Kunstjahr 2011: Aachen bietet Joos van Cleve und Fotorealismus

Von: Dorothea Hülsmeier und Eckhard Hoog
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Das Ludwig Forum feiert im März sein 20-jähriges Bestehen: Die Jubiläumsschau präsentiert Fotorealisten wie Chuck Close. Foto: Archiv

Aachen/Düsseldorf. Picasso einmal ganz anders, außerdem Impressionisten, Frauen der Avantgarde und ganz viel Fotografie - vom Rhein bis zur Weser bieten die Museen im nächsten Jahr Außergewöhnliches. Und Aachen mischt kräftig mit: Hier gibt sich der „Leonardo des Nordens” - ein Malgenie der Renaissance - ebenso die Ehre wie die erste Riege amerikanischer Fotorealisten.

Die Vorschau auf die wichtigsten Ausstellungsereignisse in Nordrhein-Westfalen beweist: 2011 ist ein Jahr für die Kunstfreunde.

Das Aachener Suermondt-Ludwig-Museum wird mit 60 Werken von Joos van Cleve nach Hans von Aachen in diesem Jahr wieder eine Entdeckung präsentieren (16. März bis 26. Juni). Erst zwei Mal konnte man kleinere Einzelausstellungen des 1540 in Antwerpen gestorbenen Renaissance-Meisters sehen: 1991 im Louvre und 2003 in Genua. Ansonsten muss man schon eine ausgedehnte Reise zu absoluten Spitzenhäusern unternehmen, um das Werk van Cleves betrachten zu können: zum Louvre nach Paris, zu Thyssen-Bornemisza nach Madrid oder zu den Königlichen Sammlungen von Queen Elizabeth nach London.

Museumsdirektor Peter van den Brink rechnet mit mindestens 25000 Besuchern. Er hat ein Fai-ble für Neuentdeckungen: „Die bekannten Künstler wurden schon so oft gezeigt, das wäre ein bisschen langweilig.”

Das Aachener Ludwig Forum feiert sein 20-jähriges Bestehen mit der Schau „Hyper Real - Kunst und Amerika um 1970” (13. März bis 19. Juni). Das Geburtstagsfest steigt gleich nach der Eröffnung am Sonntag, 13. März. Das ambitionierte Ausstellungsprojekt vereint den Fotorealismus mit einer kritischen gesellschaftlichen Betrachtung vor allem der 70er Jahre in Amerika.

Dabei soll nach der Vorstellung von Forumsdirektorin Brigitte Franzen diese häufig unterschätzte Kunstrichtung durch die Gegenüberstellung mit traumatischen historischen Ereignissen eine Neubewertung erfahren: Das reicht vom Vietnamkrieg, der Nixon-Ära im Allgemeinen bis zur Diskriminierung der Schwarzen in den USA. Thematisch liegt der Schwerpunkt auf dem American Way of Life, der sich in zahlreichen Motiven wiederfindet. Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit dem Museum für Moderne Kunst in Wien (MuMok) und dem Ludwig Museum in Budapest.

Die Schau zu den westeuropäischen Avantgarde-Künstlerinnen der 20er und 30er Jahre (22. Oktober bis 15. Januar 2012) ist der Höhepunkt in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, die 2011 ihr 50. Gründungsjahr feiert.

Zu dem bedeutendsten deutschen Impressionisten Max Liebermann konzipiert die Bundeskunsthalle in Bonn in Zusammenarbeit mit der Hamburger Kunsthalle eine Schau (21. April bis 11. September). Impressionismus lockt fast immer die Massen an: Das Wuppertaler Von der Heydt-Museum setzt mit Alfred Sisley (13. September bis 29. Januar 2012) seine erfolgreiche Impressionismus-Reihe fort.

Nach der Blockbuster-Ausstellung zu den Impressionisten in Paris konzentriert sich das Essener Museum Folkwang auf Fotografien mit Ausstellungen zu Antje Dorn (5. März bis 15. Mai) und dem US-Fotografen Joel Sternfeld (16. Juli bis 23. Oktober). Auch in Ostwestfalen setzt das Museum Marta in Herford auf Fotografie und zeigt ab März die US-Fotokünstlerin Cindy Sherman (bis 8. Mai).

Dass Pablo Picasso nicht nur ein begnadeter Künstler, sondern auch ein Meister der Selbstinszenierung war, demonstriert das Museum Ludwig in Köln mit der Schau „Ichundichundich”. Mehr als 200 Picasso-Aufnahmen großer Porträt-Fotografen von Henri Cartier-Bresson bis Man Ray werden präsentiert (24. September bis 16. Januar 2012). Die Bielefelder Kunsthalle zeigt Picasso 1905 in Paris - das Jahr des Wendepunkts des berühmten Malers (25. September bis 15. Januar 2012). Die weltberühmte Düsseldorfer Malerschule von 1819 bis 1918 beleuchtet in einer Überblicksausstellung mit rund 350 Werken das Düsseldorfer museum kunst palast (24. September bis 22. Januar 2012).

Auch abseits der Metropolen wartet NRW mit großer Kunst auf. Im LWL-Landesmuseum in Münster ist der Höhepunkt eine Ausstellung zu dem Fotokünstler Thomas Ruff (25. September bis 8. Januar 2012), Vertreter der weltweit bekannten rheinländischen Fotoszene. Dem Maler Blinky Palermo, Beuys-Schüler und „James Dean” der Kunstszene, der 1977 mit erst 33 Jahren starb, ist ab 27. Februar eine Schau gewidmet (bis 15. Mai).

Am Niederrhein wird mit Spannung die Mitte September geplante Wiedereröffnung des Museums Schloss Moyland mit dem weltweit größten Bestand an Werken von Joseph Beuys erwartet. Lange war die krude „Petersburger Hängung” - eng zusammen und in mehreren Reihen übereinander - kritisiert worden. Mitte September präsentiert Museumschefin Bettina Paust das neue Konzept der Sammlung.

Dem legendären Begründer der Minimal Art, dem US-Künstler Carl Andre, widmet das Kurhaus Kleve ab 10. April eine Schau. An-dre erhält im Frühjahr den Züricher Roswitha-Haftmann-Preis. Mit umgerechnet 100.000 Euro ist es der höchstdotierte europäische Kunstpreis.

Und wer bei diesem Programm immer noch Zeit hat, für den ist die nächste große Sonderschau im Neanderthal-Museum in Mettmann richtig: Dort dreht sich vom 21. Mai bis zum 25. September alles um die Zeit - vom Urknall bis zur Zeitrechnung verschiedener Völker.
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