Kammermusik ohne Mätzchen

Von: Norbert Laufer
Letzte Aktualisierung:
Makellose Technik: David Garre
Makellose Technik: David Garrett in Düsseldorf mit Julien Quentin am Klavier und Marcus Wolf an der Gitarre. Foto: Susanne Diesner

Düsseldorf. Bemerkenswert: Wenn der in Aachen geborene und in New York ausgebildete Stargeiger David Garrett einen Programmpunkt wie „Präludium und Allegro” anmoderiert, einen Titel also, wie er klassischer nicht sein könnte, bekommt er Jubel und Applaus, als hätte er mindestens „Smoke on the Water” angekündigt.

Seine Fans folgen ihm räumlich wie musikalisch überall hin. Nachdem Garrett vor zwei Wochen im Düsseldorfer ISS-Dome Breitwand-Rock spielte, war er nun wiederum in Düsseldorf mit Kammermusik zu Gast, diesmal in der Tonhalle. Begleitet wurde er von seinem vorzüglichen Klavierpartner, dem Franzosen Julien Quentin, und als Neuerung dem New Yorker Gitarristen Marcus Wolf.

Farbe bekennen

Natürlich spielte Garrett wieder viel von Fritz Kreisler, dem berühmten Geiger aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, anscheinend einem seiner Lieblingskomponisten aus der - nun ja - zweiten Reihe. Aber sein „Liebesleid”, seine Variationen über alle möglichen Themen in allen möglichen alten Musikstilen sind ja schließlich der Geige und den Geigern auf den Leib geschneidert. Garrett kostete jeden Ton aus.

Pianist Quentin sekundierte zuverlässig und die Gitarre gab etwas Pop- und Jazz-Duft dazu. Marcus Wolfs Akkorde wirkten oft wie improvisiert, gewollt unfertig. Ab und an gab es ein wenig Django-Reinhard-Feeling.

Hauptprogrammpunkte waren Brahms zweite und Beethovens zweite Sonate für Violine und Klavier. Bei beiden A-Dur-Werken galt es, Farbe zu bekennen. Garrett nahm sein Star-Dasein ganz und gar zurück, spielte als gleichberechtigter Partner des Pianisten Quentin. Gegenseitig suchten sie den musikalischen Kontakt und fanden zu einem wahrhaft kammermusikalischen Miteinander. Musik ohne Mätzchen.

Bei Brahms verströmte Garretts Stradivari mit warmem Ton eine von innen heraus leuchtende Lebensfreude. Mit Beethovens Kreutzersonate hatte Garrett ein Stück von höchstem Anspruch gewählt - und wurde diesem gerecht. Schon die solistischen Anfangsakkorde der Geige hatten den nötigen Ernst, die angemessene Schwere des Ausdrucks. Die beständigen Haltepunkte und Charakterwechsel der Musik deckten ein breites Spektrum der Ausdrucksmöglichkeiten ab, die sich zu einem schlüssigen Ganzen fügten. Die Variationenfolge des zweiten Satzes, ein wahres Kompendium der violin-technischen Möglichkeiten, zeigte auch das makellose Technik-Spek- trum des Geigers. Jubel. Zugaben.

Am Dienstag, 15. Mai, gastiert Garrett mit dem Programm in der Kölner Philharmonie. Ticket-Infos: Tel. 0221/280280
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