Leverkusen lebt: Neues und Bewährtes bei den 30. Jazztagen

Von: Andreas Schirmer, dpa
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Leverkusen. Die Leverkusener Jazztage haben auch nach 30 Jahren und in Zeiten der Wirtschaftskrise nichts von ihrer Lebendigkeit verloren.

Bei dem Festival, das am Sonntag zu Ende ging, suchten neue Talente nach den Sounds der Zukunft, bewährte Größen bewiesen ihre Könnerschaft, wenngleich nicht alle von ihnen Wegweisendes zu bieten hatten.

Die Jazz-Musik des 3. Jahrtausends war diesmal weniger von den bekannten norwegischen Experimentatoren Nils Petter Movaer oder dem Folkjazzer Karl Seglem zu hören, als von den acht Finalisten des Wettbewerbs „Future Sounds”.

Sie zeigten, dass der Kosmos des Jazz unendlich ist und es lohnen kann, gegen den Strom zu schwimmen und Neuland zu erobern. In der Endausscheidung standen sich zwei Berliner Bands gegenüber, die jede für sich eine Zukunft haben sollten.

Die elf Musiker von den „Red Balloons” mit ihren acht Bläsern überzeugten mit glänzend arrangiertem, teils unkonventionellem Bigband-Sound. Das spanisch-deutsch-norwegische Trio „3 Peas” hingegen begeisterte mit energiegeladenen Musik-Kreationen - und konnte schließlich gewinnen.

Die große Bühne gehörte jedoch bei der 30. Auflage der Jazztage, die Festivalleiter Eckhard Meszelinsky für den Blick nach vorn nutzen wollte, den Stars des Jazz. Dabei setzte er auf eine Reihe von Fahrensleuten, für die Leverkusen bekanntes Terrain ist. Dazu gehört der US-Amerikaner Marcus Miller, der sich seiner Jugend und dem Zusammenspiel mit Miles Davis erinnerte. Mit wuchtigen Bass-Tönen lieferte er seine Funk-Interpretation des Davis-Albums „Tutu”, an dem er 1986 mitgewirkt hatte.

Jazzpiano vom Feinsten boten Michel Camillo, Roberto Fonseca und das Tingvall Trio unter dem Motto „Piano Today”. Herausragende Technik und Virtuosität und atemberaubend schnelle Tonfolgen kennzeichneten das Spiel des aus der Dominikanischen Republik stammenden Camillo.

Ein Schuss „Buena Vista Social Club” brachte Roberto Fonseca mit. Der Kubaner spielte einige Jahre in der legendären Formation, kopiert sie aber nicht, sondern kombiniert die Musik-Tradition seines Landes mit anderen Stilrichtungen. Das Trio um Martin Tingvall versteht es, mit unglaublicher Dynamik Dampf zu machen und mitzureißen.

Der unverwechselbare Ton und seine beinahe zeitlose Musik sind das Markenzeichen von Jan Garbarek und seiner Band. In Leverkusen spielte der norwegische Saxofonist mit dem einzigartigen Percussionisten Trilok Gurtu, der dem Klangzauber Garbareks noch etwas Magie hinzufügte.

Wie von Zauberhand geführt flogen die Finger des jungen australischen Gitarristen Joe Robinson über die Saiten. Der Lichtblick des Gitarren-Abends. Dies konnte man von dem Auftritt des großen Al di Meola mit seiner „New World Sinfonia” nicht behaupten. Der „schnellste Gitarrist der Welt” kehrte zu seinen alten Lieben Tango, Latin und Flamenco zurück, ohne wirklich Neues daraus zu destillieren.

Dies gelang dagegen den Brüdern Julian und Roman Wasserfuhr aus Hückeswagen bei Köln dank der Zusammenarbeit mit den skandinavischen Jazz-Wegbereitern Nils Landgren (Posaune) und Lars Danielsson (Bass). „Upgraded in Gothenburg” heißt das gemeinsam aufgenommene Album, deren meist zarten und filigranen Stücke eine tiefe Innerlichkeit hatten. Sechs der 13 Stücke stammen aus der Feder der Wasserfuhr-Brüder, die spätestens nach dieser CD den Upgrade in die internationale Szene bekommen haben.
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