Kazem Abdullah: Lebensfreude am Dirigenten-Pult

Von: Bernd Mathieu
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Unmittelbarer geht es nicht: 3
Unmittelbarer geht es nicht: 30 Leserinnen und Leser unserer Zeitung saßen mitten unter den probenden Musikern. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Er spricht Deutsch, sehr gut macht er das. Wo er es gelernt hat? Ganz klar: „Ich liebe deutsche Opern, ich liebe sie ganz besonders.” Kazem Abdullah ist eine außergewöhnliche Persönlichkeit. Und das hat mit seinen sprachlichen Fähigkeiten nur wenig zu tun, sehr viel mehr mit seinen musikalischen Talenten und seinen individuell vorhandenen Sympathiewerten: Freundlichkeit, Lebensfreude, Zielstrebigkeit, Kompetenz, Motivation.

Man könnte diese Linie wahrscheinlich noch eine gewisse Dauer weiterzeichnen - und vor dem Hintergrund seiner beachtlichen Biografie für den 31-jährigen Amerikaner eine ziemlich präzise Prognose wagen: Dieser Mann wird noch manchen Konzertsaal erobern.

30 Leserinnen und Leser unserer Zeitung und Mitglieder des Vereins Accelerando, der das Sinfonieorchester Aachen fördert, sind Gäste einer sogenannten Sit-in-Probe. Der Gastdirigent beantwortet vorab Fragen, erklärt das Programm, das er in Aachen dirigieren wird, er steckt an mit seinem Lächeln, seiner sichtbaren Begeisterung für Musik.

Sie ist für ihn kein Allerweltsjob mit dem Handwerkszeug des Dirigentenstabs und der Notenliteratur. Er ist Assistent des berühmten Dirigenten James Levine an der Metropolitan Opera in New York, studierte dort viele Aufführungen ein, darunter die „Zauberflöte”, „Don Giovanni”, „Cosi fan tutte” oder Richard Wagner. In der jüngsten Saison dirigierte er an der Met Glucks „Orpheus und Eurydike”, und die „New York Times” schwärmte regelrecht: „Eine selbstbewusste Leistung, eine wunderbare Kombination von Eindringlichkeit und Flexibilität.”

Er hat viele Orchester dirigiert, in Sao Paulo und Paris, in Ottawa und Berlin, in Helsinki und Weimar, in Mexiko City und in Indianapolis und nun in Aachen. An diesem Abend nehmen unsere Leserinnen und Leser auf der Bühne Platz, direkt im und beim Orchester, näher und unmittelbarer geht das nicht. Sie sind begeistert, und Maria Streußer, die mit dabei ist, wird am nächsten Tag eine E-Mail in die Redaktion schicken, in der sie schreibt: „Es war etwas Außergewöhnliches und sehr beeindruckend.”

Das liegt an der Musik von Tschaikowski, Abdullah probt mit den Musikerinnen und Musikern Sätze aus der Sinfonie Nr. 5 e-Moll. Noch stärker wirkt - natürlich! - die hohe Qualität des Aachener Orchesters, das der Gastdirigent vorher beim Gespräch in höchsten Tönen gelobt hat. Und seinen großen Anteil trägt Kazem Abdullah bei, dessen gestische Beweglichkeit mit seiner präzisen Kompetenz wunderbar korrespondiert.

Dem Orchester macht das spürbar Spaß. Die Interventionen des Dirigenten sind höfliche Unterbrechungen, oft sehr amüsante. Das Orchester ist gut gelaunt. So entwickelt sich der Klang selbst bei der Probe zur äußerst gelungenen Harmonie zwischen einem Gast und einem eingespielten, dabei nie einfach nur routiniert wirkenden Ensemble. Ein schöner, ein nachhaltiger Abend.

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