Keine leichte Kost: Gershwins Oper „Porgy and Bess”

Von: Susanne Schramm
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„Porgy and Bess” in der Rheinoper: mit Morenike Fadayomi und Terry Cook. Foto: bb-promotion

Köln. Das Ambiente in „Porgy and Bess” ist pittoresk. Sonnengebeizte hölzerne Hütten mit einer umlaufenden Veranda im zweiten Stock. Im Hintergrund das Meer und Masten eines Kutters. Die Bewohner der Catfish Row, an der Küstenregion von Charleston (South Carolina) gelegen, sind Fischer oder Baumwollpflücker.

„Porgy and Bess” von George Gershwin (1898-1937) ist ein Meisterwerk zwischen Oper und Musical, Schwarzen und Weißen, behinderten und nicht behinderten Menschen. Der Wunsch nach Liebe bestimmt alles. Als Produktion des „New York Harlem Theatre” (künstlerische und musikalische Leitung: William Barkhymer, Regie: Bayoork Lee) gastiert die Schicksals-Story aus dem schwarzen Süden jetzt erstmals an der Rheinoper Düsseldorf.

Was normalerweise (mit Pause) zwei Stunden und 40 Minuten dauert, brauchte da gute drei Stunden. Gereut haben werden sie niemand. Das Postkartenidyll des Bühnenbildes geht in Verbindung mit der Lichtregie zwar mitunter an kitschige Grenzen, aber die Oper von Gershwin ungekürzt zu erleben, entwickelt einen ungemeinen Sog. Man hofft und fiebert und zittert mit den Menschen. Allen voran Morenike Fadayomi als Bess und Terry Cook als Porgy.

Man merkt den beiden an, dass sie in dieser Rollenkombination, schon häufiger zusammen waren. Ihr Duett „Bess, you are my woman Now” ist der Höhepunkt der ganzen Inszenierung. Dicht, anrührend und wehmütig, voller Wärme, Füreinander-da-sein-wollen, und Sehnsucht, aber zugleich durchdrungen von der Ahnung, dass diesem Glück keine Dauer beschieden sein wird.

Weitere Stimmen, die überzeugen: Chauncy Packer als intriganter Dealer Sportin´ Life, Marjorie Wharton als couragierte Wirtin Maria und Alison Buchanan als mahnende Witwe Serena. Als Porgys Nebenbuhler Crown fällt Michael Redding dagegen ab.

Das Orchester unter der Leitung von Barkhymer schafft es wunderbar, den Spagat zwischen großer Form und jazzigen Rhythmen hin zu bekommen. Auch die Leistungen im Chor sind bemerkenswert und kleinste Vignetten (Erdbeermädchen, Honigmann) entfalten unglaublichen Charme. Trotz allem - womit besonders leichtgängige, fast schlagerartige „Hits” wie „Summertime” gemeint sind - ist das keine leichte Kost.

„Porgy and Bess”, Oper von Gershwin. Bis Sonntag, 9. August, Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf, Heinrich-Heine-Allee. Aufführungen: täglich außer Mo., 19.30 Uhr, Sa. u. So. auch 14.30 Uhr.
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