Kammermusikfestival Heimbach: Damen machen alles noch „spannender“

Von: Pedro Obiera
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Kann auf ein beeindruckendes Jubiläumsfestival zurückblicken: Lars Vogt, Gründer und Leiter des Kammermusikfestivals Heimbach „Spannungen“, dessen 20. Ausgabe am Wochenende zu Ende ging. Foto: Sandra Kinkel
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Malerisch: das Jugendstilkraftwerk in Heimbach – einmal im Jahr wird es zu einem imposanten Konzertsaal. Foto: Sandra Kinkel

Heimbach. Mit Antonín Dvoák startete das Festival, mit Dvoák endete es. Für das thematische Zentrum der mittlerweile 20. Saison des Kammermusikfestivals „Spannungen“ im Jugendstilkraftwerk Heimbach hat sich der künstlerische Leiter Lars Vogt mit dem böhmischen Meister einen der charmantesten und populärsten Komponisten der Romantik ausgesucht.

Wobei die Woche zeigte, wie viel vom reichen Kammermusikschaffen Dvoáks noch kaum oder nur peripher wahrgenommen wird.

Juwelen im Programm

Dass Dvoák als einer der ganz wenigen slawischen Komponisten, der die Kammermusik ebenso intensiv und umfangreich bediente wie Oper und Orchestermusik, alle Gattungen des Genres abdeckte, mag im Fall des Streichsextetts in A-Dur op. 48 im musikalischen Alltag zu Besetzungsschwierigkeiten führen. Dabei handelt es sich um ein Juwel aus der Zeit, als Dvoáks Bekanntheit raketenhaft explodierte.

Ein echter Dvoák: melodisch überreich strömend, tänzerisch beschwingt, klanglich warm getönt und von einer ebenso unerschöpflichen wie vitalen Fantasiefülle getragen. Wie auch das spätere Streichquintett Nr. 3 in Es-Dur op. 97.

Trotz des wie immer breit gefächerten Programms setzten diesmal überhaupt slawische Komponisten besonders starke Akzente. Dazu zählen überwiegend eindrucksvolle Interpretationen von Bohuslav Martins expressiver 2. Cello-Sonate mit Maximilian Hornung und Herbert Schuch, Béla Bartóks 2. Violinsonate mit Christian Tetzlaff und Lars Vogt sowie Witold Lutoslawskis grandiose Partita für Violine und Klavier mit Anna Reszniak und Lars Vogt.

Nicht zu vergessen drei kleinere Werke des estnischen „Composers in Residence“ Erkki-Sven Tüür, der auch die Uraufführung seines Klaviertrios „Lichttürme“ beisteuerte und eine beeindruckende Visitenkarte der spezifischen, von ruhigen, weiten Klangströmen und -räumen beherrschten und punktuell durch aggressive Störfeuer gebrochenen Tonsprache lieferte, mit der die baltische Avantgarde direkt nach der Wende große Resonanz im Westen finden konnte.

Das klassisch-romantische Repertoire aus deutschsprachigen Landen war diesmal nur knapp vertreten, wenn auch mit gewichtigen Brocken wie Beethovens „Erzherzogs“-Trio oder Gustav Mahlers ursprünglich gigantisch besetzter Erster Symphonie in einer erstaunlich voluminös klingenden Fassung für 15 Spieler. Einen exotischen Akzent setzte die Saxophonistin Asya Fateyeva, zusammen mit der Geigerin Antje Weithaas, mit Bachs Doppelkonzert BWV 1060 für Oboe, Violine und Streicher.

Als sich Lars Vogt mit Mitgliedern des Dürener Kunstvereins vor etwa 22 Jahren zusammensetzte, um ein Kammermusikfestival in der tiefsten Eifel zu realisieren, konnte niemand wissen, dass mit dem Startschuss im Jahre 1998 eine bis heute ungebrochene Erfolgsgeschichte ihren Anfang nahm.

In gewohnter Kontinuität

Vieles hat sich seitdem nicht verändert: weder die künstlerische Qualität noch die Treue des Publikums und vieler Künstler, weder die familiäre Atmosphäre noch die originelle Programmzusammenstellung, weder Einführungsvorträge noch die beliebten und erhellenden Probenbesuche. Auch nicht die Jugendprogramme und Fanfaren der Turmbläser der Heimbacher Musikschule. Erst recht nicht die eindrucksvolle Kulisse des unmittelbar am Rursee gelegenen Kraftwerks. Und noch weniger der Einsatz des Kunstfördervereins Düren.

Auffallend ist allerdings der immer stärkere Einfluss der musizierenden Damen. Ganze Abende präsentierten sich wie weibliche Gruppenbilder mit vereinzelten Herren. Beileibe keine nachteilige Entwicklung, wie man dem Schlusskonzert ansehen und -hören konnte. Das war der Zeitpunkt, an dem Wilfried Nachtigall vom Kunstförderverein Düren, der Lars Vogt bereits aus dessen Schülerjahren her kennt, seine offizielle Tätigkeit als immens fleißiger und beliebter Künstlerbetreuer zurückgetreten ist. In aller Freundschaft und unter donnerndem Applaus.

Alle Konzerte werden im Deutschlandfunk gesendet. Mitschnitte vom letztjährigen Festival sind auf zwei CDs des Labels CAvi erhältlich.

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