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Kazem Abdullah und das Sinfonieorchester widmen sich im Neujahrskonzert Werken der Strauß-Dynastie

Von: Gerhard W. Kluth
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Aachen. Man sollte es nicht für möglich halten: Es gibt ihn tatsächlich, den Unterschied zwischen ss und ß. Man kann ihn hören. Da sollten die Schweizer noch einmal nachdenken, wenn sie in ihren Rechtschreibregeln verfügen, dass jedes ß durch ein ss ersetzt werden kann.

Das geht nicht und den Beweis erbrachte das Aachener Sinfonieorchester beim Neujahrskonzert im Eurogress. Generalmusikdirektor Kazem Abdullah und die Musiker beschäftigten sich dort nämlich mit den Komponisten Strauß und Strauss. Klar – zu jedem Neujahrskonzert gehören die Walzer der Familie Strauß. Die aus Wien, wo Johann und seine Söhne Johann, Josef und Eduard Musikgeschichte geschrieben haben. Es war überzeugend, wie die Aachener Musiker die masurische Polka „Die Schwätzerin“ vom Strauß Josef intonierten oder die schnelle Polka „Knall auf Fall“ vom Strauß Eduard aufs Parkett legten.

Auch der „Furioso-Galopp“ von Strauß Senior durchmaß hinreißend den voll besetzten Saal des Eurogress. Und dann erst die Pflichtstücke für den ersten Tag des Jahres – die Walzer. Vom Johann Junior waren es die „Rosen aus dem Süden“, vom Vater der „Dynamiden-Walzer“, zu dem man sich gewünscht hätte, dass noch ein paar tanzende Damen in Abendkleidern und ein paar fesche Herren im Frack dagewesen wären. Die gab es nicht, aber bei geschlossenen Augen konnte man sie doch gut sehen und Lust aufs Mitmachen bekommen. Das alles überbrachte Abdullah mit seinem Orchester mit der angemessenen Portion Wiener Charme und versehen mit einer Prise Champagnerleichtigkeit, die einen beschwingten Start ins neue Jahr ermöglicht.

Aber es gab eben auch den Richard Strauss aus München, dessen 150. Geburtstag die Musikwelt in diesem Jahr feiert. Natürlich hat auch dessen Musik leichte und beschwingte Passagen. Die sinfonische Dichtung „Till Eulenspiegel“ überschreibt er selbst mit „Nach alter Schelmenweise – in Rondoform – für großes Orchester“. Aber am Ende dieses Opus 28, das 1895 im Kölner Gürzenich uraufgeführt wurde, steht dann doch der Tod. Und die Suite „Der Rosenkavalier“, die ein orchestrales Kondensat der gleichnamigen Oper darstellt? Richtig – Strauss wollte mit dieser Oper ein wenig der Dramatikerschublade entfliehen. Aber doch besteht der Inhalt aus Zeit- und Gesellschaftskritik. Daran ändern auch die Walzer nichts.

In der Kombination mit einem auch hier makellos agierenden Orchester, bei dem vor allem die Holzbläser immer wieder ganz besonders glänzen konnten, war es ein gelungener Auftakt für das neue Jahr, zu dem Abdullah und seine Musiker am Ende mit stehenden Ovationen bedacht wurden.

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