Krefelder Kaiser Wilhelm Museum wird wiedereröffnet

Von: Dorothea Hülsmeier
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Die Büsten „Frau L.“ (rechts) von Wilhelm Lehmbruck und „Eva“ von Rodin schaut sich hier eine Besucherin des Krefelder Kaier Wilhelm Museums an: Nach jahrelanger Sanierung wird das Haus wiedereröffnet.
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Das Foto zeigt das Kaiser-Wilhelm-Museum am 28.06.2016 in Krefeld (Nordrhein-Westfalen). Eines der ältesten Museen im Rheinland wird nach fast sechjähriger Sanierung am Mittwoch (29.06.2016) wiedereröffnet.

Krefeld. Der Name Kaiser Wilhelm Museum lässt nicht gerade erahnen, dass hinter der imposanten Gründerzeitfassade in Krefeld eine moderne Kunstsammlung ihre Heimat hat. Sechs Jahre lang war das Prunkstück Krefelds geschlossen, am Samstag wird das Museum mit seiner stattlichen Sammlung aus rund 14.000 Arbeiten wiedereröffnet.

Für Krefeld ist das die Chance, sich mit dem Dreigestirn aus dem Kaiser Wilhelm Museum und den beiden Bauhaus-Villen Haus Lange und Haus Esters – die beiden Bauten stammen von dem Aachener Architekten Ludwig Mies van der Rohe – wieder als ein Kunstzentrum in Nordrhein-Westfalen zu profilieren.

Die Statue ist verbannt worden

Die Kaiser-Statue wurde nach draußen in eine Ecke verbannt und blickt jetzt geradewegs auf einen Imbiss in dem trotz einiger schöner Altbau-Straßen etwas heruntergekommenen Viertel. Im Inneren des Museums überraschen den Besucher lichte Räume, moderne Technik und die großen Namen der klassischen Moderne und der Kunst seit 1945.

„Kaiser Wilhelm steht natürlich nicht stellvertretend für unsere Sammlung“, sagt Museumsleiter Martin Hentschel (65), der einst ein Schüler von Joseph Beuys war. Aber das 1897 zu Ehren von Wilhelm I. gegründete Haus wolle seine Geschichte auch nicht verleugnen. „Vieles, was es hier gibt, ist durch die lange Schließung in Vergessenheit geraten“, sagt Hentschel.

Für die Eröffnungsausstellung konnte er aus dem Vollen schöpfen. Er zeigt Gerhard Richters „1024 Farben“, Sigmar Polke, Gilbert & George, Carl Andre, Andy Warhol, Robert Indiana, Yves Klein, Lucio Fontana, Christo und die Düsseldorfer Fotoschule um Andreas Gursky, Thomas Ruff und Thomas Struth.

Die Geschichte des Kaiser Wilhelm Museums war äußerst wechselhaft. In unschöner Erinnerung ist das Jahr 2006, als die Stadt nach bundesweiten Protesten ihren Plan fallen ließ, das damals auf rund 20 Millionen Euro geschätzte Monet-Gemälde „Das Parlament, Sonnenuntergang“ (1904) zu verkaufen.

Mit dem Geld sollte die Sanierung des maroden Museums bezahlt werden. Das impressionistische Bild war bereits 1907 erworben worden – damals ein Symbol für eine progressive Ankaufspolitik einer Kommune. Nun hängt der Monet in Nachbarschaft eines in Gießharz eingearbeiteten alten Bildes des 1952 geborenen Künstlers Herbert Hamak.

Mit der Marmorskulptur „Eva“ von Auguste Rodin zog schon 1900 das erste wichtige Werk der Klassischen Moderne in die Sammlung – Rodin schenkte als Dank noch eine kleine Bronzebüste dazu. In einem Saal sind nun Meisterwerke der Avantgarde von Kandinsky, Kirchner, Campendonk und Heckel sowie Skulpturen von Rodin, Wilhelm Lehmbruck und Picasso versammelt.

In den Jahren 2007/08 musste das Haus einen Aderlass verkraften, als die private Kunstsammlung Lauffs mit Schlüsselwerken der Pop Art, Arte Povera und des Minimalismus aus dem Museum abgezogen wurde. Ein Teil wurde 2008 in New York für fast 100 Millionen Dollar versteigert. Doch der einstige Museumsdirektor Paul Wember hatte seinerzeit nicht nur Kunst für das Sammlerehepaar Lauffs gekauft, sondern parallel immer auch Werke für das Museum erworben.

Und so kann der heutige Direktor Hentschel immer noch aus einem Bestand von 3500 bis 4000 „Museumsstücken“ auswählen, darunter viel Kunst nach 1945. „Ich könnte das Museum sechs bis sieben Mal aus der eigenen Sammlung bestücken.“

Gerettet vor dem drohenden Verkauf wurde ein siebenteiliger Werkkomplex des in Krefeld geborenen Joseph Beuys (1921-1986). Beuys hatte den Raum noch selbst eingerichtet. Darunter ist die aus einem Regal mit 600 Einzelteilen bestehende Installation „Barraque D‘Dull Odde“.

Flaschen, Tierknochen, ein Haufen Honigbienen, tote Fische, diverse Apparate liegen auf den Regalen – „ein Staubfänger par excellence“, sagt Hentschel. Ein halbes Jahr lang musste eine Kunsthistorikerin die Teile entstauben.

Erstmals nach 40 Jahren ist auch das monumentale vierteilige Wandgemälde „Lebensalter“ (1923) des Künstlers Johan Thorn Prikker wieder zu bewundern. Seit Mitte der 70er Jahre war das Bild hinter Rigips-Platten verschwunden, nun ist es wieder freigelegt. Schon einmal waren die expressiv gemalten Jünglinge versteckt worden. 1939 wurde eine Mauer errichtet, um das Bild vor der Vernichtungswut der Nazis zu schützen.

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