KuK wird zum Forum der Fotografie

Von: Eckhard Hoog
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Das Kunst- und Kulturzentrum der Städteregion Aachen in Monschau (KuK) zeigt 2017 zum ersten Mal in Deutschland diese spektakuläre Ausstellung – ein Zeichen für das Renommee des KuK, das ausgebaut werden soll: „Malkovich, Malkovich, Malkovich – Hommage to Photographic Masters“. Modell stand Schauspieler John Malkovich für Neuinterpretationen von Ikonen der Fotografie – hier als Warhols Marilyn. Foto: Arthur Sasse/Albert Einstein Sticking Out His Tongue (1951), 2014 © Sandro Miller / Andy Warhol/Green Marilyn (1962), 2014 © Sandro Miller
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Das Kunst- und Kulturzentrum der Städteregion Aachen in Monschau (KuK) zeigt 2017 zum ersten Mal in Deutschland diese spektakuläre Ausstellung – ein Zeichen für das Renommee des KuK, das ausgebaut werden soll: „Malkovich, Malkovich, Malkovich – Hommage to Photographic Masters“. Modell stand Schauspieler John Malkovich für Neuinterpretationen von Ikonen der Fotografie – hier als Albert Einstein. Foto: Arthur Sasse/Albert Einstein Sticking Out His Tongue (1951), 2014 © Sandro Miller / Andy Warhol/Green Marilyn (1962), 2014 © Sandro Miller

Aachen/Monschau. Die Motive sind unverkennbar und weltberühmt: Albert Einstein, wie er die Zunge herausstreckt, Marilyn Monroe in der poppig-grellen Version von Andy Warhol, Salvador Dalí mit seinem angespitzten Schnurrbart, Che Guevara, wie er sehnsüchtig in die Ferne starrt – allein: Irgendetwas stimmt nicht bei all den Aufnahmen.

Ein Gesichtszug drängt sich irgendwie immer nach vorn – der von Hollywoodschauspieler John Malkovich.

Was für eine grandiose Idee, die dem amerikanischen Fotografen Sandro Miller im Jahr 2013 einfällt: Ikonen der Fotografiegeschichte nachzustellen, bei denen sein Freund Malkovich Modell steht. Als die Ausstellung „Malkovich, Malkovich, Malkovich – Hommage to Photographic Masters“ am 7. November 2014 in der Catherine Edelman Gallery in Chicago eröffnet wird, da macht sie weltweit Schlagzeilen.

Die Schau reist anschließend nach Los Angeles, New York, Dallas, Paris und Italien. Im Moment ist sie bis zum 29. Januar im spanischen Málaga zu sehen, ab 30. April 2017 zum ersten Mal in Deutschland – im Kunst- und Kulturzentrum der Städteregion Aachen (KuK) in Monschau.

Mehr als nur Ausstellungen

Nicht das schlechteste Argument für die Pläne, die Nina Mika-Helfmeier, Leiterin des KuK, mit ihrem Haus verfolgt. Ihrer Vorstellung nach soll das KuK seinen Schwerpunkt Fotografie, der sich in den vergangenen sechs Jahren zu einer international anerkannten Adresse für diesen Bereich etabliert hat, weiter ausbauen zu einem Fotografie-Forum mit einem weit über die Organisation von Ausstellungen hinausgehenden Programm.

Ein Rückblick auf die KuK-Wurzeln: Alles begann 1998 mit einer „Studie über die Situation von Künstlerinnen in ländlichen Regionen“. Mika-Helfmeier leitete zu dieser Zeit noch beim Kreis Aachen das Amt für Projektentwicklung – heute bei der Städteregion das Amt für Kultur und empirische Forschung. 2001 lag die Studie vor, aus ihr erwuchs ein Konzept – und letztlich auch das KuK.

Aus der Taufe gehoben wurde 2003 das bundesweit erste „Gründerzentrum für Künstlerinnen und Künstler“, das den Kreativen alles unter einem Dach bieten konnte: sechs Ateliers, Präsentationsräume und ein Beratungszentrum. Das alles in einem Haus in der Monschauer Altstadt, das früher ein Finanzamt und später Asylbewerber beherbergte, dann jahrelang leer stand und zum KuK umgebaut wurde.

