„Leuchter & Freunde“ begeistern auf der Burg

Von: Sabine Rother
Letzte Aktualisierung:
15213403.jpg
Burg Wilhelmstein: Manfred Leuchter (links) hatte internationale Musikerkollegen zum Konzert eingeladen, unter ihnen Andrea Piccioni (re.), gefeierter Virtuose an Tambourin und Rahmentrommel. Foto: Ralf Roeger

Würselen. Sechs leidenschaftliche Musiker auf der Bühne von Burg Wilhelmstein in Würselen Bardenberg, zwei Syrer, ein Palästinenser, ein Italiener, ein Niederländer und ein Deutscher – das ist nicht nur Weltmusik auf höchstem Niveau.

Das sind auch sechs freundschaftlich miteinander verbundene Menschen, die der in Aachen lebende Akkordeonist, Komponist und Produzent Manfred Leuchter zum Konzert im Rahmen des Sommerfestivals zusammengeführt hat. „Manfred Leuchter & Freunde: Begegnungen“ lautet das Motto eines Abends der bewegenden Klangerlebnisse in der voll besetzten Arena.

Sofort wird klar: Da wollen nicht einfach ein paar Musiker ihr Publikum zufriedenstellen. Sie nutzen die Gelegenheit, um miteinander etwas Besonderes zu schaffen, einander künstlerisch herauszufordern, einen Raum zu gestalten, in dem die jeweiligen Schicksale zwar mitschwingen, aber zugleich von den anderen mitgetragen und aufgefangen werden.

Manfred Leuchter, der Virtuose auf dem Akkordeon, wandert schwindelfrei zwischen den Klangkulturen der Welt, antwortet orientalischer Magie, ohne die eigene Sprache, den intimen Dialog mit seinem Instrument zu vernachlässigen. Das von ihm sorgfältig zusammengestellte Programm ist vielschichtig, bietet zahlreiche solistische Momente für jeden der Musiker, stellt neben Leuchters Werken auch Kompositionen der Mitstreiter vor.

Schön, wie die Blicke in die Runde gehen, man einander ermuntert. Das ist mehr als Respekt für den anderen. Mohamed Najem, der feinsinnige Klarinettist aus Palästina, schwingt sich immer wieder ein in die umfangreichen Strukturen von Titeln wie „Solibel“ oder „Asia“ – und natürlich sein „Floor Nr. 4“. Dabei bleibt er stets aufmerksam für seine Kollegen, zum Beispiel Basel Rajoub, den Syrer am Saxofon, Gründer eines eigenen Ensembles in seiner Heimat. Sympathisch emotional versenkt er sich häufig tief in die Musik der Kollegen. Dann hebt er den Kopf und die warmen Klänge seines Instruments umschlingen oder unterfüttern die angestimmte Melodie, blühen auf und lassen neue Wege der Interpretation erkennen.

Kostbar erklingt die Quanun (oder Kanun), die trapezförmige orientalische Kastenzither, unter den erfahrenen Händen von Feras Sharestan, der damit nicht nur geheimnisvolles Flair zaubert, sondern beweist, wie modern und traditionell zugleich man dieses Instrument spielen kann. Antoine Pütz zeigt Leidenschaft und Fingerfertigkeit am Bass, ein zuverlässiger Partner in allen Stücken und ein grandioser Solist. Gute Laune verbreitet von Anfang an der Mann an Tambourin, Rahmentrommel und Becken: Der Italiener Andrea Piccioni weckt Begeisterung, wenn seine Hände über das Tambourin flattern und fliegen.

Ein atemberaubender Könner, der alles vergessen lässt, was man über das schlichte Rhythmus-Instrument weiß. Wie alle anderen wird er vom begeisterten Publikum mit heftigem Zwischenapplaus gefeiert. In kleinen begleitenden Moderationen stellt Manfred Leuchter seine Gäste vor, berichtet von Schicksalen, von gemeinsam durchlittenen Situationen, von Erfahrungen, die ihm unter die Haut gingen. „Aleppo 2016“ ist der schlichte Titel einer solchen Komposition, in der sich Grauen, Trauer und Hoffnung begegnen.

Jeder Titel ist eine Erinnerung und für alle eine musikalische Überraschung, ein Farbenspiel. Jeweilige Lichtstimmungen vertiefen die Wirkung, glühendes Rot, gestreutes Grün, karges Schwarz-Weiß, das passt gut. Man horcht auf: New Yorker Straßenverkehr begegnet dem gemächlich schwankenden Kamelschritt einer Karawane, es gibt tänzerische Elemente im Neun-Achtel-Takt, archaisch anmutende Motive, schmerzlich-schrille Töne. Manchmal lässt Leuchter sein Instrument nach kleinen hohen Tönen einfach nur „atmen“. Und alle lauschen. Das Publikum geht mit, klatscht im Takt, ist fasziniert. Es wird mit üppigen Zugaben belohnt, darunter „Arabesque“, eine der frühen und prägenden orientalischen Leuchter-Stücke. Großer Applaus.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert