Künstler Karl Otto Götz wird am Sonntag 101 Jahre alt

Von: eho
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Die Aachener Künstlerlegende wird am Sonntag 101 Jahre alt: Karl Otto Götz, hier mit seiner Frau Rissa. Foto: Stephan Rauh

Wolfenacker/Aachen. Wenn das keine gute Nachricht ist – den Humor jedenfalls hat er nicht verloren: Karl Otto Götz, die in Aachen geborene Künstlerlegende, wird am Sonntag 101 Jahre alt. „Nee, groß gefeiert wird diesmal nicht“, lässt er uns durch seine Frau Rissa übermitteln.

 „Zum 100., das hat mir gut gefallen“, sagt er. „Gefeiert wird aber erst wieder, wenn ich 105 bin.“ Der große, alte Mann der deutschen Nachkriegsmalerei – wer einmal das Glück hatte, ihm persönlich zu begegnen, der ist auf Anhieb fasziniert von seiner Bescheidenheit und Herzlichkeit. Mit seiner Frau Rissa lebt er seit Jahrzehnten in Wolfenacker im Westerwald.

Der Deutsche Bundestag ehrte ihn zu seinem 95. Geburtstag im Jahr 2009 auf ganz besondere Weise: Am Vorabend der zentralen Feierlichkeiten zum 20. Jahrestag des Mauerfalls, der am 9. November mit einem „Fest der Freiheit“ am Brandenburger Tor begangen wurde, empfing der Deutsche Bundestag feierlich bei einem Konzert Götz‘ monumentales Gemälde „Jonction III“, das bis dato in der Villa Hammerschmidt hing, dem Sitz des Bundespräsidenten in Bonn. Es bekam einen Ehrenplatz im Berliner Reichtagsgebäude.

Vorbild für eine ganze Generation

Entstanden ist das riesige Werk am 3. Oktober 1990, als Götz zunächst vor dem Fernseher saß, gebannt von den Berliner Feierlichkeiten zur deutschen Wiedervereinigung. Spontan stürmte er in sein Atelier und schuf auf seine Weise einen zwei mal 5,20 Meter großen Kommentar zu den Ereignissen . . .

Viele denkwürdige Kapitel der deutschen Geschichte verbinden sich mit dem Leben dieses Aachener Künstlers. Während der Zeit des Nationalsozialismus war er mit Malverbot belegt. Künstlerisch suchte er nach 1945 einen Neuanfang – auch eine Parallele zu jenem 3. Oktober 1990.

Die junge Künstlergeneration fand in Karl Otto Götz, diesem Repräsentanten einer antiautoritären Richtung, ihr großes Vorbild – in einem paradoxen Sinne: indem sie schlicht auf seinen stetigen Rat als Professor der Düsseldorfer Kunstakademie hörte, nur den eigenen, ganz autonomen Weg zu suchen, jenseits aller Vorbilder.

Zahlreiche Künstler haben Götz‘ großen Einfluss auf sie in diesem Sinne beschrieben, und viele von ihnen wie Gerhard Richter, Sigmar Polke, HA Schult und wie sie alle heißen, sind unter seiner Devise weltberühmt geworden. Diese ganz besondere Lebensleistung war es denn auch, die durch die große Geste des Deutschen Bundestages gewürdigt wurde.

K. O. Götz, wie er allseits genannt wird, studierte an der Kunstgewerbeschule in Aachen und später in Düsseldorf. Als Pionier der informellen Malerei, jener Nachkriegsspielart einer nichtgeometrischen abstrakten Kunst, ist er sich mit seiner ganz persönlichen Handschrift über Jahrzehnte hinweg wie kein Zweiter treu geblieben.

Etliche Werke schuf er zur Zeitgeschichte: „Jupiter“ und „Matador“ bezogen sich auf US-Atomraketen in Deutschland, „Menetekel I und II“ auf die Terroranschläge am 11. September 2001.

Ein wacher, kritischer Geist, ein wirklich Großer, ein überaus liebenswerter Mensch, dem wir zum Geburtstag das Allerbeste wünschen!

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