sie sind zu fünft: Chris Gall (v. l.), Andreas Hinterseher, Mulo Francel, D.D. Lowka und Evelyn Huber alias Quadro Nuevo umarmten ihr Publikum auf Burg Wilhelmstein musikalisch. Foto: Wolfgang Sevenich

Würselen. Wie eine Welle erfasst diese Musik ihre Zuhörer. Das alljährliche Festival in Würselen-Bardenberg hat einen Höhepunkt erreicht, als Quadro Nuevo, die 1996 gegründete Formation mit weltmusikalischem Eigensinn, ihr neues Programm „Tango“ auf die Bühne von Burg Wilhelmstein bringt.

Die aktuelle CD wird damit zum Motto des Abends, bei dem die inzwischen fünf Musiker – Pianist Chris Gall ist hinzugekommen – sich ihrer Musik mit großer Leidenschaft hingeben und ihr Publikum musikalisch umarmen.

Der Aufenthalt in Buenos Aires, Wiege des Tango Argentino, hat sie deutlich inspiriert. Durchglüht von sinnlichen und künstlerischen Erfahrungen dort ist ihr mediterraner Stil gereift, und auch die kundige Liebe zum Tango in all seinen Facetten hat sich vertieft.

Das drückt sich in gefühlsstarken Interpretationen sehr unterschiedlicher Kompositionen aus. Es ist spannend, der Verführungskraft der Tongemälde Schritt für Schritt zu folgen, sich von der herzzerreißenden Dramatik eines Titels packen und in die Tiefe ziehen zu lassen, um ein paar Takte später eine neue Überraschung zu erleben, ein Augenzwinkern, etwa bei „Gallo Ciego“ („Der blinde Hahn“), ein traditioneller Tango, der von einem in die Jahre gekommenen Aufschneider erzählt. Akrobatisch wechseln Quadro Nuevo die Rhythmen – Tango, Vals, Milonga.

Große Wärme, langer Atem

Mit großer Wärme und langem Atem führt Mulo Francels Tenor-Saxofon oder Klarinette häufig die jeweilige Melodie an, formt sie aus, füllt sie, damit sie danach von einem zum anderen wandern kann und immer neue Ausprägungen erfährt. Chris Gall lebt am Piano musikalische Visionen aus und bündelt gleichzeitig die Energien und Klanglinien der Titel. Bei Andreas Hinterseher lebt das Bandoneon, es singt, seufzt, klagt, um im nächsten Augenblick wieder mit hackendem Rhythmus an das Thema des Konzertes zu mahnen – Tango.

Evelyn Huber setzt mit ihrer Konzertharfe und den Klängen des Salterio ungewohnte Akzente. So bestimmt, so kraftvoll in der Melodie ist eine Harfe selten zu hören. Aktionen am Bass und an den Percussions werden bei D.D. Lowka zum kompletten Körpereinsatz, Herzschlag inklusive. Mit launigen, bisweilen skurrilen Erzählungen zu den Songs und zum abenteuerlichen Pflaster von Buenos Aires, wo man riskiert, aus dem Taxi geworfen zu werden, wenn man den Namen Astor Piazzolla, Begründer des Tango Nuevo, nennt, wird das Konzert zur Reise in die argentinische Hauptstadt.

Der Zuschauer erlebt ein Ensemble, bei dem sich alle schätzen und fördern. Zugleich ist jeder Einzelne ein autarker Solist. Hier verharrt der Tango nicht in dunkler Melancholie und Trauer. Immer wieder gibt es eine tröstliche Umarmung. Mit „Vuelvo Al Sur“, Titelsong zum Film „Sur“ („Süden“), den Fernando Solanas 1987/88 nach seiner Rückkehr aus dem Exil mit Piazzolla als Werk der Hoffnung realisiert hat, verklingt das Konzert. Ein Wiegenlied, das sich in samtiger Dunkelheit verliert. Nun gehen auch die Fünf von Quadro Nuevo, ganz still. Ein intensiver Abschluss. Das Publikum jubelt, und niemanden hält es auf seinem Platz.

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