Kreativität mitten in der Stadt

Von: Hermann-Josef Delonge
Letzte Aktualisierung:
Öffnung zur Stadt: So soll de
Öffnung zur Stadt: So soll der Eingangsbereich der Musikhochschule in Aachen am Theaterplatz nach dem Umbau des Gebäudes aussehen. Computergrafik: Jochen König - hks Architekten+Gesamtplaner Aachen

Aachen. Ob das Geräusch von Presslufthämmern und Betonmischern schon wie Musik in seinen Ohren klingt? Nein, so weit will Herbert Görtz nun wirklich nicht gehen.

Als Professor für Orchester-, Chor- und Ensembleleitung weiß der Direktor der „Hochschule für Musik und Tanz Köln, Standort Aachen” (so der offizielle und leidlich einprägsame Name) wohl zu differenzieren.

Und trotzdem hat er derzeit ein gewisses Faible für diese Geräusche, signalisieren sie doch den steten Fortschritt eines Großprojektes, das Görtz ganz besonders am Herzen liegt: den Umbau der Musikhochschule am Theaterplatz im Herzen Aachens.

Seit November 2009 wird dort gebaut, Anfang Oktober soll alles fertig sein. Und dann, freut sich Görtz, „haben wir die modernste Musikhochschule Deutschlands”.

7,5 Millionen Euro werden verbaut, federführend ist der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW. Das ganze Gebäude wird grundsaniert; zum Innenhof hin entsteht rund um eine prächtige alte Rotbuche ein Anbau mit einem neuen Konzertsaal für fast 200 Plätze und einer Bibliothek.

Sichtbarste Veränderung nach außen wird allerdings der neue Eingangsbereich sein, der zum Theaterplatz hin verlegt wird - ein großzügiges Entree, das Görtz sehr am Herzen liegt. „Wir treten so im Bild der Stadt viel offensiver in Erscheinung.” Was durchaus nötig ist, auch wenn der Förderverein in Sachen Außenwirkung und Präsenz schon einiges bewirkt hat.

Die Wiedereröffnung der Musikhochschule ist für das Wochenende vom 7. Und 8. Oktober geplant, pünktlich zum Start des Wintersemesters, selbstverständlich mit einem Tag der offenen Tür, Führungen, Aufführungen, offenem Unterricht.

Bis dahin residiert die Hochschule noch im Ausweichquartier An den Frauenbrüdern, vielleicht einen halben Kilometern von der Baustelle entfernt. Ein beengtes Provisorium, das aber kreative Ideen freisetzte. Da es dort keinen angemessenen Konzertsaal gibt, gab es Auftritte von Studierenden an ganz anderen Orten der Region.

Wie sich Görtz überhaupt eine stärkere Öffnung in der Präsentation der Arbeit der Hochschule wünscht - was auch einen engeren Austausch mit den anderen Aachener Hochschulen einschließt. Der ist noch lange nicht so, wie er idealerweise sein könnte.

250 Studenten sollen in zwei Jahren an der Aachener Dependance der Kölner Musikhochschule studieren. Derzeit sind es 180.

Nicht ändern soll sich die sehr stark praxis- und berufsorientierte Ausbildung. „Wir beobachten es immer wieder: Es gibt so viele junge Musiker, die als Wunderkinder gefeiert wurden und dann verglühen, weil der Markt sie nicht braucht”, sagt Görtz. In Aachen werden weniger die herausragenden Solisten ausgebildet als vielmehr die Ensemblemitglieder - ob als Musiker oder Sänger.

Auch die Dozenten (derzeit rund 80, davon zwölf Professoren) kommen sehr stark aus der Praxis. „Das ist unser Markenzeichen”, sagt der Direktor, dem eine Stärkung des Opernstudios und die Einrichtung eines neuen Studiengangs für Korrepetitoren vorschwebt. Auch das nicht unbedingt ein Beruf für die erste Reihe, aber: „Wir wollen nicht, dass das Studium in brotloser Kunst endet.”

Britten-Operfeiert am 8. Juli Premiere

Eine weitere Baustelle für Prof. Görtz ist derzeit Benjamin Brittens Oper „Albert Herring”. Das Stück wird im Rahmen der seit über 20 Jahren bewährten Kooperation mit dem Theater Aachen am 8. Juli (Premiere) sowie am 12., 13., und 16. Juli im Großen Haus des Theaters aufgeführt.

Es singen und spielen Studierende, im Graben sitzt das Orchester der Musikhochschule. Die Inszenierung besorgt Tibor Torell , Prof. Görtz dirigiert, die Titelpartie interpretiert Louis Kim, in Aachen nicht nur als Tamino in der „Zauberflöte” ein gern gesehener Gast.

Natürlich wird auch der neue Konzertsaal, in dem pro Jahr rund 200 Konzerte pro Jahr stattfinden sollen, gebührend gefeiert: mit Veranstaltungen im Wintersemester, zu deren Höhepunkten die Oper „Linen from Smyrna” von Edward Rushton zählen wird.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert