Köln - Kölner Oper startet mit „Tannhäuser“ durchwachsen in neue Saison

Kölner Oper startet mit „Tannhäuser“ durchwachsen in neue Saison

Von: Pedro Obiera
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Schwarz-weiße Kontraste: So brav verläuft die Beziehung zwischen Tannhäuser (David Pomeroy) und Elisabeth (Kristiane Kaiser) nur kurze Zeit. Foto: Bernd Uhlig

Köln. Der „Tannhäuser“ ist bis zu seinem Tod Richard Wagners Schmerzenskind geblieben. Und nicht nur seins, sondern auch eins der meisten Regisseure, von den Besetzungsproblemen ganz abgesehen. Dass ein Streit um den Konflikt zwischen „reiner“ und sinnlicher Liebe zu einem „Sängerkrieg“ mit gezückten Degen führen kann, lässt sich heute kaum noch überzeugend vermitteln.

Patrick Kinmonth nimmt diesem Problem in seiner Kölner Neuinszenierung ein wenig Wind aus den Segeln, indem er die Entrüstung der elegant befrackten Rittergesellschaft über Tannhäusers Plädoyer für die freie Liebe als Heuchelei entlarvt, wenn sich doch etliche der frommen Herren zuvor im Venusberg nicht nur der platonischen Liebe hingegeben haben.

Das entlastet den Regisseur freilich nicht von der Herausforderung, den von Wagner etwas plakativ gezeichneten Kontrast zwischen der mondänen Venus und der jungfräulichen Elisabeth glaubhaft darzustellen. Nicht ungeschickt ist Kinmonths Kunstgriff, die reine, geistige Liebe durch eine Allegorie der Jungfrau Maria zu ersetzen, während die junge Elisabeth sehr menschlich mit ihren nicht immer unschuldigen Gefühlen ringen darf. Alle drei Damen, Venus, Elisabeth und die „Heilige Jungfrau“, sind fast immer präsent, so dass die schematische Einteilung der Tannhäuser-Welt in den Sündenpfuhl des Venusbergs und den Tugendhort der Wartburg gemildert wird.

Damit setzt Kinmonth allerdings einen Kontrapunkt zum Bühnenbild von Darko Petrovic und den Kostümen von Annina von Pfuel, die beide auf scharfe Schwarz-Weiß-Kontraste setzen. Religiöser Zierrat ist ausgemerzt. Die breite Bühne des Staatenhauses ist nach hinten dreifach gestaffelt, wobei das Orchester in einem Graben zwischen zwei Spielebenen postiert ist. Ebenen, die die beiden Welten trennen, aber durch eine Brücke und etliche Zugänge durchlässig bleiben.

Es zeigt sich eine kühle Welt wie in einem modernen Großraumbüro und so kühl ist auch die Personenregie geprägt. Die Figuren bewegen sich oft in prozessionshafter Statik, gipfelnd in einem Trauerzug mit der entseelten Elisabeth, bei dem sich Assoziationen an eine roboterhafte Geisterwelt einschleichen, die Kinmonth eigentlich vermeiden wollte. Dass sich mechanische Gesten wiederholen, die an Robert Wilsons mittlerweile abgespulte Erfolgs-Masche erinnern, wirkt ebenfalls eher hilflos und letztlich antiquiert. Eine runde „Tannhäuser“-Inszenierung ist das nicht.

Der gefeierte Kölner Musikchef François-Xavier Roth greift auf die allererste Dresdner Fassung mit einem sinfonisch ausgeweiteten Vorspiel zum 3. Akt zurück. Gerade diesen Akt nimmt Roth jedoch erstaunlich langsam, so dass sich auch musikalisch eine sakrale, recht zähe Aura einstellt, die nicht gewollt sein dürfte. Ansonsten lässt es Roth, wie gewohnt, nicht an dramatischer Schlagkraft und klanglichem Feingefühl missen. Da die Sänger meist vor dem Graben agieren, wirkt der Orchesterklang allerdings oft eher kulissenhaft dekorativ als tragend.

Das kommt wenigstens der Textverständlichkeit der Sänger entgegen, die, wen wundert’s, auch in Köln nur bedingt überzeugen können. Die mörderische Titelpartie bewältigt David Pomeroy mit beeindruckender Kraft, aber auch mit flackernden Tremoli und hässlichen Vokalverfärbungen. Der schöne, lyrisch gefärbte Sopran von Kristiane Kaiser stößt bei den Spitzentönen an seine Grenzen, dem Wolfram von Miljenko Turk fehlt es an einer sonoren Bariton-Färbung und Dalia Schaechter als Venus imponiert nach wie vor durch ihre Bühnenpräsenz, entlockt ihrer Rolle jedoch alles andere als sinnlich verführerische Töne.

Rundum überzeugen kann dagegen Karl-Heinz Lehner als Landgraf mit seinem noblen, voluminösen Bass. Vergessen sollte man auch Dino Lüthy als Walther von der Vogelweide und die junge Maria Isabel Segarra als Hirte nicht. Ganz zu schweigen von den fulminant auftrumpfenden Chören der Kölner Oper. Ein „Tannhäuser“ mit Meriten, aber auch vielen szenischen und musikalischen Fragezeichen.

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