Komödie „Noch einmal, aber besser“ im Grenzlandtheater

Von: Sabine Rother
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Irgendwann gehen sie alle auf die Barrikaden: In der Komödie „Noch einmal, aber besser“ von Michael Engler, die im Grenzlandtheater Aachen Premiere hatte, spielen mit: Kerstin Thielemann (von rechts), Doris Drexl, Wolfgang Mondon (sitzend) und Harald Schröpfer. Foto: Kerstin Brandt

Aachen. Diese Komödie hat Biss. Sie ist intelligent, turbulent, skurril und manchmal erschreckend realistisch – das spürt man, wenn mal die männlichen und dann wieder die weiblichen Zuschauer besonders laut lachen: „Noch einmal, aber besser“ lautet der Titel des Stücks von Michael Engler, das in der Regie von Philip Stemann im Grenzlandtheater Aachen Premiere hatte.

Komödien zum Thema „Frauen und Männer“ gibt es viele, manche davon sind sogar richtig gut – zu ihnen zählt dieses Werk, das Regisseur Stemann von Anfang an mit einem sicheren Gefühl für Tempo, blitzende Dialoge, Wortwitz und sicherer Personenführung umsetzt. Da sitzt jeder Schlagabtausch, wird auch das Schweigen zum Mittel, um Spannung aufzubauen.

Die Geschichte: Vera und Thomas, seit vielen Jahren ein Ehepaar, sind zwar vermögend, haben sich aber außer giftigen Vorwürfen nicht mehr viel zu sagen. Finanziell unabhängig durch die Unterhaltungsromane, die Thomas seit Jahren schreibt, ist ihnen die Liebe abhanden gekommen. Bei Streitereien mit ihren Anwälten stürzt Thomas unglücklich und fällt auf den Kopf. Als er aufwacht, fühlt und spricht er wie ein 22-Jähriger – eine Chance, es „noch einmal, aber besser“ zu machen?

Das Publikum bleibt bis zum Schluss gespannt, ob es wirklich ein hübsches Happ End gibt – und wie das klappen soll. Die vier Pro-tagonisten verkörpern ihre Charaktere mit fast beängstigender Selbstverständlichkeit. Wolfgang Mondon ist „Thomas“, diese Mischung aus weichlichem Egozen-triker und sprücheklopfendem, unverschämtem Macho, der seine Unsicherheit mit Alkohol betäubt und glaubt, das pralle Konto gibt ihm das Recht, auf anderen Leuten herumzutrampeln – vorzugsweise auf Herz und Nerven seiner Ehefrau.

Der Erfolg hat ihn müde und gleichgültig werden lassen. Mondon setzt das alles mit der nötigen Weinerlichkeit um. Man versteht: Dieser Typ ist unverbesserlich. Kerstin Thielemann zeigt als Vera bereits die bittere Härte der enttäuschten Frau. Blicke, Gesten, Bewegungen signalisieren Ablehnung, Kummer und Zorn.

All das spielt im edlen Ambiente eines teuer eingerichteten Hauses. Die Wände haben gold-schwarze Holzoptik, von der afrikanischen Maske bis zum Buddha wird nichts ausgelassen, was als edles Dekor in Mode ist, Orchideen inklusive.

Barbara Krott hat den relativ kleinen Bühnenraum (Bau Werkstatt-Team von Jochen Wildschütze) geschickt in den mondänen Living-Room verwandelt. Sie ist zugleich verantwortlich für die Kostüme, die in dieser Komödie vielfach Signalwirkung haben, ob nun feiner Seidenschal, Slipper ohne Socken, groß kariertes Kostümchen oder lässige Jeans.

Harald Schröpfer und Doris Drexl entwickeln als Anwälte Markus und Arlette ein Kammerspiel im Stück. In schnarrendem Psychiater-Ton versucht Markus, die Eheleute zu versöhnen, klappt natürlich nicht.

Arlette mit Anwalts-Ziehköfferchen haut den Männern einen flotten Spruch nach dem anderen um die Ohren. Bei beiden sollen die Fassaden schließlich bröckeln, das ungewollte Futtern von Hasch-Keksen besorgt den Rest. Dabei entwickelt besonders Doris Drexl umwerfende Komik, die Zuschauer haben viel Spaß, die Akteure auf der Bühne unterdrücken nur mühsam ein Lachen.

Witzig und nachdenkenswert entwickelt sich die Geschichte der Verwandlung. Thomas als „junger Mann“, der sich plötzlich neben einer für ihn „viel zu alten“ Ehefrau sieht. Wo bei Philip Stemann bisher der schnelle Schlagabtausch Trumpf war, wird die Geschichte nun viel leiser, sanfter. Stemann nimmt Tempo aus der Handlung, das bekommt dem Stück.

Wolfgang Mondon überzeugt auch im T-Shirt, wirkt plötzlich richtig nett und liebenswert. Wo ist der Kotzbrocken geblieben? Schön zu sehen, wie sich gleichfalls Vera verwandelt und viel jünger wirkt – bequeme Hose statt Designer-Kleid, Bluse, keine schwere Goldkette mehr.

Mit ein paar trickreichen Wendungen wird „Noch einmal, aber besser“ weitergedreht. Und was ist jetzt mit der Scheidung? Mit dem Geld? Mit der Liebe? Das sollte hier nicht verraten werden. Zum Schluss gibt es jedenfalls zwei Paare. Als die beiden Anwälte in seliger Umarmung hinter das Sofa purzeln und bei den anderen beiden wieder das Glück anklopft, wäre der Schluss übrigens schöner gewesen als im Original des Stücks.

Aber Autor Engler fordert offensichtlich den schrillen Schlussakkord, um das Ganze nicht zu süßlich enden zu lassen. Egal. Euphorischer Applaus für eine unterhaltende und flott inszenierte Komödie.

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