Leopold-Hoesch-Museum: Auch das Papier ist Teil des Kunstwerks

Von: Stephan Johnen
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Museumsdirektorin Dr. Renate Goldmann (links) und Kuratorin Dr. Alexandra von dem Knesebeck haben für die Ausstellung Leihgaben aus ganz Deutschland organisiert. Foto: Stephan Johnen
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Büttenpapier aus Zerkall: Felix Renker leitet das Familienunternehmen, das im Leopold-Hoesch-Museum Einblicke in die Produktion ermöglicht. Foto: Stephan Johnen

Düren. 600 Jahre Kunstgeschichte hängen dicht an dicht in den Ausstellungsräumen des Leopold-Hoesch-Museums. Es sind Zeichnungen und Druckgrafiken von Albrecht Dürer, Francisco de Goya, Rembrandt van Rijn, Paul Gaugin, Pablo Picasso, Edvard Munch, Andy Warhol, Georg Baselitz und Gerhard Richter.

Die Liste ließe sich fortsetzen, von den Altmeistern bis zu namhaften Vertretern der Gegenwartskunst.

Allein die 160 Meisterblätter sind sehenswert. Doch das Museum lenkt die Aufmerksamkeit der Besucher auf eine Seite der Kunstwerke, die sonst eher im Verborgenen liegt: auf das Papier. Es ist mehr als Träger des Dargestellten, es ist Teil des Kunstwerks.

„Paper is part of the picture. Europäische Künstlerpapiere von Albrecht Dürer bis Gerhard Richter“ ist folglich auch die neue Ausstellung überschrieben, die am Sonntag eröffnet wird. „Es ist die erste Schau zu Künstlerpapieren weltweit“, sagt Museumsdirektorin Dr. Renate Goldmann. „Nur die Restauratoren haben sich seit jeher mit dem Papier beschäftigt“, erklärt Kuratorin Dr. Alexandra von dem Knesebeck.

Bei Kunsthistorikern spielte das Papier allenfalls mit Blick auf die Erstellung von Werkverzeichnissen eine Rolle. Dass seit Jahrhunderten auch ästhetische und gestalterische Aspekte des Materials eine große Rolle bei der Papierwahl des Künstlers spielen, wurde nicht berücksichtigt. Dieser Perspektivwechsel ist ein zentraler Teil der Ausstellung, der Blick soll auf Zeichnung und Papier gleichermaßen fallen.

„Paper ist part of the picture“ beleuchtet im Papierjahr 2015 (seit 625 Jahren besteht die deutsche Papierherstellung, das Papiermuseum der Stadt Düren wird 25 Jahre alt) auch die zeitgeschichtlichen Kontexte. Denn jedes Zeitalter hatte sein eigenes Papier, es gab wechselnde Moden und Vorlieben bei den Künstlern, beispielsweise farbiges Papier im Barock.

Auch die Technik spielt eine Rolle, die Geschichte der Papierproduktion in Düren, an der Rur und in Europa wird aufgezeigt. Ein ganzer Raum ist dem Papierhersteller, Schriftsteller, Kunstsammler und Politiker Armin Renker (1891 bis 1961) gewidmet, der nach dem Zweiten Weltkrieg zum ersten Dürener Landrat gewählt wurde und den Wiederaufbau organisierte.

Die Papierfabrik in Zerkall, die heute von Renkers Enkel Felix Renker geleitet wird, ist eine der beiden letzten deutschen Fabriken, in denen Büttenpapier auf Rundsieben hergestellt und mit einem hohen Anteil an Handarbeit zu Künstlerpapieren verarbeitet wird. Dieser Prozess wird in einem Film dargestellt. Das Grundgesetz wurde übrigens 1949 auf Zerkaller Bütten gedruckt.

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