„Kinderkönigreich“: Ludwig Forum wird zum Sympathieträger

Von: Eckhard Hoog
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Das macht Spaß: aus einfachstem Material Skulpturen herstellen. Mehr als 1400 Kinder und Jugendliche haben seit 15 Wochen im Aachener Ludwig Forum und auch drumherum ein „Kinderkönigreich“ realisiert. Die Idee dazu stammt von dem polnischen Künstler Pawel Althamer. Am Freitag findet auf der gesperrten Jülicher Straße ein großes Fest mit Parade statt. Die Ausstellung dauer noch bis zum 21. September. Foto: Fabian Nawrath

Aachen. „Das Ludwig Forum hat sich in den vergangenen 15 Wochen zum Sympathieträger etabliert.“ So wertet Direktorin Brigitte Franzen schon jetzt, gut eine Woche vor dem Ende, das „Kinderkönigreich“-Projekt des polnischen Künstlers Pawel Althamer.

Die vorläufig Bilanz und die Einschätzung der Bedeutung für das Haus fallen sehr positiv und erfreulich aus: Bereits jetzt haben 12.000 Menschen, Groß und auch viel Klein, die Ausstellung besucht. „Am Ende könnten es sogar 14.000 sein“, freut sich Brigitte Franzen.

Keine Frage, dass Mittwochnachmittag gleich zwei Dezernentinnen der Stadt dem Ludwig Forum einen Besuch abstatteten: Susanne Schwier (Bildung und Kultur) und Gisela Nacken (Planung und Umwelt). Das „Kinderkönigreich“ ist nämlich Teil einer 2008/9 begonnenen langjährigen stadtplanerischen Maßnahme, um den Stadtteil Aachen-Nord in jeder Hinsicht aufzuwerten.

Farbschlacht in der Mulde

Der mittlere, ehemals weiße Raum, der in der Mulde des Forums als „Zeichnerkongress“ jedem, ob Jung oder Alt, für künstlerische Versuche bereitgestellt wurde, macht den Eindruck eines Reliktes von wahren Farbschlachten. „Ich weiß nicht, wie viele Schichten hier übereinanderliegen“, gibt sich Brigitte Franzen auf die entsprechende Frage hin geschlagen. Immerhin haben sich mindestens 1400 Kinder und Jugendliche von 25 Partnerschulen, -Kitas und Offene Ganztagsschulen am Projekt beteiligt. Und das waren nur die offiziell Gezählten, die sich angemeldet hatten. Unzählige andere Schüler sind mit ihren Lehrern einfach mal so, unangemeldet, im Ludwig Forum eingetroffen, um mitzumalen und mitzugestalten.

Die sieben jungen Warschauer Künstler, die Althamer mitgebracht hatte, veranstalteten insgesamt 30 verschiedene Workshops, in denen bildhauerisch und malerisch gearbeitet wurde.

Die Ausstellung gibt ein beredtes Zeugnis von dem Eifer der Beteiligten ab: Kleine Paläste aus Pappe wurden fabriziert, dreidimensionale Selbstporträts, verkleidet als König und Königin aus Pappmaché, aufwendig gestaltete Skulpturen aus einfachsten Materialien wie Plastiktüten, Schaumstoff oder Stoffresten. Utopische Häuser aus nichts als Holzstäbchen könnten durchaus neben Werken alter Profis bestehen, derart fantasievoll haben sich die Kinder ins Zeug gesetzt.

Beinahe schon Meisterwerke sind in den Workshops der drei Aachener Künstler Vera Sous, Johanna Roderburg und Martin Schmidl entstanden – Büsten, Reliefs und Stillleben. Zur Finissage können die jungen Kreativen ihre Werke am 21. September abholen. Bis dahin sind sie wie alles andere auch in verschiedenen Sektionen in der Halle des Ludwig Forums ausgestellt.

Und die Schau wächst noch tüchtig weiter: Jeden Tag kommen selbst fabrizierte Kunstwerke dazu, und der allseits beliebte „Zeichnerkongress“ füllt sich mit immer neuen Farbschichten. Die beliebtesten Themen hier: die Unterwasserwelt, der Weltraum und Pflanzen. Und Graffiti nicht zu vergessen. Einer hat dies hinterlassen: „Why is it suddenly cool to look intelligent?“ Nebst einer typischen Nerd-Brille. Ist doch berechtigt die Frage – oder?

Das eigentliche Thema, das „Kinderkönigreich“ als Abrundung der drei Karlsausstellungen – „Macht, Kunst, Schätze“ – für die jüngsten Nachkommen des alten Kaisers, sieht Brigitte Franzen so realisiert: „Hier kann man das Kindlichsein als etwas überaus Positives feiern.“ Und das gilt für sie auch für Erwachsene, die zunächst überwiegend zwar etwas scheu den Pinsel zur Hand nehmen, aber wenn ihre eigenen Kinder dabei sind: „Da geht es dann richtig zur Sache.“

An diesem Sonntag also der Höhepunkt des „Kinderkönigreichs“: die Parade auf der gesperrten Jülicher Straße. Die Generalprobe hat schon stattgefunden.

Eine Schar goldener Ritter wird einen Zug mit Hunderten goldener Knappen anführen. Ihr Anführer ist Pawel Althamer. Um 12 Uhr treffen sich alle, die mitmachen wollen, in der Kirche St. Elisabeth, um hier goldene Gewänder in Empfang zu nehmen. Zur Macht der Könige gehört schließlich unbedingt auch Protz. Bei so viel dokumentierter Sympathie fürs Ludwig Forum haben sich die 150.000 Euro Zuschuss von der Kulturstiftung des Bundes auf jeden Fall gelohnt.

Der Eintritt zur Ausstellung ist übrigens frei, die Kosten übernimmt der Verein der Freunde des Ludwig Forums.

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