Düren - Leopold-Hoesch-Museum: „Ein bestens bestelltes Haus“ in Düren

Leopold-Hoesch-Museum: „Ein bestens bestelltes Haus“ in Düren

Von: Eckhard Hoog
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Acht Jahre lang hat sie aus dem Dürener Leopold-Hoesch-Museum mit 150 Ausstellungen ein spannendes, erlebnisreiches und immer wieder überraschendes Haus gemacht: Renate Goldmann. Foto: Ingo Latotzki

Düren. Wenn das keine Auszeichnung ist – und auch noch genau passend zur richtigen Zeit: In der jüngsten Dezember-Umfrage der „Welt am Sonntag“ unter zehn deutschen Kunstkritikern und -kritikerinnen hat Christiane Fricke vom „Handelsblatt“ in der Kategorie „Museum im Aufwind“ das Leopold-Hoesch-Museum Düren als herausragend ausgewählt: „Ein bestens bestelltes Haus dank seiner nun scheidenden Direktorin Renate Goldmann.“

Fast minütlich treffen in ihrem Büro an diesem Tag zum Abschied Geschenke ein – von Sammlern, Mäzenen, Stiftern und Mitgliedern des Museumsvereins, und das sind immerhin 550, kurz: von vielen Menschen, die dem Leopold-Hoesch-Museum und seiner Direktorin seit langem eng verbunden sind. Nach acht Jahren endet nun ihre Amtszeit, und es gibt nicht wenige, die ihr Ausscheiden zutiefst bedauern.

Der international hoch geachtete Kunstsammler Wilhelm Schürmann zum Beispiel, der sich wundert, dass es zu keiner Einigung über die Verlängerung ihres Vertrags gekommen ist. „Hier wird Kunst ernst genommen“, sagte er uns kürzlich bei der Eröffnung der Werner-Dohmen-Ausstellung. Die hier präsentierte Kunst fand er „zum Niederknien“.

Neue, anspruchsvolle Aufgabe

„Ich wollte das Haus in der Museumslandschaft Nordrhein-Westfalens vorne platzieren“, erklärt die gebürtige Kölnerin ganz selbstbewusst. „Und ich denke, das ist mir gelungen.“ Keine Frage, dass die studierte Kunsthistorikerin umgehend eine neue, überaus anspruchsvolle Aufgabe gefunden hat. Ab 1. Januar 2018 wechselt sie als Direktorin an das Kölner Auktionshaus Van Ham, wo sie die Art Estate leiten wird. Van Ham ist das einzige deutsche Aktionshaus, das mit Van Ham Art Estate über eine eigene Abteilung für das professionelle Management von Künstlernachlässen verfügt.

So wird es zu ihren Aufgaben gehören, nicht nur individuelle Konzepte für einen angemessenen Umgang mit den künstlerischen Hinterlassenschaften zu entwickeln, sondern von der Beratung in steuerlichen und finanziellen Fragestellungen bis zur vollständigen Nachlassbetreuung umfassende Leistungen anzubieten. Karl Hofer und Karl Fred Dahmen sind nur zwei prominente Namen, deren Nachlässe in diesem Programm betreut werden.

Der Blick zurück: Imposant, was Renate Goldmann in nur acht Jahren allein zahlenmäßig an Präsentationen auf die Beine gestellt hat. 150 Ausstellungen waren es – thematische und monographische zur Kunst der Moderne und der Gegenwart. „Da konnte sich jeder wiederfinden“, sagt sie. Vom künstlerischen Jungspund wie den Peill-Stipendiaten über regionale Stars wie Gregor Schneider und Herbert Falken bis zu immer gern gesehenen Altmeistern wie Albrecht Dürer und Lucas Cranach sowie zeitgenössischen bekannten Heroen wie Gerhard Richter und Stephan Balkenhol reichte das Spektrum.

Aber das ist ja längst nicht alles, womit Renate Goldmann das Dürener Museum nach vorn gebracht hat: Ulrich Rückriem, der Ende der 50er Jahre in Düren seine Lehrjahre als Steinmetz und 1964 hier zuletzt eine Einzelausstellung hatte – ihn holte sie nach Düren zurück. Aus dem intensiven Kontakt ist Rückriems Schenkung seiner „Ursprung“-Skulptur hervorgegangen, die auf dem Vorplatz des Museums steht. Renate Goldmann erinnert sich gerne: „Wir waren gemeinsam im Steinbruch, um das Material auszusuchen.“

Auch finanziell ist das Haus bestens bestellt: „Wir hatten niemals ein Defizit“, sagt die Direktorin und erwähnt gleichzeitig eher unprätentiös, dass sie in den acht Jahren mal eben etliche „Millionen Euro an Fördermitteln und Spenden“ eingeworben hat.

Besonders am Herzen lagen ihr die großen Sammlungen, von denen sie – besonders herausragend – die einzigartige Kollektion Frerich als Schenkung an das Haus holen konnte: sage und schreibe 453 Selbstporträts von Künstlern wie Max Liebermann, Otto Dix, Max Beckmann und Andy Warhol. Neben zahlreichen weiteren Schenkungen gehört dem Leopold-Hoesch-Museum die Skulptur „Crazy Bird“ von Niki de Saint Phalle. Sie stammt von dem Dürener Papierfrabrikanten Rolf Renker, der heute in Neuseeland lebt. Für Renate Goldmann all dies Beweise für das große Vertrauen, das sie bei Mäzenen und Sammlern genossen hat.

„Kunst der Schausteller“

Gerne erinnert sie sich auch an die Ausstellung „Kunst der Schausteller“ 2013, in der sie ihre Verbundenheit mit der Region belegt sieht. „Das war ein großer Erfolg.“ Der organisatorische Zusammenschluss von Museen der Euregio in „Very Contemporary“ ging ebenso auf ihre Initiative zurück wie der Antrag auf eine intensive Provenienzforschung in ihrem Haus. Resultat: 181 Restitutionsfälle von Nazi-Raubkunst konnten nachgewiesen werden.

Damit ist das Leopold-Hoesch-Museum in dieser Hinsicht eine Speerspitze in der deutschen Museumslandschaft. Regionale Kooperationen mit der LVR-Klinik, mit Schloss Merode und der Landesgartenschau Zülpich – das nennt man wohl neudeutsch „beste regionale Vernetzung“. Und ihre Bemühungen, an der A4 ein Werbeschild für das Museum aufzustellen, waren nach Jahren bürokratischer Hemmnisse endlich von Erfolg gekrönt.

Währenddessen sah sie sich konfrontiert mit Statistiken von Bürgermeister Paul Larue (CDU), wonach 2016 5672, darunter 2534 zahlende Besucher verzeichnet wurden. Renate Goldmann besteht indessen energisch darauf, dass durchschnittlich 20 000 die richtige Zahl sei. „Die Niki-de-Saint-Phalle-Ausstellung hatte dieses Jahr allein schon 6500 Besucher.“

Ihr Fazit: „Ich hatte immer das Ziel, ein Museum für die Menschen zu gestalten.“ Die Profis unter den Museums- und Kunstkennern erklären – etwa die renommierte Aachener Kritikerin Renate Puvogel und die Dürener Mäzene Henning Hoesch, Hubertus Schoeller, Eberhard Peill und Jörg Zumbaum: „Das ist ist ihr vollauf gelungen!“

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