Karl der Große: Zwölf internationale Künstler beziehen Position

Von: Eckhard Hoog
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Im weitesten Sinne inspiriert von Karl dem Großen: Monika Radhoff-Trolls Installation aus Sand und Alltagsobjekten im Atelierhaus Aachen in der Ausstellung „Ecce Homo“. Foto: Harald Krömer

Aachen. Welten, so möchte man meinen, liegen zwischen Karl dem Großen und zeitgenössischen Künstlern. Indes: Zum 1200. Todestag fühlen auch sie sich inspiriert von der Figur des alten Kaisers.

Und obwohl der niemals in der Gegend um Alkmaar gesichtet worden war, ging jetzt von dort eine Initiative aus, im Jubiläumsjahr in Aachen ein Dutzend internationale Künstler in seinem Namen zusammenzubringen: von der niederländischen Stichting (Stiftung) White Cube. Sie hat sich auf die Fahnen geschrieben, die europäische Idee zu pflegen, indem sie Künstlern an verschiedenen Orten auf dem Kontinent eine Plattform bietet und jährlich eine Ausstellung „Global Village“ veranstaltet.

Partner fand White Cube, namentlich Kurator Jeroen van Paassen, im Atelierhaus Aachen und im deutsch-belgischen Verein Kukuk. Erklärtes Ziel des Projekts: „Eine künstlerische Auseinandersetzung mit der Zeit und Person Karls des Großen.“ Herausgekommen ist bei der Ausstellung im Atelierhaus an der Süsterfeldstraße allerdings eine Abweichung, die sie nur noch in-teressanter macht: eine mitunter kritische Auseinandersetzung mit Phänomenen der Gegenwart, für die Karl der Große die Basis, die Wurzeln gelegt hat.

Keine Schuld kann man dem Frankenkönig allerdings in die Schuhe dafür schieben, dass in der Nähe seiner ruhenden Gebeine heute Obdachlose und Bettler ihr armseliges Leben fristen. Die Künstlerin Anja Landen hat vier von ihnen fotografisch porträtiert und zeigt die Aufnahmen in Vitrinen als Außenstelle der Schau in der Hans-von-Reutlingen-Gasse im Schatten des Aachener Doms. Der Blick fällt auf sympathische Gesichter, die sonst kaum jemand wahrnimmt – „Ecce Homo“ (siehe, der Mensch), Anja Landens Titel ist das Motto der gesamten Ausstellung.

Kein Mann mit Rauschebart

So gilt Karl der Große den Künstlern quasi „nur“ als Reflexionsquelle; keiner der Beteiligten kam etwa auf die Idee, in naiver Manier einen alten Mann mit Rauschebart zu malen. Thema ist zum Beispiel vielmehr der gnadenlose Umgang der Heutigen mit Geschichte, ihren Relikten und den Menschen selbst, wenn Janice Orth die Kamera endlos kreisen lässt in leeren Dörfern, die ebenso wie jahrhundertealte Gräber dem Braunkohletagebau zum Opfer fallen sollen.

Wissenschaft, Bildung, Glaube – für all das legte Karl die Grundsteine. Was in unseren Tagen daraus geworden ist, darauf richtet Monika Radhoff-Troll den Blick mit einer Installation aus sandbedeckten Objekten des Alltags, die womöglich eine Naturkatastrophe hierhergeschwemmt hat. Eine künstlerische Vision, die das Scheitern unserer als ganz normal empfundenen und kaum hinterfragten Wissenschaftsgläubigkeit vorwegnimmt. Am Ende siegt doch die Natur...

Das Projekt wird vom Kulturbetrieb der Stadt Aachen unterstützt.

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