Kleines, aber feines Buch erlebt eine Erfolgsgeschichte

Von: Andrea Zuleger
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Ihr neues Buch „Schnell, dein Leben“ ist bereits jetzt eine Erfolgsgeschichte: Die Lesung der Stolberger Schriftstellerin Sylvie Schenk – hier mit Buchhändler Walter Vennen – war ausverkauft. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Dieses Buches ist nicht nur inhaltlich ein kleines Wunder, sondern auch die Geschichte seiner Entstehung. Denn es hat schon alles, was eine gute Story braucht: von Aufbruchstimmung bis zu Verzweiflung, von Rückschlägen bis zu Glücksgefühlen.

Wie eine regionale Schriftstellerin in vorgerücktem Lebensalter und mit überschaubarem Leserkreis plötzlich mit einem kleinen Buch den Durchbruch schafft, erfuhr das Publikum am Donnerstagabend bei der Lesung von Sylvie Schenk in der Aachener Buchhandlung Schmetz am Dom.

Die Buchhandlung ist bis zum letzten Platz besetzt, als die kleine, zierliche Dame Sylvie Schenk und der sie begleitende Stolberger Jazz-Musiker Heribert Leuchter beginnen. Die beiden sind gut befreundet, seit Jahren übersetzt Heribert Leuchter Texte Schenks in Musik. Für den neuen Roman, der in Teilen die Biografie der Autorin erzählt, hat der Saxofonist eine leichte, beschwingte Musik komponiert. Manche der „kurzen Intermezzi“, wie Leuchter sie nennt, erinnern an Kinderlieder: Sie sind verspielt, melodisch, freudig, aber dennoch von einer latenten Melancholie durchzogen.

Eben so, wie Louise, das französische Mädchen in Schenks Roman, das in den 50ern in den französischen Südalpen aufwächst, zum Studium nach Lyon geht und dort kurz nach dem Elysée-Vertrag ihren zukünftigen Mann, einen Deutschen, kennenlernt.

160 Seiten Umfang

Es ist ein kleines Buch, mit nur knapp 160 Seiten Umfang, aber es hat es in sich. Dass es viel Autobiografisches der Autorin enthält, ist zwar spannend zu wissen, macht aber nicht den Reiz des Buches aus. Der entsteht vielmehr aus einer facettenreichen Sprache in dem ganz eigenen „Schenk-Sound“, aber auch aus der Kunst der Andeutung, die die Autorin beherrscht.

Auf diesen wenigen Seiten entwirft sie nicht nur eine weibliche Biografie, sondern beschreibt auch die Zeitumstände in einem französischen Dorf oder in einer deutschen Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg. So skizziert sie Figuren knapp, aber anschaulich und vermittelt dabei auch immer die Ahnung eines Zeitgefühls.

Jetzt würde man annehmen, dass gerade so eine Geschichte wie die von Sylvie Schenk nur ein betagtes Publikum anzöge, eines, das wie die 72-jährige Autorin selbst, diese Zeit miterlebt hat und sich mit Hilfe dieses Buches an das eigene Leben erinnern möchte. Das ist sicherlich ein möglicher Leseanreiz, aber nicht der einzige.

Zu der Lesung waren auch die beiden Hanserfrauen Felicitas Feilhauer (Marketingchefin) und Verlagsvertreterin Sabine Schönfeld angereist. Sie erzählte, dass ihr „unglaublich viele“ junge Leser und Buchhändler begeisterte Rückmeldung gegeben hätten. Und nicht nur ihr. Stolz verkündete Buchhändler Walter Vennen: „Wir haben eben ganz frisch die Information erhalten, dass Sylvies Roman auf der Shortlist für das ‚Lieblingsbuch des unabhängigen Buchhandels‘ steht.“ Außer „Schnell, dein Leben“ sind nur vier weitere Titel nominiert.

Dabei hatte es Sylvie Schenk gerade mit diesem sehr persönlichen Buch besonders schwer: Zunächst fand sich kein Verlag. Ihr Hausverlag Picus wollte es nicht machen, ein weiterer („Jung und Jung“), hatte zwar Interesse bekundet, war aber letztlich abgesprungen.

In einer Nacht verschlungen

Zwei Tage vor Weihnachten, sie und ihr Mann waren nach Ost-ende gereist, war Sylvie Schenk total verzweifelt: „Wo soll ich alte Frau jetzt noch einen Verlag herbekommen“, habe sie ihren Mann gefragt, erzählt Schenk. Noch am selben Tag erhält sie eine E-Mail von Jo Lendle. Der Hanser-Chef schreibt ihr, dass sie das Buch drucken wollten: „Ich konnte es kaum fassen. Ich bin auf dem Bett herumgesprungen wie eine Siebenjährige. Das war das schönste Geschenk, das ich mir vorstellen konnte.“

Ein ganz junger Hanser-Lektor hatte das Buch in einer Nacht verschlungen, und Lendle mit seiner Begeisterung angesteckt. Ein paar Monate später wurde Sylvie Schenk zu den Ingeborg-Bachmann-Tagen in Klagenfurt eingeladen, um dort aus dem Manuskript zu lesen. Die Jury dort konnte sie mit ihrem Text damals nicht überzeugen. Die Leser schon.

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