Monschau - KuK in Monschau: Star-Bildhauer spürt Canalettos Geist an der Rur

KuK in Monschau: Star-Bildhauer spürt Canalettos Geist an der Rur

Von: Eckhard Hoog
Letzte Aktualisierung:
6547556.jpg
Seine Skulpturen versinnbildlichen häufig die Natur des Menschen und die Bedingungen der menschlichen Existenz: Der prominente niederländische Bildhauer Henk Visch zeigt ab Sonntag bis zum 22. Dezember eine Auswahl seiner Werke im Monschauer KuK. Foto: Andreas Gabbert

Monschau. „Für das KuK empfinde ich es als Auszeichnung, dass er hier ausstellt“, sagt Nina Mika-Helfmeier, die Leiterin des Kunst- und Kulturzentrums der Städteregion Aachen in Monschau. Wer mag da widersprechen? Immerhin gilt der niederländische Bildhauer Henk Visch als international vielgefragter Star der Szene, documenta-IX-Teilnehmer von 1992, Pavillon-Akteur auf der 1988er Biennale in Venedig, Ex-Professor an der Kunstakademie Stuttgart (1995 bis 2001), seit 2005 Professor für Bildhauerei an der Kunstakademie Münster.

In vielen europäischen Städten – in Amsterdam ebenso wie im schwäbischen Dorf Oeffingen – hat er monumentale Skulpturen hinterlassen. Kein Geringerer als Jan Hoet, belgischer Kurator zahlreicher internationaler Ausstellungen zur Gegenwartskunst, künstlerischer Leiter der documenta IX, kommt am Sonntag zur Eröffnung ins KuK (12 Uhr) und spricht die Einführung. Ein Ereignis also für Monschau.

Mit weißem Stoppelbart, kariertem Hut, um den Bauch geschürztem Schal, am Ellenbogen massiv durchlöcherter Strickjacke und den schwarz gefärbten Fingern eines Handwerkers vermittelt der 63-Jährige sogleich: Die einfachen Dinge im Leben sind gerade gut genug – kein Schein, mehr Sein. Und diese Devise gilt durchaus auch für sein künstlerisches Werk. „Too late for the grave“ betitelt er eine schwarze, in Fell gehüllte Gestalt, die gleich hinter der Eingangstür die Besucher begrüßt. „Jeder, der hier ankommt, hat den Tod verpasst“, sagt Visch amüsiert. „Alle sind Überlebende.“

Damit umreißt er auf seine typisch drastisch-humorvolle Weise sein künstlerisches Anliegen: der Natur des Menschen auf den Grund zu gehen, den Bedingungen der menschlichen Existenz mit hintergründigen Bilderrätseln beizukommen – ganz einfach. Dazu ist ihm buchstäblich jedes Mittel, jedes Material nur recht. Einheitlicher Stil? Uninteressant, absolute Nebensache. Vielfalt ist Trumpf in der Visch‘schen Kunst – so wie im Leben selbst.

Für Monschau hat sich der gebürtige Eindhovener von einer Canaletto-Ansicht des Markusplatzes in Venedig inspirieren lassen - mit Menschen, die wirken wie Statisten auf einer Bühne, und einem Hündchen in der Mitte, all das von dem venezianischen Meister sorgsam inszeniert. „Das passt“, dachte sich Visch mit Blick auf die Kulisse in dem beschaulichen Rur-Tälchen, das für ihn ebenfalls theatrale Elemente in sich birgt, und inszeniert einen Kunst-Weg durch die Räume des KuK - im Geiste Canalettos. „Ich will die Besucher lenken“, sagt er und thematisiert damit zugleich auf hintergründige Weise einen entscheidenden Wesenszug des Menschseins - der „Lebensweg“ umschreibt das Phänomen metaphorisch.

Der Zaun, das Metallgitter, das im ersten Ausstellungsraum ein Geviert eingrenzt, bezeichnet das schlechthin Unerreichbare im Leben. Und ein Plätzchen für Canalettos Hündchen, das leer bleibt.

Tieren begegnet der Besucher auf dem weiteren Weg: Eine Katze blickt aus dem Fenster, ein Hase mit überdimensionalen Ohren hält schlaff die Läufe vor dem Körper. „I was married with a monkey“ nennt Visch dieses Wesen, das in beinahe unterwürfiger Haltung den Betrachter empfängt. „Für einen Kinderfriedhof“, erzählt der Künstler, war der Hase ursprünglich gedacht, „als Trostbild“. Die großen Ohren fungieren dabei als Sinnbild: „Sie akzeptieren alles, was man sagt.“ Klagen, Wünsche, Hoffnungen, Schmerzen oder Verzweiflung - dieser Hase hat für alles offene Ohren.

Und als ehemaliger Ehepartner eines Primaten, wie ihn der Titel bezeichnet, dokumentiert er nicht nur den skurrilen Humor seines Urhebers, sondern auch noch das prekär einseitige Machtverhältnis zwischen der Kinder- und der Erwachsenenwelt. Bilderrätsel eben, die Henk Visch sinnfällig in den Raum stellt. Nichts als ein langgezogenes Drahtgebilde kann dabei ein schlichtes Stück Weg darstellen. „Alles fängt an und endet einmal“, spricht dazu der Philosoph und Poet in Henk Visch.

Seine „Menschen“ sind häufig reduziert auf gliedlose Wesen oder Figuren mit ausgreifenden Gesten, die irgendwie im Widerspruch zu sich selbst stehen: Arm- und willenlos blicken sie versonnen auf einen Punkt am Boden - träumend?

30 000 Besucher zählt das Monschauer KuK bereits jetzt für 2013 - mit Henk Visch dürfte die Zahl bis zum Jahresende noch einmal tüchtig steigen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert