Leopold-Hoesch-Museum: Kunst, die genauso fasziniert wie verstört

Von: Eckhard Hoog
Letzte Aktualisierung:
12915321.jpg
30 Jahre Günther-Peill-Stiftung: Das Dürener Leopold-Hoesch-Museum widmet dem Jubiläum ab Sonntag bis zum 20. November eine Ausstellung, an der auch die aktuelle Preisträgerin und die beiden Peill-Stipendiaten teilnehmen: (von links) Haris Epaminonda, Museumsdirektorin Renate Goldmann, Robert Elfgen und Rana Hamadeh. Foto: Stephan Johnen

Düren. Thomas Schütte, Rosemarie Trockel, Silke Leverkühne, Gregor Schneider, und wie sie alle heißen – das sind heute berühmte Namen, die meist schon in ihrer Frühzeit mit Kennerblick renommierter Juroren ausgewählt, gefördert und ausgezeichnet wurden von einer Dürener Stiftung, die sich einen der höchstdotierten Kunstpreise Europas leistet: die Günther-Peill-Stiftung.

Sie geht zurück auf das Dürener Industriellenpaar Günther (1908-1974) und Carola Peill (1907-1992), Glasfabrikanten und leidenschaftliche Kunstsammler.

Carola Peill gründete 1986 im Gedenken an ihren Mann die Stiftung, die sich der Vergabe von Stipendien und seit 1996 auch von Kunstpreisen widmet. 34 Stipendiaten und zehn Kunstpreisträger sind in 30 Jahren zusammengekommen – unterstützt und ausgezeichnet werden im Zwei-Jahres-Rhythmus jeweils zwei Stipendiaten und ein Preisträger. Sie teilen sich ein Preisgeld von insgesamt 101 000 Euro, darin enthalten sind je eine Ausstellung und ein eigener Katalog.

Werke von Ernst Wilhelm Nay

Das Leopold-Hoesch-Museum mit seiner Direktorin Renate Goldmann feiert nun das Jubiläum der Stiftung mit einer großartigen, mehrteiligen Ausstellung: mit Werken aus der Peill‘schen Sammlung von Ernst Wilhem Nay (1902-1968), einem der bedeutendsten deutschen Nachkriegskünstler, mit Arbeiten der Stipendiaten und Preisträger aus 30 Jahren sowie neuen Werken der drei aktuellen Peill-Schützlinge. Das sind der rheinische Künstler Robert Elfgen, die in Nikosia geborene Haris Epaminonda und die Libanesin Rana Hamadeh.

Sie waren eng befreundet, die Peills und der ab 1951 in Köln lebende Ernst Wilhelm Nay. Er muss das Dürener Paar überaus fasziniert haben mit seinen rhythmischen Farb- und Linienspielen – sie nahmen ihn mit in Urlaub und sorgten mit Ankäufen für ein geregeltes Auskommen des gebürtigen Berliners. Eine seiner Porträtzeichnungen war 1947 das überhaupt erste Kunstwerk, das die Peills erwarben.

Das ausgewählte Nay-Konvolut ist nun in jenem Teil des Museums zu sehen, dessen Errichtung die Peill-Stiftung 2010 mit zwei Millionen Euro unterstützt hat: im Erweiterungsbau, dem Peill-Forum.

Im gleichen Jahr zeigte Peill-Preisträger Gregor Schneider im Hoesch-Museum ein Werk, das heute eine noch frappierendere, beinahe fröstelnde Wirkung entfaltet: „Marienstraße“. Renate Goldmann erinnert sich, wie sie mit Gregor Schneider damals durch das entvölkerte Dorf Inden-Pier ging und er plötzlich sagte: „Die nehmen wir mit.“ „Die“ – das war ein Stück Straße, samt Bürgersteig und Straßenlaterne, mit all dem Dreck, der sich gerade darauf befand.

Dem originalen, mit beunruhigenden Gefühlen betretbaren Abschnitt der „Marienstraße“ ist nun in der Ausstellung der Peill-Stipendiaten und -Preisträger ein eigener Raum im Museum gewidmet – als ein bedrückendes zeitgenössisches Denkmal für die verheizte Heimat.

Dem Thema Frauenfeindlichkeit in ihrem ursprünglichen Kulturkreis widmet Rana Hamadeh einen verstörenden, intensiv wirkenden Film. Er greift den skandalösen Fall zweier Frauen auf, die im Jahr 1922 in Ägypten hingerichtet wurden, nachdem ihnen in ihrer Gefängniszelle auf geradezu verrückte Weise ein Geständnis abgepresst worden war, zig Prostituierte umgebracht zu haben. Ein eingeschleuster Derwisch soll sie buchstäblich verrückt gemacht haben. Der Film ist eine Art theatralische, assoziative Szenenfolge ohne Handlung und Geschichte mit einem unter die Haut gehenden Sound.

An eine besondere Spielart der Pop-Art erinnern die „gebauten Bilder“ des Wesselingers Robert Elfgen. Der montiert Umleitungsschilder, Spiegel, Mülleimer, Tücher, Tischdecken und alles Mögliche, das er im Umfeld seines Ateliers in Weilerswist so findet, zu rätselhaften und dennoch irgendwie poetisch wirkenden Ensembles zusammen. Ähnlich geht die Libanesin Haris Epaminonda vor, die gleichfalls Fundstücke miteinander drapert, allerdings sehr viel feiner und artifizieller als ihr rheinischer Kollege. Vasen und architektonische Versatzstücke wie Säulen und Sockel verströmen einen Ausdruck von erhabener Ästhetik.

Außerdem zu sehen: die historische Glassammlung der Peills, ergänzt um Leihgaben aus der Dürener Bevölkerung – Originalstücke, die den Hersteller, die Firma Peill & Putzler. überlebt haben.

Vor dem Museum wird eine Skulptur der ehemaligen Stipendiatin Leni Hoffmann errichtet.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert