Konzertdirektion denkt daran, die Meisterkonzerte einzustellen

Von: Thomas Beaujean
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Er gastiert am 13. Dezember beim Meisterkonzert in Aachen: Meisterflötist Emmanuel Pahud. Foto: imago/Stephan Görlich

Aachen. Was die Spatzen seit längerem von den Dächern pfeifen, könnte bald bittere Realität werden: Die Saison 2012/2013 könnte die letzte der Meisterkonzerte in Aachen werden. Damit würde eine mehr als 50-jährige Tradition enden, die von dem längst verstorbenen Günter Weinert begründet wurde.

Wilfried Strohmeier, der die Agentur vor genau 25 Jahren übernahm und die Konzerte seitdem künstlerisch und organisatorisch betreut und finanziell trägt, will jedenfalls aus wirtschaftlichen Zwängen die Reißleine ziehen, wenn sich in der nun anlaufenden Saison nicht noch Fundamentales ändert.

Strohmeier macht aus seiner Enttäuschung über das Aachener Musikpublikum keinen Hehl. „Das Musikinteresse in dieser Stadt und Region ist in den letzten Jahren derart katastrophal abgestürzt, dass ohne mein persönliches finanzielles Engagement, das ich in meinen anderen Konzertreihen in der Philharmonie Essen, in Wiesbaden und in Mannheim erwirtschafte, längst ein Ende der Aachener Konzertreihe besiegelt wäre.”

So sei der Abonnentenstamm seit etwa 2008 von 1100 auf jetzt 700 abgeschmolzen. Preiserhöhungen auf ein Niveau, wie es in den drei anderen genannten Städten, aber auch etwa in Köln oder Düsseldorf selbstverständlich sei, seien in Aachen nicht durchsetzbar. So habe es bei moderaten Versuchen der Preisanpassung der Abonnements immer wieder Kündigungen mit Protestschreiben gegeben.

Strohmeier bitter: „Unser Auditorium vergreist und stirbt sichtbar aus. Eine ganz natürliche Entwicklung, wenn aus der mittleren und jüngeren Generation nichts nachwächst. Und das ist das Problem: Unsere jüngere Generation hat heute andere Interessen - bundesweit, aber auch und besonders in Aachen.”

Dagegenhalten muss man allerdings die erstaunliche Entwicklung der städtischen Sinfoniekonzerte unter Marcus Bosch, der sein Publikum vervielfacht hatte. Eine seltsame Diskrepanz.

Sollte Strohmeier sein Vorhaben in die Tat umsetzen, wäre das ein ganz herber Verlust für die Musikstadt Aachen, ist doch die Reihe der Meisterkonzerte die zweite wichtige Säule neben den Konzerten des Sinfonieorchesters Aachen.

Begegnungen mit großen und renommierten Orchestern wie den Wiener Symphonikern, Moskauer Orchestern, dem Dänischen Nationalorchester, dem Orchestre de la Suisse Romande und vielen anderen wären in Aachen nur noch wehmütige Erinnerung. Ob die Entwicklung noch aufgehalten werden kann, wird sich bis Ende des Jahres erweisen müssen. Dann muss in der Planung entschieden werden, ob Orchester und Solisten der Welt noch einen Tournee-Abstecher nach Aachen machen.

Das Programm der Meisterkonzerte2012/2013 im Aachener Eurogress, Beginn jeweils 20 Uhr:

21. Oktober: Russische Staatskapelle Moskau, Tatiana Polyanskaya (Klavier), Leitung: Valery Polyansky.

2. November: Bläsersolisten der Deutschen Kammerphilharmonie.

29 November: Brüsseler Philharmoniker, Herbert Schuch (Klavier), Leitung: Michel Tabachnik.

13. Dezember: Kammerakademie Potsdam, Emmanuel Pahud (Flöte), Davide Pozzi (Cembalo).

14. Januar: Klavierabend mit Igor Levit.

21. Februar: WDR Sinfonieorchester Köln, Christian Gerhaher (Bariton), Leitung: Andris Nelsons.

16. März: Nederlands Philharmonisch Orkest, Renaud Capuçon (Violine), Leitung: Marc Albrecht.

18. April:Philharmonia Prag, Jan Lisiecki (Klavier), Leitung: Jacub Hr??a.

5. Mai: Klavierabend Evgeni Bozhanov.

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