Keine leichte Kost: Max Nyberg bei „AixPiano“

Von: Thomas Beaujean
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Eigenwillig: der schwedische Pianist Max Nyberg bot seinem Publikum in Aachen einen ganz besonderen Konzertabend. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Mit dem jungen schwedischen Pianisten Max Nyberg stellte sich eine eigenwillige Künstlerpersönlichkeit in der Reihe „AixPiano“ im Saal der Musikhochschule in Aachen vor.

Der Schüler des künstlerischen Leiters der Reihe, Michael Rische, ist ein nachdenklicher, analytischer, jenseits des Mainstreams positionierter Musikertyp, dessen Arbeitsschwerpunkte zur Zeit bei Johann Sebastian Bach und Arnold Schönberg liegen.

Werke dieser beiden Komponisten nahmen denn auch in seinem Programm einen breiten Raum ein. Ergänzt mit eigenen Kompositionen und einer späten Beethoven-Sonate, entsprach dies in hohem Maße der künstlerischen Ausrichtung der Reihe: Programme zu bieten, die es ansonsten nicht zu hören gibt. Dass dieser Ansatz auch dem Publikum einiges abverlangt, wurde an diesem Abend besonders deutlich. Nybergs Bach-Spiel ist von einer faszinierenden Klarheit und Natürlichkeit geprägt.

In seinen Wiedergaben der Französischen Suite Nr. 3 und des sechsstimmigen Ricercare aus dem „Musikalischen Opfer“ nutzt er die Möglichkeiten des modernen Konzertflügels zur Herausarbeitung polyphoner Strukturen, zur klaren klanglichen Gliederung und verbindet dies mit einer sinnvollen, nie aufgesetzt wirkenden Artikulation. Schönbergs zwölftönig konzipiertes Klavierstück op. 33 und die Sechs kleinen Klavierstücke op. 19 aus seiner atonalen Schaffensperiode spielt Nyberg auch bei starken dynamischen Kontrasten mit bemerkenswerter Gelassenheit, die eine besondere Affinität zu dieser Musik erkennen lässt. Dabei arbeitet er bei den äußerst knapp gehaltenen sechs Miniaturen sensibel den konzisen musikalischen Gehalt heraus.

Seine beiden eigenen Kompositionen Solo aus AHA op. 1 und Etüde M 1 orientieren sich stilistisch an Schönberg, wobei das erste ein wenig heterogen wirkt und zu lang geraten ist, während das zweite in seinen kompositorischen Mitteln wesentlich konzentrierter wirkt. Zum Schluss dann Beethovens späte Sonate Nr. 30 E-Dur, deren ungewöhnliche Formgebung und Satzfolge jeden Pianisten vor gestalterische Probleme stellt. Nyberg meistert auch diese hohe Hürde mit einer reif und analytisch wirkenden Interpretation, der es aber keineswegs an Wärme und Empathie fehlt. Im Gegenteil: Seine Darstellung des langsamen Variationssatzes, der das Werk beschließt, berührt zutiefst.

So präsentierte sich Nyberg als ein völlig uneitler, ganz der Musik dienender Künstler, der seinem Publikum einen ganz besonderen Abend bescherte.

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