Kölner Philharmonie: Zwischen Liebe, Hass und Sucht

Von: Susanne Schramm
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Emotionaler Höhepunkt auf der
Emotionaler Höhepunkt auf der Bühne der Lölner Philharmonie: Porgy (Terry Cook) und Bess (Morenike Fadayomi) herzen und küssen sich - das Publikum war von Gershwins Oper begeistert. Foto: Thomas Brill

Köln. Stimmungsvolle Szenerie in der Kölner Philharmonie: Gleich von der ersten Szene an ist man mittendrin im Mikrokosmos der Catfish Row. Eine schäbige Häuserzeile in Charleston. Die Menschen, die hier leben, haben nicht viel zu verlieren.

Sie schuften als Baumwollpflücker oder Fischer, preisen als Straßenverkäufer ihre Ware an oder betreiben, so wie die resolute Maria (Marjorie Wharton), eine kleine Garküche. Abends, wenn die Sonne untergeht und sich die Masten der Schiffe als schwarze Silhouetten am Himmel abzeichnen, entspannen sich die Männer beim Kartenspiel.

Unter ihnen auch Porgy (Terry Cook), der Bettler. Seine Beine sind gelähmt, fortbewegen kann er sich nur in knieender Haltung auf einem gepolsterten Brett mit vier Rollen. Aber nicht alle sind so gottesfürchtig wie die Gesundbeterin Serena (Alison Buchanan), so arbeitsam wie Wirtin Maria oder so fürsorglich wie die junge Mutter Clara (Dara Rahming). Da gibt es auch noch Crown (Michael Redding), einen gewalttätigen Säufer, Bess (Morenike Fadayomi), seine kokainsüchtige Geliebte und Sportin´ Life (Chauncy Packer), den Dealer, der sie und andere mit Stoff versorgt.

Drei Stunden inklusive Pause

In den nächsten drei Stunden (mit Pause) zieht die Geschichte der Catfish Row und ihrer Bewohner das Publikum in der Kölner Philharmonie in Bann. 75 Jahre ist es jetzt her, dass George Gershwins Südstaaten-Oper „Porgy and Bess” zum ersten Mal aufgeführt wurde. Bis heute immer in englischer Sprache und ausschließlich schwarzen Sängerinnen und Sängern. Jetzt eröffnete „Summertime” am Rhein das 23. Sommerfestival der Kölner Philharmonie.

Am Ende gibt es Standing Ovations und lang anhaltenden Applaus, nicht nur für die beiden herausragenden Hauptdarsteller Cook und Fadayomi - die stimmlich und mimisch gleichermaßen stark bewegen - sondern auch für Maria-Darstellerin Wharton, die die komischen Aspekte ihrer Rolle voll ausspielt, für Rahming als anrührende Clara, die ihrem Mann aufs Meer hinaus folgt oder Packer, der eine facettenreiche, keinesfalls nur eindimensional böse, Interpretation des Sportin’ Life abliefert.

An das Orchester - das erst am Ende der Aufführung sichtbar wird - stellt Gershwins Jazz-Sinfonik höchste Ansprüche, denen die 56 Musiker unter Leitung von William Barkhymer mehr als nur gerecht werden. Auch sonst gibt es viel zu loben: angefangen vom Bühnenbild über die Beleuchtung und die Kostüme bis hin zur Besetzung kleinster Rollen wie die des Erdbeermädchens, des Krabbenmanns oder des Honigverkäufers.

Und die Geschichte, bei der es um Liebe und Hass, um Sucht und Sehnsucht, Gottes Werk und Teufels Beitrag geht, hat ohnehin alles, was eine gute Geschichte braucht. Auch nach 75 Jahren noch. Und selbst wenn man kein Wort englisch spricht: Die Innigkeit von Gelöbnissen wie „Bess, You Is My Woman Now”, die Süße des Wiegenlieds „Summertime” oder die fidele Durchtriebenheit von Sportin´ Lifes „It Ain´t Necessarily So” versteht jeder.

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