Aachen - Köstliche Satire unter freiem Himmel: „Die Baronin und die Sau”

Köstliche Satire unter freiem Himmel: „Die Baronin und die Sau”

Von: Grit Schorn
Letzte Aktualisierung:
Nicht sehr manierlich: Annette
Nicht sehr manierlich: Annette Schmidt (rechts) und Simone el Mellouki Riffi als „Die Baronin und die Sau”.

Aachen. Zwischen grazilen Gartenmöbeln, Wäschekörben, Luftballons und einem einsamen Hut auf dem Rasen nimmt die Geschichte ihren Lauf: Mit „Die Baronin und die Sau”, einer gelungenen Satire des Kanadiers Michael Mackenzie startete das Aachener Theater K sein diesjähriges Sommertheater.

Die besondere Atmosphäre im ehemaligen Klostergarten hinter dem Atelierhaus tat ein Übriges, um die zahlreichen Zuschauer ganz und gar gefangen zu nehmen.

Ein völlig verwahrlostes, wie ein Schwein grunzendes Mädchen und eine arrogante Baronin, die das seltsame Geschöpf zu einem zivilisierten Menschen (und Dienstboten) machen will: Dieser Stoff gibt den beiden Schauspielerinnen Annette Schmidt und Simone el Mellouki Riffi zahlreiche Gelegenheiten, Komik und Tragik der Geschichte herauszuarbeiten.

Das Theater K hat noch drei weitere Figuren eingeführt: die beiden Hausdamen, famos verkörpert von Hilde Schmitt und Barbara Schmidt, und Jochen Deuticke als köstliches Faktotum im Rollstuhl.

Die Baronin, ständig in anderen eleganten Outfits, verweist in subtiler Halbbildung auf Rousseau und seinen berühmten Roman „Emile oder Über die Erziehung” - und nennt das arme Geschöpf nicht mehr „die Sau”, sondern Emilie. Die macht sich bald prächtig, lernt Sprechen und den aufrechten Gang, trägt sogar Schuhe und isst halbwegs manierlich.

Die Geschichte ist tief schürfend, lustvoll und komödiantisch. Musik und verwirrende Geräusche betonen das Geschehen: Denn nicht nur lernt von ihrer Herrin, auch diese Zicke spürt die Kraft und Menschlichkeit des jungen Mädchens. Köstlich die Szenen, da Emilie - zunächst ganz naiv - alles wie ein Spiegel aufnimmt und damit ihrer Herrin zeigt, was falsch läuft.

Nicht nur Emilie wird zivilisiert, sondern auch die Herrin wird zum Menschen, der sogar zur Güte fähig ist. Rabenschwarz wird das Schicksal des abwesenden Barons geschildert, ein Ende mit viel Monty-Python-Humor.

Zum Neuzugang Simone el Mellouki Riffi als Emilie kann man dem Theater K nur gratulieren; die junge Schauspielerin spielt „die Sau” mit Verve und hintergründigem Charme. Unübertrefflich Annette Schmidt als dünkelhafte Baronin, die ihr Herz entdeckt. Rauschender Beifall unter rauschenden Bäumen.

„Die Baronin und die Sau” ist noch am 10., 15., 16., 17. , 20. Juni und am 4. Juli um 20,30 Uhr im Garten des Atelierhauses Aachen, Süsterfeldstraße 99, zu sehen.

Karten unter Tel. 0241/151155.

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