Kulturagenten starten mit neuem Arbeitgeber durch

Von: Jenny Schmetz
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Ziehen die Fäden zwischen Schulen und Kulturszene: Monika Nordhausen (v. l.) und Monika Espe, die Katrin Eickholt als Kulturagentin abgelöst hat.

Aachen. Schlappe 007-Gags und fragende Blicke ernten sie mittlerweile seltener. Seit mehr als vier Jahren verfolgen die Kulturagenten in fünf Bundesländern ihre Mission: Kultur raus aus der Nische und rein in den Schulalltag! Inzwischen sind sie auch in der Region Aachen keine Unbekannten mehr.

„Wir sind hier nicht mehr wegzudenken“, sagt Kulturagentin Monika Nordhausen selbstbewusst. Ihr Einsatz als Impulsgeber, Berater und Netzwerker zwischen Schülern, Lehrern, Künstlern und Kulturinstitutionen kommt so gut an, dass das Modellprojekt um vier Jahre verlängert wurde. Auch die NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann stuft das Programm als Erfolg ein, daher wird sich das Land weiter finanziell beteiligen (siehe Kasten).

Eine Orchesterprobe und Fragerunde mit dem Piano-Promi Lars Vogt, ein Outdoor-Museum im Herzogenrather Grube-Adolf-Park oder Speed-Datings mit Künstlern: Bei solchen Projekten sind Schüler ab Klasse 5 beispielsweise mit der Kunst auf Tuchfühlung gegangen.

Das Ziel der Agenten lautet: nicht einzelne Feuerwerke abfackeln, sondern Kultur durch Projektwochen, Arbeitsgemeinschaften, Workshops oder Fächer wie Darstellen und Gestalten verstärkt im Unterrichtsplan zu verankern – und dabei besonders die Anliegen der Schüler zu berücksichtigen. Weiterhin investieren die zwei Kulturagentinnen in der Region Aachen pro Woche jeweils 32 Stunden Arbeitszeit, um für Schulen möglichst dauerhaft Kontakte zur Kulturszene zu knüpfen.

Neben der Aachener Künstlerin Monika Nordhausen (52) hat nun Monika Espe (32) die Fäden in der Hand. Die Schwäbin kennt die Region als ehemalige Theaterpädagogin des Grenzlandtheaters bestens. Sie löst Katrin Eickholt (40) als Kulturagentin ab, die wieder 100-prozentig als Theaterpädagogin am Aachener Theater aktiv ist.

Eickholt meint, dass sie viel bewegen konnte, aber sie gibt zu: „In dem sehr reglementierten System Schule stößt man auch auf Widerstände.“ Nordhausen hält dagegen: „Schule wird so sehr flexibel. Aber das dauert einfach.“ Jetzt müssten Lehrer nur noch lernen, nicht sofort nach einer Kulturwoche Klausuren zu schreiben . . .

In der zweiten Phase sollen die Kulturagenten stärker an die Kommunen gebunden werden. Nicht mehr eine Projekt-GmbH im fernen Berlin ist daher ihr Arbeitgeber, sondern das Theater Aachen. Dessen Geschäftsführer Udo Rüber, weiß, dass sein Haus davon profitieren wird. Die Agentinnen kümmern sich schließlich auch um sein Publikum von morgen. Eine „Win-win-Situation“, wie es so schön neudeutsch heißt.

Obwohl sie jetzt ans Aachener Theater angedockt sind, kooperieren sie genauso mit Das Da Theater oder Ludwig Forum, dem Künstler-Forum Schloss Zweibrüggen oder allen anderen Kulturinstitutionen der Region, betonen die Moderatorinnen. Weiterhin beraten sie sechs Schulen in puncto kultureller Bildung. Monika Espe unterstützt die Europaschule und die Roda-Schule Herzogenrath sowie die Willy-Brandt-Gesamtschule Übach-Palenberg. Monika Nordhausen ist zwischen Heinrich-Heine-, Maria-Montessori- und der Vierten Gesamtschule Aachen unterwegs. Aber das Ziel ist, dieses Netzwerk auszuweiten. In der vierjährigen „Transferphase“ sollen Agenten und Schulen ihre Erfahrungen an andere weitergeben.

Ausgestiegen ist die Gustav-Heinemann-Gesamtschule Alsdorf. Ihr Leiter Martin May betont, dass man sehr vom Programm profitiert habe. Seine Schule wolle aber die bestehenden Netzwerke zu kulturellen Einrichtungen und Künstlern ohne Agentin ausbauen. Da gibt es ja auch schon ein sehr vielfältiges Angebot – vom Label Kulturschule bis zum Kulturrucksack –, das die Kulturagenten nun weiter bereichern. Ihr Eindruck: Die Schulen haben sich kreativ bewegt. Jetzt ist die Kulturszene dran!

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