Klaus Maria Brandauer glänzt mit Bunuel-Lesung

Von: Grit Schorn
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Aachen. Ein Star kam ins Alte Kurhaus - und viele wollten ihn erleben. Im Rahmen des Euriade-Festivals trug der österreichische Schauspieler und Regisseur Klaus Maria Brandauer aus den Lebenserinnerungen von Luis Bunuel vor, dem genialen spanisch-mexikanischen Filmregisseur (1900-1983) - so witzig und einfühlsam, als wär’s ein Stück von ihm selbst.

Unter dem Motto „Ein Atheist von Gottes Gnaden” wurden zunächst die Kindheitsjahre Bunuels im feudalistischen Spanien zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebendig. Schlicht im sportlichen Polohemd und dunkler Hose, zeigte der 66-jährige Brandauer echte Qualitäten - und lauschte in den eigenen Lesepausen wie versunken der begleitenden Cellistin Maria Magdalena Wiesmaier, die mit wundersamer Feinfühligkeit Stücke von Marin Marais und Hans Werner Henze vortrug.

Kurz vor seinem Tod hatte Bunuel seine Lebenserinnerungen niedergeschrieben, wobei er seinen körperlichen und geistigen Niedergang nicht aussparte. Dennoch sind seine Aufzeichnungen kein Klagelied, vielmehr die so schonungslose wie humorvolle Darstellung eines unerhört intensiven Lebens und Schaffens. „Die Allgegenwart der Religion” im streng katholischen Spanien prägte den jungen Bunuel - ebenso wie „Triebe und Schuldgefühle”. Die wiederum in so „bürgerfeindlichen” Werken wie „Der andalusische Hund” oder „Belle de Jour” künstlerisch verarbeitet wurden.

Im Alter „von seinen Trieben befreit”, fehlte Bunuel anscheinend nichts, denn statt seiner Virilität erfreuten ihn die Leistungsfähigkeit „von Leber und Lunge”. Ironisch und kraftvoll setzt er sich mit den Widersprüchen des Lebens auseinander - gottvoll-gottlos gibt sich dieser „Atheist von Gottes Gnaden”, der nicht glauben kann, „dass Gott mich ständig überwacht”.

Brandauer, der im österreichischen Alt Aussee selbst sehr katholisch aufwuchs, steht Bunuel offensichtlich recht nah bei dessen Meinung, dass es keine „Gedankensünde” geben könne, sondern nur die „Freiheit unserer Imagination”.

Bunuel, ein großer Künstler und Lebenskünstler - Brandauer machte ihn für 90 Minuten erfrischend lebendig. Rauschender Applaus.
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