Kroatin Nora Turato bespielt den Neuen Aachener Kunstverein

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Ihr Publikum nimmt auf Käserädern Platz: Performance-Künstlerin Nora Turato im Neuen Aachener Kunstverein. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. „Your Shipment Has Been Dispatched“ (Dein Paket ist unterwegs): In Zeiten von Online-Shopping und e-Commerce weiß nahezu jeder, worum es geht, wenn dieser Satz zu lesen ist. Genau so nennt Nora Turato ihre aktuelle Ausstellung im Neuen Aachener Kunstverein (NAK), die an diesem Samstag um 19 Uhr eröffnet wird.

Sprechperformances – live und auf Tonband konserviert – sind der Kern ihrer Kunst. Die Kroatin, die derzeit Stipendiatin der Amsterdamer Rijksakademie van Beeldende Kunsten ist, verbindet sie im NAK mit typografischer Videoinstallation, Plakaten mit halbsinnhaften Sprüchen in Twitter-Manier und einer Auswahl besonderer Sitzmöbel. Das Gastspiel im Es ist ihre erste institutionelle Einzelausstellung.

Drei Laibe eines nicht ganz preisgünstigen italienischen Hartkäses, platziert auf ähnlich farbigen Kunstlederkreisen, dienen im Erdgeschoss den Ausstellungsbesuchern als Sitzgelegenheit, um den rhythmisch-aggressiv gesprochenen Texten zu folgen. Erst dort sitzend erreichen die Töne den Zuhörer, denn sie werden über Richtlautsprecher abgespielt – „eine Anspielung auf die Speaker’s Corner im Londoner Hyde-Park“, erklärt Turato. „Zugleich ein Luxusartikel, der sich nach der Ausstellung recyceln, im Sinne von Essen, lässt.“

Sperrige Art gefiel dem NAK-Chef

Eine Etage höher wirft die 26-jährige Künstlerin auf Wandgröße gezogene Wörter in Signalrot in den abgedunkelten Raum. Parallel dazu spricht sie diese Worte, entweder live oder vom Tonband. Immer in Englisch, denn obwohl das nicht Turatos Muttersprache ist, sei es doch die Sprache, in der sich ihre Generation von „Millenium White European Girls“ weltweit verständige und auch entsprechende Codes beinhalte.

Genau diese relativ sperrige Art von Kunst ist NAK-Direktor Ben Kaufmann aufgefallen, als Turato im vergangenen Jahr bereits als Gast von Kunstpreisträger Johann Arens im NAK auftrat. Gehe es doch besonders vielen jungen Künstlern heute scheinbar in erster Linie um Verkaufbarkeit ihrer Kunst. Anders Turato, die einerseits von Grafik-Design und Typografie, andererseits von der Musik kommend zu ihrem künstlerischen Ausdruck gefunden hat: Die völlig entkernte Sprache, die sich auf Alltagsbeobachtungen bezieht und zugleich gesellschaftskritisch als auch ironisch daher kommt.

Turatos Ausstellung ist bis 26. März – immer dienstags bis sonntags zwischen 14 und 18 Uhr – im NAK zu sehen. Während dieser Zeit wird sie zudem in der Dreiländerregion und im Rheinland mit ihren Sprachperformances auf Tour gehen, beginnend am Dienstag, 14. Februar, um 20 Uhr im Autonomen Zentrum Aachen (Hackländerstraße 5) sowie am Mittwoch, 15. Februar, um 17 Uhr am Kongressdenkmal im Aachener Stadtgarten unweit des NAK. Weitere Termine gibt es unter www.neueraachenerkunstverein.de im Internet.

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