Mittlerweile steht klar der museale Aspekt in einem historischen wie modernen Ambiente im Vordergrund – mit immer hochkarätiger geratenen Ausstellungen. Höhepunkte verbinden sich mit Namen wie Anton Corbijn (2011), Jürgen Klauke (2012) und Jim Rakete (2012). In den vergangenen sechs Jahren konzentrierte sich das Ausstellungswesen im KuK vollends auf die Fotografie – die Bestätigung für den Richtungswechsel stellte sich prompt ein: 35.000 Besucher jährlich gelten mittlerweile als normal.

Für die „Mutter“ des Erfolgs gibt es gleich mehrere Gründe dafür: „Es ist aber vor allem die von diesem Kunstgenre ausgehende enorme Faszination“, erklärt Nina Mika-Helfmeier. Und ein über die Jahre verlässlich aufgebautes internationales Netzwerk, bestehend aus Fotokünstlern, Galerien, Experten und Museen in München, Berlin, Herford, Paris, Madrid, Brüssel und New York. Wohl die wichtigste Voraussetzung, um einen Knüller wie die Malkovich-Ausstellung deutschlandweit als Erster an Land ziehen zu können.

Der dritte Hauptgrund dafür, dass selbst kein Geringerer als der große Fotograf und Filmregisseur Anton Corbijn dem KuK ins Stammbuch schrieb „Ich liebte es, an Euren Wänden zu hängen!“: „Die kabinettartige Aufteilung, die intime Atmosphäre, der relativ gleichmäßige Lichteinfall dieses Hauses sind dafür prädestiniert, Fotokunst zu präsentieren.“

Das alles bei einem jährlichen Budget der Städteregion von 30.000 Euro. „Das sind 15 Prozent unseres Etats“, sagt die KuK-Leiterin. Den Rest wirbt sie ein – bei Privatfirmen, dem Land Nordrhein-Westfalen, dem Landschaftsverband Rheinland, Kunst- und Kulturstiftungen, der EU, bei Energieversorgern und, und, und. Auch ein nicht zu unterschätzendes Kunststück.

Kooperation mit Magnum

Als Fotografie-Forum mit erweiterten Aufgaben soll nun das KuK künftig eine noch bedeutendere Rolle in der internationalen Museumslandschaft spielen – zunächst in dreierlei Hinsicht. Ein Workshop-Programm in Zusammenarbeit mit der berühmten Pariser Magnum-Agentur ist am Mittwoch mit dem Magnum-Fotografen Thomas Dworzak gerade gestartet. Solche Professionalisierungsstrategien für Künstler entsprechen nach Mika-Helfmeiers Vorstellungen ganz dem ursprünglichen Charakter des KuK als „ein offenes Atelierhaus für Kreative bei ihrer Standortbestimmung“.

Eine Online-Plattform als virtuelle Artothek für Fotografen, in der sie ihre Arbeiten präsentieren und zum Ausleihen oder Verkauf anbieten können, gehört ebenso zu den Forums-Plänen wie ein mit 10.000 Euro dotiertes Stipendium. Das soll ab 2017 alle zwei Jahre vergeben werden und richtet sich an professionelle Fotografen sowie Absolventen von Kunst- und Fachhochschulen in Deutschland. Auch diese Kosten will das KuK, namentlich seine Leiterin, selbst stemmen.

Die Zustimmung zu all dem hat Nina Mika-Helfmeier von Städteregionsrat Helmut Etschenberg bereits sicher. Was sie darüber hinaus erwartet, ist das ausdrückliche „Okay“ seitens des Kulturausschusses, das ihr als politisches Signal der Unterstützung ganz wichtig ist.

Die Malkovich-Schau ist im Übrigen nur ein Vorgeschmack auf fünf Ausstellungen 2017, die am 19. Dezember offiziell vorgestellt werden. Mika-Helfmeier: „Das sind tolle Entdeckungen!“

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