„Klären und schärfen” heißt die Devise

Von: Eckhard Hoog
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Seit knapp einem Jahr setzt sie neue Akzente im Aachener Ludwig Forum, ihr zweites Jahr 2010 steht unter dem Leitthema „Architektur und Raum”: Brigitte Franzen. Hier steht sie neben einem deutschen Schlüsselwerk aus dem Jahr 1989: Wolfgang Mattheuers Bild „Panik II”. Die Sammlung Ludwig liegt der Direktorin des Ludwig Forum ganz besonders am Herzen. Foto: Markus Schuldt

Aachen. Ausgesprochen gelassen beäugen die Kamele von Nancy Graves die holzgetäfelte Mulde in der Ausstellungshalle des Ludwig Forum, schräg gegenüber ist der Namensgeber des Hauses in der Porträt-Fassung von Andy Warhol gegenwärtig und mag womöglich neugierig schnuppern, wohin die Reise seines Aachener Museums wohl gehen wird.

Mit Brigitte Franzen lenkt im 18. Jahr seines Bestehens nach Wolfgang Becker und Harald Kunde der dritte, diesmal weibliche Kapitän den Kunstdampfer an der Jülicher Straße. Knapp zwölf Monate sind vorbei - ein gegebener Anlass, eine erste Bilanz zu ziehen und einen Ausblick auf das Programm 2010 zu geben.

„Mit Ruhe und Geduld”

„Das Haus hat sich augenfällig verändert”, hebt Kulturdezernent Wolfgang Rombey die sichtbare Neuorientierung heraus, die markante neue Handschrift, die dafür sorgt, dass hier „keine Statik” das Feld beherrscht. Die Akzentuierung der Sammlung Ludwig in der Ausstellung „Pop Up!” sieht er als das wichtigste Projekt der neuen Leiterin in ihrem ersten Jahr an und gibt, sanft aber deutlich, das Ziel für die kommenden Jahre vor: „Das Haus präsenter machen, aber mit Ruhe, Geduld und Kontinuität.” Dennoch: „Mit den Besucherzahlen können wir nicht zufrieden sein.” 33.721 wurden 2009 bislang gezählt, wobei November und Dezember noch ausstehen. Es gibt viel zu tun...

„Profilierung, Schärfung, Renovierung, Instandsetzung, Klärung” - das sind die wichtigsten Vokabeln, in die Brigitte Franzen ihr Konzept und ihre Absicht in Worte kleidet und damit regelrechte Aufbauarbeit umschreibt. „Elemente” will sie wieder zeigen, „die in Aachen ja vorhanden sind”, aber - unausgesprochen - offenbar bislang nicht ausreichend zum Zuge gekommen sind. Sie spricht dabei von einem „sukzessiven Wiederaufbau” der Sammlung.

2010 soll das nun so aussehen: Eine Reihe von Stil- und Epochebegriffen strukturieren die Neuordnung und Präsentation: Im „Hyperrealismus” werden die Kult-Ikonen von Chuck Close, Andy Warhol, Roy Lichtenstein und wie sie alle heißen, gezeigt. Im Sinne der „Postmoderne” kommen Konzepte und mediale Arbeiten von Jenny Holzer, Martin Kippenberger & Co. zum Zuge. Der Titel „Schwellenzeit 1989/90 Deutsche Malerei” bringt Schlüsselwerke etwa von Wolfgang Mat-theuer und Neo Rauch unter einen Hut - deren Bilder im Übrigen wichtige Leihgaben in der Schau „60 Jahre - 60 Werke” im Berliner Martin-Gropius-Bau waren. Künstlerische Kontraste zwischen den Polen „Rationalität” und „Emotion”, sowie „Struktur” und „Erzählung” bilden die inhaltliche Klammer für Werke ganz unterschiedlicher Stilrichtungen, die im zweiten Obergeschoss ausgestellt werden.

Fotografie zum Thema „Landschaften” schließlich nehmen ab sofort das Untergeschoss ein, darunter bislang nie gezeigte Werke der Aachener Wilhelm Schürmann und Irmel Kamp-Bandau. Eine streng strukturierte, sehr plausibel nachvollziehbare Betrachtungsweise legt die neue Chefin hier an den Tag, die zum Beispiel ein Bild von Georg Eisler, Sohn des Komponisten Hanns Eisler, von 1953 zutage gefördert hat,das noch nie in Aachen ausgestellt war, eine Erschießungsszene in Österreich im Jahr 1934.

„Less is more” - dass sich mancher Besucher an einen gewissen Präsentations-Purismus in den Ausstellungen erst ein wenig gewöhnen muss, das gibt Brigitte Franzen auf Nachfrage gerne zu. „Kunst muss einfach genügend Raum haben”, sagt sie und erntet der eigenen Feststellung nach damit überwiegend positive Resonanzen. Eins jedenfalls gilt für 2010 als sicher: „Wir wuchern mit den Bid Names.”

Die einzelnen Ausstellungen setzen die mehrjährigen Projekte, das Videoarchiv der Sammlung zu präsentieren (bis 17. Januar” sowie „Ludwigs Grafik 2” (6. Februar bis 25. April. Die ganz aktuelle Position repräsentiert der junge Wiener Andreas Fogarasi (28. Februar bis 25. April), 2007 Gewinner des Goldenen Löwen auf der Biennale von Venedig im ungarischen Pavillon.

Das Jahres-Leitthema der Projekte lautet „Architektur und Raum”. Dabei zeigen die Gartenkünstler des französisch-deutschen „atelier le balto”, die bereits angefangen haben, den Skulpturengarten des Ludwig Forum in Schuss zu bringen, eine Retrospektive ihrer zum Teil spektakulären Projekte (9. Mai bis 18. August). Und im Sinne einer Art von Messe stellen Architekten einer neuen Generation die neuesten Tendenzen zwischen Architekturpraxis und akademischem Engagement vor (12. September bis 14. November), ehe im Dezember der noch unbekannte Kunstpreisträger Aachen geehrt wird.

Einigermaßen erfreulich erweist sich in diesen schwierigen Zeiten der personelle Aspekt: Die Stelle der Museumspädagogin Irmgard Gercke, die am 6. Dezember verabschiedet wird, die in der Fachwelt bundesweit bekannt ist für ihre Maßstäbe setzende museumspädagogische Arbeit am Aachener Ludwig Forum, wird wieder besetzt. Außerdem wurde eine weitere Kuratorin angestellt, die bereits den Bereich Video unter ihre Fittiche genommen hat: Anna Sophia Schultz.

Schließlich noch eine „Innovation”: Die Mulde wird renoviert. Wie sie danach aussehen wird? Franzen: „Schöner!”
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