Aachen - Leuchtender Ton im Meisterkonzert

Leuchtender Ton im Meisterkonzert

Von: Thomas Beaujean
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Ursprünglich war Arabella Steinbacher als Solistin in Beethovens Violinkonzert im 8. Meisterkonzert angekündigt worden. Statt ihrer spielte nun Isabelle Faust, wie Steinbacher eine aus der Riege der geigenden deutschen„Fräulein-Wunder”, die bereits in jungen Jahren Weltkarriere machen.

Zusammen mit dem Nederlands Philharmonisch Orkest unter der Leitung von Mario Venzago eröffnete sie dem Publikum im Aachener Eurogress eine eher kammermusikalische Sicht auf das Konzert, die dem vielgehörten Werk durchaus noch neue Aspekte abrang.

Wie aus weiter Ferne

Mit nicht sehr großem, aber feinem und leuchtendem Ton, glänzender Technik und lupenreiner Intonation folgte sie konsequent Beethovens dynamischen Vorgaben auch im Solopart, zauberte im Larghetto Pianissimo-Töne von ätherischer Schönheit, packte im Final-Rondo aber auch beherzt zu. Eine besondere Überraschung: die völlig unbekannten Solokadenzen, die im Falle des ersten Satzes sogar die Pauke mit einbezog.

Dem Nederlands Philharmonisch Orkest gelang es nicht immer, Fausts feiner Dynamik zu folgen. Vor allem den Holzbläsern fehlte es bisweilen an klanglicher Delikatesse. Davon gab es allerdings genug in Mario Venzagos Interpretation von Claude Debussys „Prélude à l´après-midi d´un faune”, dessen Flötensolo zu Beginn wie aus weiter Ferne zu kommen schien.

Der Dirigent zelebrierte das zauberhafte Stück in sehr langsamem Grundtempo, kostete jeden kleinen Übergang aus. Das ergab zwar wunderschöne Momente, nahm dem relativ kurzen Werk allerdings die Grundspannung.

Robert Schumanns 2. Symphonie C-Dur begegnet man im Konzertsaal selten. Das liegt nicht zuletzt an den kompositorischen Schwächen der Partitur vor allem im Kopfsatz und im Finale. Venzago versuchte dies mit viel Schwung und Elan zu kompensieren und die endlosen Motivwiederholungen zu bündeln. Virtuos gelang das Scherzo, stimmungsvoll das Adagio.

Eine insgesamt mitreißende Aufführung, die aber die klanglichen Schwächen der Partitur mit ihrem stumpfen Klangbild nicht verdecken konnte. Die Akustik des Eurogress leistet da allerdings auch wenig Schützenhilfe.

Viel Beifall nach dem fulminanten Schluss des Finales.
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