Kultband mit zerbrechlichem Sänger: Depeche Mode

Von: Christian Rein
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Eine Band, die ihre Fans nach wie vor begeistert: Depeche Mode, um den exzentrischen Sänger Dave Gahan (vorne). Foto: Thomas Brill

Oberhausen. 24.000 Arme recken sich in die Höhe. Sie schwenken hin und her, unten, im Innenraum, und auf den Tribünen im weiten Rund der Arena bis hoch unter das Dach. Beleuchtet von den Scheinwerfern über der Bühne sehen die tausenden von wogenden Armen aus wie ein Meer, das Wellen schlägt.

Dave Gahan steht mit leicht gespreizten Beinen an der Bühnenkante, die Arme ausgebreitet. Nur kurz, für einen Moment, hatte er die Arme hin und her schwenken müssen, damit die Menge es ihm gleichtat.

Mit dieser Szene beenden Depeche Mode den regulären Teil ihres Konzerts in der Arena Oberhausen, mit der sie die Hallen-Tour zu ihrem aktuellen Album „Sounds Of The Universe” eröffnen.

Längst eine Kultband

Depeche Mode sind längst eine Kultband. Im kommenden Jahr feiern sie ihr 30-jähriges Bestehen. Nach zwölf regulären Alben und wechselnden Besetzungen sind sie schon seit einigen Jahren nur noch zu dritt: Gahan (Gesang), Martin Gore (Keyboards, Gitarre und Gesang) und Andrew Fletcher (Keyboards).

Das Trio hat in den 80er Jahren als Miterfinder des Synthie-Pop Musikgeschichte geschrieben, haben weltweit Millionen Alben verkauft - in Deutschland hatten nur die Beatles mehr Top-Ten-Platzierungen als sie -, und füllen mühelos ganze Stadien. Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass die Arena ausverkauft ist.

Schwarz und weiß, rot und blau. Immer wieder leuchtet die Bühne in diesen Farben. Gestaltet wurde sie von dem niederländischen Fotografen und Filmemacher Anton Corbijn, der den optischen Auftritt von Depeche Mode bereits seit ihrem 86er Album „Black Celebration” maßgeblich prägt.

Hinter den Musikern ist eine überdimensionale Leinwand aufgebaut. Meistens zeigt sie in Live-Projektionen recht schonungslose Porträts von Gahan und Gore, den beiden Frontmännern, die sich am Bühnenrand abrackern.

Vom neuen Album stammen an diesem Abend lediglich die beiden Auftakt-Stücke „In Chains” und „Wrong” sowie später „Miles Away/The Truth Is”. Ansonsten mäandern Depeche Mode, wie es sich für eine Kultband gehört, durch ihr reichhaltiges Werk.

Wenn man den Auftritt als Best-Of-Konzert verkaufen wollte, wäre das nicht falsch: „Walking In My Shoes”, „It´s No Good”, „Question Of Time”, „Po-licy Of Truth”, „In Your Room”, „Enjoy The Silence” - die Erwartungshaltung der Fans wird voll erfüllt.

Schatten über dem Hitreigen

Gahan tanzt dazu mit dem Mikrofonständer, wirbelt ihn wie einen Propeller über seinem Kopf und fegt mit großen Schritten über die Bühne. Doch plötzlich ist Gahan verschwunden und Gore steht alleine mit sternengezackter Gitarre am Mikrofon.

Das gab es in der Vergangenheit schon häufiger. Doch bei dieser Tour liegen Gahans Pausen wie ein Schatten über dem Hitreigen.

Im Sommer, kurz vor dem Start ihrer Welttournee, wurde bei Gahan ein Blasentumor diagnostiziert. Er musste sich einer Operation unterziehen. In Oberhausen ist dem Sänger anzumerken, dass die Erkrankung nicht spurlos an ihm vorübergegangen ist.

Der Tumor, aber auch ein jahrzehntelanges Rock-´n´-Roll-Leben inklusive Scheidung, Selbstmordversuch (1995) und Drogenmissbrauch. Gahan wirkt - so sehr er auch wirbeln mag - Tat zerbrechlich.

Als sie am Schluss „Never Let Me Down Again” spielen, gibt diesen Moment: 24.000 Arme, ein Meer, Ekstase. Und Gahan mittendrin. Depeche Mode haben es sich erneut selbst bewiesen.

Depeche Mode treten am 26. und 27. Februar 2010 in der Es-prit-Arena in Düsseldorf auf. Karten gibt es über die Tickethotline unserer Zeitung: 0180/5999620. (14 Cent pro Minute aus dem deutschen Festnetz)

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