Aachen - Kunst zwischen den Fronten: Ausstellung im NAK

Kunst zwischen den Fronten: Ausstellung im NAK

Von: Eva Rother
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Kunst mit und auf Stehtischen: Die Kuratoren Elisa R. Linn und Lennart Wolff (Mitte) mit den Künstlern George Rippon (links) und Renaud Jerez im Neuen Aachener Kunstverein. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Champagner, Fingerfood, schöne, bevorzugt schwarz gekleidete Menschen und Adabeis – und im Hintergrund gibt’s auch noch Kunst: So spielen sich weltweit viele Vernissagen ab. Im Neuen Aachener Kunstverein knöpfen sich die Berliner Kuratoren Elisa R. Linn und Lennart Wolff die „Eventisierung“ und Vermarktung von Kunst im Dienst der Profilierungsbestrebungen von Städten vor.

Kunst als Möglichkeit, Städte mit spektakulären Erlebnissen attraktiv zu machen: Für die Künstler ist das nicht selten ein dialektischer Spagat – hier künstlerische Provokation, da Teilhabe an geölten Marketingmechanismen. Die Kuratoren haben den kuwaitischen Architekten und Künstler Aziz al Quatami als Ausstellungsdesigner mit ins Boot geholt. Mit weiß-bespannten Stehtischen bedient er die Erwartungeneiner „Grand Opening Reception“, die der Titel der Ausstellung verheißt. Gleichzeitig dienen sie als Flächen für die teils speziell dafür angefertigten Arbeiten der internationalen Künstler Peter Friedl,Dena Yago, Stewart Uoo, Christian von Borries, George Rippon, Renaud Jerez, Carey Young, Julien Ceccaldi, Kaspar Müller, Cooper Jacoby.

Der Amerikaner George Rippon zum Beispiel hat ironische Kommentare zum Ausstellungsthema beigesteuert. Ein oben offener Schuhkarton des weltgrößten Sportartikelherstellers dient winzigen Figürchen aus der Modelleisenbahnarchitektur an Stehtischen (!) als Aufenthaltsort und Betätigungsfeld. Ziemlich vereinzelt wirken sie, bis auf zwei kopulierenden Schweine, auf denen eine Art Meerjungfrau thront. Jeff Koons lässt grüßen. Kitsch, Kunst Kommerz – die Grenzen sind oft fließend. In Gestalt einer wirklichen Zigarettenschachtel dominiert die (Werbe-)Industrie alles.

Julien Ceccaldi (Kanada) zeigt einen Fotodruck, der die Fläche eines Stehtisches komplett ausfüllt. Hinter gitterartigen Verstrebungen eines Fensters steht ein einsamer, abgemagerter, nackter Mann, das Gesicht spitz verfremdet. Dazugehören oder außenstehen – sicher nicht nur ein Problem von Künstlern und Kunst.

Zu den verschiedenen Medien gehören auch Videos. Wie das des gelernten Musikers Christian von Borries: Mit Videoclips, meist aus sozialen Netzwerken, formuliert er anhand von glänzenden Karrieren (Michael Jackson), samariterähnlichem Einsatz von Stars (Angelina Jolie) oder unterhaltenden Politikern (Wladimir Putin) seine Kritik an der nur scheinbar uneigennützigen Grenzüberschreitung.

Die Ausstellung wirft Fragen auf, die nicht neu, aber immer wieder aktuell sind. Gut, wer sich schon mit zeitgenössischer Kunst ein wenig beschäftigt hat und sich durch einen erheblichen theoretischen Erklärungsüberbau nicht abschrecken lässt.

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