Kölner Schauspiel startet tierisch mit Zombies aus dem Zoo

Von: Jenny Schmetz
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Köln. Eigentlich wollte der Intendant zur Saisoneröffnung im sanierten Kölner Schauspielhaus ja seine Bibel-Exegese fortführen: mit „Exodus“. Der Auszug aber wurde verschoben. Am Offenbachplatz staubt bekanntlich noch immer eine Baustelle, und Stefan Bachmann wird noch drei weitere Jahre im Mülheimer Interimsquartier spielen.

Deshalb hat er dort aufgerüstet: Der raue Fabrik-Charme ist nun futsch, stattdessen wurde in die riesige ehemalige Industriehalle ein schwarzer Guckkasten gebaut. „Ein richtiges Theater“, schwärmt der Intendant über sein „neu saniertes Depot 1“. Ein richtiger Vorhang hängt da jetzt auch!

Welche Visionen sich dahinter wohl verbergen? Die Spannung war groß. Hatte der Intendant doch der Stadt Köln rechtzeitig vor der Premiere in einem Interview vorgeworfen, sie sei visionslos. Nun also, das Stadttheater als Stachel im Fleisch?

Na ja, erst mal spielen ein paar Musiker Wiener Lieder – vor dem Vorhang. Mit seiner Inszenierung habe das nichts zu tun, nur mit dem Fest hinterher, betont Bachmann. Statt der Bibel hat er Ödön von Horváths reichlich abgenudelte „Geschichten aus dem Wiener Wald“ hervorgekramt. Hinterm Vorhang findet sich kein Baum, nirgends. Der Wald wurde offenbar abgeholzt, die Dielen hat Bühnenbildner Olaf Altmann zur Spielfläche zimmern lassen: Seine Welt ist eine leere Scheibe. Meist in Bewegung. Darauf kein Lokalkolorit, kein Möbelstück, kein Requisit – nur acht bleich geschminkte Schauspieler, die sich wie Zombies aus dem Zoo in Körper-Choreographien üben.

Das beschert uns ein paar nette Horror-Momente in der Spießerhölle, aber auch viel heiteres Tiere-Raten. Affenarme, Möwenlachen, Pinguinwatscheln, Kätzchenkrabbeln? Durch Bachmanns Grundidee, das Animalische an die Oberfläche zu holen, wird jede Figur zur Kenntlichkeit entstellt – und schnell lächerlich oder langweilig. Selbst die Todesdrohung wird platt verdeutlicht: Ein Schauspieler turnt im Skelett-Trikot herum.

Der regieführende Intendant findet die böse Volksstück-Parodie von 1931, die eine „Gesellschaft an der Schwelle“ zum Nationalsozialismus zeige, natürlich „ganz aktuell“. Aber jede „Pegida“-Demo auf unseren Straßen dampft mehr Gefährlichkeit aus als diese tanzende Tierhorde auf der Drehscheibe. Positiv lässt sich jedoch vermelden: Die Akustik im sanierten Depot wurde deutlich verbessert, und der Vorhang geht schön auf und zu. Dahinter: viel Platz für Visionen.

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