Aachen - Kölsch-Rock erobert den Kurpark

Kölsch-Rock erobert den Kurpark

Von: Sabine Rother
Letzte Aktualisierung:
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Zwei Energiebündel, die das Publikum zum Abschluss der Kurpark Classix in Aachen am Montagabend zum Kochen bringen: Wolfgang Niedecken (rechts) und Ulrich Rode von BAP. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Der Kurpark kocht. Die Rasenflächen – voll. Die Tribüne – voll. Rund 4600 Zuschauer sind gespannt auf ihre Band und bereit, mit ihr abzutauchen. Und so geben die Aachener Kurpark Classix an diesem Da-Capo-Abend noch mal tüchtig Gas.

Niedeckens BAP auf der Open-Air-Bühne, das ist eine spannende Reise durch 40 Jahre rebellisch-rauer Musik, natürlich auf Kölsch, natürlich von Wolfgang Niedecken. Kraftvolle, gut gemachte Rockmusik.

Niedecken hat die Jubiläumstour und die aktuelle CD unter das Motto „Lebenslänglich“ gestellt und seinen Weggefährten aus diesen vier Jahrzehnten gewidmet. Das passt zu ihm. Im Kurpark ist er ganz nah bei seinem Publikum – selbstbewusst, locker, humorvoll, sympathisch. Er weiß um seine Wirkung, steht breitbeinig da, bleibt authentisch. Mit einem Schuss Ironie erinnert er sich an vergangene Zeiten, die Kneipenszene in Köln, die ersten Gehversuche der jungen Band.

„Könnt ihr den Text?“ Klar! Ganze Passagen singen die Zuschauer fehlerfrei mit. Bei neuen Songs wird es dann ein wenig komplizierter. Man muss schon sehr genau hinhören bei diesen komplexen Balladen, aber die Geschichte vom „Vollkasko-Desperado“ oder aus „Absurdistan“ (das reimt sich nicht zufällig auf „Größenwahn“) kommen dennoch an.

Die Dramaturgie des Konzerts ist perfekt, der Wechsel zwischen praller Show und leiser Nachdenklichkeit sorgt dafür, dass kein Moment vergeudet wird. Ein bisschen Melancholie schwingt schon mit, aber das gehört dazu – schließlich ist in Niedeckens 65 Lebensjahren viel geschehen. Er steht zu seinem Engagement, seiner Empörung über Rassismus und Extremismus, seinem Kampf für eine bessere Welt. Und so mancher Zuschauer fühlt sich plötzlich wieder an eigene Ideale erinnert.

Viel Spaß auf der Bühne

Für frischen Wind sorgt die Band. Gitarrist Ulrich Rode ist ein Energiebündel, immer in Bewegung, selbstsicher in den Soli. Wunderbare Glanzlichter verdankt das Konzert Anne de Wolff (Bratsche, Cello, Posaune, Gesang) – man staunt immer neu, wie gut sie der Show tut. Sönke Reich ackert am Schlagzeug, Michael Nass zaubert auf Klavier und Hammondorgel, Werner Kopal sorgt am Bass für die richtige Erdung. Sie alle haben unglaublichen Spaß auf der Bühne. Das überträgt sich auf das Publikum, das mehr und mehr in Fahrt kommt.

Und dann wird es besinnlich, „Dausende von Liebesleeder“, eine Hommage an das Leben, die schönen Dinge, eine Liebeserklärung an seine Heimatstadt Köln, die nur noch von „Unger Krahnenbäume“ gesteigert wird. Niedecken zelebriert die Nachdenklichkeit, bringt Ruhe in den musikalischen Wirbel, bevor er wieder Gas gibt. Ab und zu greift der bekennende Dylan-Fan zur Mundharmonika. Amerika, Elvis, Kölner FC, Kindheit, Frauen, von „Alexandra“ bis „Rita“, Piraten und die sieben Weltmeere – er singt sich durch Träume und Kämpfe, die Wünsche und Sehnsüchte („Do kanns zaubere“), die auch jetzt, mit 65 Jahren, noch raus müssen.

Und er lästert – etwa über die Selfi-Sucht, die das normale Autogramm abgelöst hat. „Schade“, seufzt Niedecken. „Früher haben mir die Leute erzählt, wann sie BAP zum ersten Mal gehört haben, dass sie vielleicht sogar einen Titel bei ihrer Hochzeit gespielt haben. Heute starrt man nur in die Kamera.“ Den Kommentar „Ihr wart früher aber auch mal politischer“ lässt er nicht gelten, erinnert an das Projekt „Rebound“, in dem er sich zusammen mit der Organisation World Vision für traumatisierte Kinder aus Kriegsgebieten im Kongo einsetzt, und beweist gleich beim nächsten Lied, wie klar er Position bezieht.

„Kristallnaach“ – die starke Botschaft, sich gegen den braunen Terror zu wehren, den Mund aufzumachen, geht unter die Haut. Dann endlich die drei mit Spannung erwarteten Akkorde. Die Zuschauer springen von den Sitzplätzen, die Tribühne bebt: „Verdamp lang her“, der Refrain ertönt als machtvoller Chor. Das ist alles sehr emotional.

So schnell lassen die Fans Niedeckens BAP nicht von der Bühne, und die spielen mit. Eine Zugabe, noch eine, noch eine. Irgendwann zählt man nicht mehr. Aus zweieinhalb Stunden werden locker über drei. Niedeckens BAP im Kurpark. „Jetzt habt ihr gar keinen Kartoffelsalat gegessen“, lacht Niedecken. Macht nichts, es gab Wichtigeres.

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