Kurpark Classix: Bösewichte der Oper geben sich die Ehre

Von: Eckhard Hoog
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Mit den Fantastischen Vier im Rücken, gaben sie am Donnerstag letzte Details der diesjährigen Ausgabe der Kurpark Classix bekannt: (von links) Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp, Veranstalter Christian Mourad, Erster Kapellmeister und stellvertretender Generalmusikdirektor Justus Thorau und Generalintendant Michael Schmitz-Aufterbeck. Foto: Harald Krömer
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Seit zwölf Jahren ist er in seiner Heimatstadt Aachen nicht mehr aufgetreten: David Garrett spielt bei der Kurpark Classix Tschaikowskys Violinkonzert D-Dur op. 35. Foto: imago/Zuma Press

Aachen. „Mich erinnert das an die Waldbühne – wie schön, dass es auch hier so etwas gibt.“ Justus Thorau, waschechter Berliner – 1986 in der Stadt an der Spree geboren und auch dort aufgewachsen – überkommen heimatliche Gefühle, wenn er an die Kurpark Classix in Aachen denkt.

Zwar gibt es zwischen den beiden Spielstätten den unwesentlichen Unterschied von 27.000 zu 4500 Plätzen, aber die Atmosphäre, die ist doch sehr ähnlich. Zumindest für Justus Thorau, der in der kommenden Saison nach dem Weggang von Kazem Abdullah das Sinfonieorchester Aachen als kommissarischer Generalmusikdirektor dirigieren wird – und natürlich auch bei den Kurpark Classix.

Ohne Sponsoren kein Festival

Am Donnerstag gaben er, Veranstalter Christian Mourad, Generalintendant Michael Schmitz-Aufterbeck und Oberbürgermeister Marcel Philipp (CDU) letzte Details des Programms der diesjährigen Ausgabe bekannt. Außerdem grüßten jene Sponsoren, ohne die das Event gar nicht stattfinden könnte: Vertreter der Sparkasse Aachen, des Porsche Zentrums Aachen, von NetAachen, Stawag, DocMorris, EWV, Hotel Pullman Aachen Quellenhof, Deubner Baumaschinen, Apag und Aseag.

Eines der vier Konzerte ist bereits ausverkauft: das der Fantastischen Vier am zweiten Abend des Festivals, am Samstag, 2. September. Die „Fab Four“ machen auf ihrer aktuellen „Vier & Jetzt Open Air“-Tour Station in Aachen. Dieser Abend ist im Übrigen im Unterschied zu den anderen Veranstaltungen kein „Picknickkonzert“, betont Mourad. Ansonsten ist das Grün frei für speisende Konzertbesucher und ihre Utensilien. Für die Wiesenplätze gibt es wie immer Extrakarten.

„Der Schwerpunkt liegt aber auf der Klassik. Wir veranstalten kein Pop-Festival“, sagt Christian Mourad. Auch Stargeiger David Garrett wird bei seinem Heimspiel in der „Last Night“ am Sonntagabend keineswegs mit seinem Crossover-Programm auftrumpfen, sondern ganz brav und seriös einen Hit der klassischen Literatur servieren: das Violinkonzert D-Dur op. 35 von Peter Tschaikowsky. Bevor die Classix mit dem großen Abschlussfeuerwerk enden, spielt das Sinfonieorchester Aachen noch Modest Mussorgskys „Eine Nacht auf dem kahlen Berge“ – als Kontrast zum garantiert fantastischen Wetter am 3. September – und Sergej Prokofievs „Romeo & Julia“-Suite Nr. 2 op. 64 b. „Die Melodien daraus haben auch Nicht-Klassik-Hörer im Ohr“, verspricht Thorau.

Malte Arkona, seit Jahren der gesetzte und allseits beliebte Moderator der „Classix For Kids“ am Sonntagvormittag, wird sein sängerisches Debüt als Papageno geben. Außerdem wird er sich in diesem Familienkonzert auf die Suche begeben nach der Königin der Nacht, wenn die Geschichte von Mozarts „Zauberflöte“ erzählt wird.

Die Schurken auf der Welt, sie werden nicht alle – im Gegenteil. Und weil das Beethoven, Wagner, Verdi und viele andere ihrer Kollegen auch schon wussten, stellen Schmitz-Aufterbeck und Thorau die „Night At The Opera“ zum Auftakt des Festivals am Freitag, 1. September, unter das passende und angesichts der Weltlage immer hochaktuelle Motto „The Dark Side Of Opera“ mit den berühmtesten Bösewichten des Musiktheaters.

Pizarro, Mephisto und Jago

Thorau hat einige von ihnen aufgezählt: Don Pizarro aus Beethovens „Fidelio“ zum Beispiel, der den armen Florestan widerrechtlich einkerkert und damit irgendwie an einen gewissen türkischen Herrn erinnert. Oder Mephisto, der unter anderem in Gounods „Faust“ sein Unwesen treibt. Gar nicht erst zu reden von Jago, dem skrupellosen Rächer in Verdis „Otello“. Und auch einige Damen der Oper stehen den männlichen Halunken in nichts an Gemeinheiten nach: Man denke nur an Ortrud, die in Wagners „Lohengrin“ die Strippen zieht. Thorau: „Und im ‚Ring‘ wimmelt es nur so an Bösewichten.“

In die „dunkle Seite der Oper“ werden sich mit Wonne die Stars des Aachener Musiktheaters begeben: Woong-jo Choi, Hrólfur Saemundsson, Irina Popova, Pawel Lawreszuk, Patricio Arroyo und andere. Zur Seite stehen ihnen der Opernchor Aachen und der Sinfonische Chor Aachen unter der Einstudierung von Elena Pierini.

„Ein wahnsinnig rundes Programm“, findet Michael Schmitz-Aufterbeck und lobt ausdrücklich Christian Mourad für die Schnelligkeit, mit der er so frühzeitig alles fertig bekommen hat. Er prophezeit: „Das wird eine der bestverkauften Veranstaltungen der letzten Jahre.“

12 300 Karten sind bis jetzt schon weg, die Tribüne für das Konzert von David Garrett war innerhalb von 24 Stunden ausverkauft. Für die Wiesenplätze gibt es hier noch Tickets.

Wenn alles optimal läuft, werden am Ende maximal 21 500 Menschen die 11. Aachener Kurpark Classix besucht und dieser „großen Marke“ (Marcel Philipp) noch mehr Bedeutung verliehen haben.

Ein Da capo am Montag wird es dieses Mal übrigens nicht geben. Die Gründe erklärt Veranstalter Mourad: „Das finanzielle Risiko ist einfach zu groß. Und es ist schwer, ein geeignetes Zugpferd zu finden, das für das übrige Programm keine Konkurrenz darstellt.“ Es sei denn, Sting oder Elton John wollten unbedingt im Aachener Kurpark auftreten: „Dann gäbe es doch ein Da capo.“

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