Koreaner Chi Ho Han ist ein Poet des Klaviers

Von: Thomas Beaujean
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Er verzauberte das Publikum: Der Südkoreaner Chi Ho Han gastierte beim Meisterkonzert in Aachen.

Aachen. Dass ein Klavierabend in der Reihe der Aachener Meisterkonzerte nicht gerade ein Publikumsmagnet sein würde, zumal wenn er von einem völlig unbekannten Pianisten bestritten wird, stand zu befürchten. So blieben denn auch im Eurogress beängstigend viele Plätze leer.

Das war in doppelter Hinsicht bedauerlich: Weil es die Bemühungen des neuen Managements um eine Neubelebung der Reihe konterkariert und weil der erst 22 Jahre alte Südkoreaner Chi Ho Han, Preisträger des letztjährigen ARD-Wettbewerbs, sein Publikum geradezu verzauberte.

Der völlig unspektakulär und bescheiden auftretende junge Mann bot ein Programm mit Werken von Ludwig van Beethoven, Robert Schumann und Fréderic Chopin und tat dies auf eine natürliche Weise, die fernab war von der heute gerade bei Pianisten der jüngeren Generation so weit verbreiteten Art, alles anders machen zu müssen. Mochte die Wiedergabe von Beethovens Sonate Es-Dur op. 31 Nr. 3 noch etwas allzu sportlich und in den etwas überzogenen schnellen Tempi jugendlich ungestüm wirken, so verlor sich dieser Eindruck völlig bei Schumanns „Kreisleriana“ op. 16. Hier zeigte sich Han als ein wahrer Klavierpoet, der die sieben autobiographisch geprägten, stark kontrastierenden Miniaturen Schumanns mit einer wunderbaren Klangkultur interpretierte und dabei nicht nur mit intensiver Tongebung die Melodiestimme zum Leuchten brachte, sondern auch den Verlauf latenter Mittelstimmen sorgfältig nachzeichnete.

Ähnlich erging es Chopins 24 Préludes nach der Pause, die trotz der Knappheit ihrer Aussage jeweils einen geschlossenen Kosmos beinhalten. Auch hier zeichnete Han den Charakter der einzelnen Miniaturen mit erstaunlicher Reife nach, auch hier stand das poetische Moment im Vordergrund. Hier geriert sich kein Tastenlöwe, der seine technischen Fertigkeiten demonstrieren will, sondern ein in seinen jungen Jahren erstaunlich reifer Künstler. Dass er auch anders kann und dass er ein brillanter Techniker ist, das zeigte er beispielsweise an dem Presto con fuoco der Nummer 16.

Als Zugaben spielte er eine umwerfend amüsante, hochvirtuose Bearbeitung unbekannter Provenienz von Mozarts Marcia alla Turca und auf bewegend schöne Weise eine Klavierbearbeitung wohl aus der Feder von Franz Liszt von Robert Schumanns Lied „Widmung“ aus der Sammlung „Myrten“.

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