Kammermusikfestival „Spannungen“ erreicht Kultstatus

Von: Pedro Obiera
Letzte Aktualisierung:
5680228.jpg
Zwölf ausverkaufte Konzerte: Das Kammermusik-Festival „Spannungen“ im Kraftwerk Heimbach war ein voller Erfolg. Foto: Sandra Kinkel

Heimbach. Zwölf ebenso ausgedehnte wie ausverkaufte Konzerte, angefüllt mit 55 kleinen und vor allem großen Werken in unterschiedlichsten Besetzungen, dazu Kinder- und Jugendprogramme, öffentliche Proben und Einführungsveranstaltungen: Das Festival „Spannungen – Kammermusik im RWE-Kraftwerk Heimbach“ zog, wie immer in den zurückliegenden 14 Jahren, Musikfreunde von nah und fern in die Eifel.

Das von Lars Vogt künstlerisch und vom Dürener Kunstförderverein organisatorisch vorbildlich betreuten Festival hat mittlerweile Kultstatus erreicht. Die lockere familiäre Atmosphäre, die durchweg sehr hohe Qualität der Interpretationen, die Mischung etablierter Musiker mit hoch begabten blutjungen Talenten, all das wiederholt sich Jahr für Jahr, ohne in routinierte Abläufe zu verfallen.

Dafür sind die Programme und Besetzungen zu abwechslungsreich. „Urgesteine“ wie die Geschwister Christin und Tanja Tetzlaff, Antje Weithaas, Tatjana Masurenko, Sharon Kam, Gustav Rivinius und natürlich Lars Vogt, Star-Gäste wie der Tenor Ian Bostridge oder der Trompeter Reinhold Friedrich, bleiben eben nicht unter sich, sondern öffnen ihren Horizont durch das spontane Zusammenspiel mit Kollegen. Auch mit so jungen Begabungen wie den Stipendiaten Byol Kang, Danae Dörken und Aaron Pilsan (alle Klavier) oder der 18-jährigen Cellistin Anastasia Kobekina.

Nicht alles läuft ganz rund, langweilig wird es jedoch nie. Erst recht nicht, wenn ein Dreigestirn wie Lars Vogt, Antje Weithaas und Marie-Elisabeth Hecker das Festival mit einer ebenso warmen wie intensiven Gestaltung von Brahmse_SSRq 1. Klaviertrio abrunden. Ein Schlusspunkt, dem zuvor eine kongeniale Darstellung des ungewöhnlich zerrissenen 2. Klaviertrios von Mendelssohn durch Markus Becker, Yura Lee und Tanja Tetzlaff vorausging.

Eine leichte Enttäuschung bereitete der „Composer in Residence“, der Tscheche Kryštof Maatka. Sein recht dünnes Melodram „Kusnétsov“ nach einem Text von Daniil Charms bereitete den Kindern im Sonderkonzert viel Vergnügen, im Abendprogramm wirkte es arg leichtgewichtig. Unterhaltungswert kann man auch seiner respektvoll-kritischen Huldigung an Prag, „Praharphona“ für Harfe, Streichquartett und Schlagzeug, nicht absprechen. Eine handwerklich pfiffige Arbeit mit dankbaren Aufgaben für die Harfenistin Jana Boušková. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.

Schwerarbeit hatte Lars Vogt mit der Uraufführung des Auftragswerks zu leisten, „Onyrik“ für Klavier solo. Maatka lässt wilde Akkordstürze und nicht minder wuchernde stilistische Brüche auf den Hörer einbrechen, als wollte er alle Klaviertechniken der Moderne und Avantgarde in 15 Minuten aufeinandertürmen. Struktur und Sinn des Werks konnten sich freilich weder aus dem Vortrag noch aus den Erläuterungen des Komponisten erschließen.

Doch auch solche Erfahrungen gehören zum Überraschungs-Bukett der „Spannungen“. Freuen darf man sich auf die Fortsetzung: vom 9. bis 15. Juni 2014.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert