Kammerkonzert mit Werken von Reger, Messiaen und Brahms

Von: Pedro Obiera
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Hochwertige Interpretation: Ulrike Fröhlich (Violine), Andrea Böhnel (Viola) und Claudius Wettstein (Violoncello, von links) interpretieren das Streichtrio in a-Moll von Max Reger. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Schön, dass im zweiten Kammerkonzert des Aachener Sinfonieorchesters dem vor 100 Jahren verstorbenen Komponisten Max Reger gedacht wurde. Das zurückliegende Jahr hat das Interesse an dem wichtigen Spätromantiker leider ebenso wenig ankurbeln können wie zurückliegende Gedenkjahre.

Selbst einem Meisterwerk wie dem Streichtrio in a-Moll op. 77b begegnet man höchst selten. Dabei verdiente die Originalität des viersätzigen Werks, das chamäleonhaft in allen Stilen von Bach bis Brahms schillert, genau die Aufmerksamkeit, die ihm jetzt im voll besetzten Spiegelsaal des Theaters drei Streicher des Aachener Orchesters entgegenbrachten.

Die spieltechnischen Tücken des Werks bereiteten Ulrike Fröhlich (Violine), Andrea Böhnel (Viola) und Claudius Wettstein (Violoncello) ebenso wenig Probleme wie die Anforderungen an ein homogenes Zusammenspiel. Allerdings drohte die komplexe formale Anlage vor allem der Ecksätze zu zersplittern, indem die Überleitungen weniger als Bindeglieder der Teile erfasst wurden denn als isolierte Passagen. Eine insgesamt straffere Gangart hätte zu einem stärkeren Zusammenhalt führen können. Dennoch verdient die Begegnung mit dieser kostbaren Rarität in der hochwertigen Interpretation allen Respekt, den das Publikum den Musikern auch reichlich zollte.

Hoffnungsvolle Töne am Rande des Abgrunds schuf Olivier Messiaen 1945 in seinem „Quatuor pour la fin du temps“ (Quartett für das Ende der Zeit). Hoffnung, die der damalige Kriegsgefangene Messiaen nicht zuletzt aus dem Gesang der Vögel, nach seiner Vorstellung den Boten der Engel, schöpfte. Lange Elegien, die zunehmend durch Gesangsgirlanden exotischer Vögel durchsetzt und aufhellt werden, bestimmen den 3. Satz für Solo-Klarinette, den David Kindt mit klanglicher Wärme und starker Inspirationskraft zum Ausdruck brachte. Eine tief empfundene und makellos ausgeführte Interpretation, die ihre Wirkung beim Publikum nicht verfehlte.

Nachdem sein Kollege Felix Giglberger unlängst Brahms‘ Violinkonzert im Eurogress vortragen durfte, widmete sich jetzt Marijn Simon der zur gleichen Zeit entstandenen 1. Violinsonate in G-Dur op. 78. Eine Liebeserklärung an Clara Schumann, wie das Violinkonzert bestimmt von innerer Ausgeglichenheit. Simons und seine Klavierpartnerin Karina abac gestalteten das Werk mit kultivierter Noblesse. Die Klangbalance der beiden Instrumente blieb gewahrt, es wurde entspannt und alles andere als kraftbetont musiziert, so dass auch der melancholische Schleier, der die drei freundlich gestimmten Sätze überzieht, hörbar wurde. Ein rundum gelungener Vortrag, den das Publikum, wie auch die übrigen Beiträge, mit begeistertem Beifall bedachte.

Das Konzert wird am Montag um 20 Uhr im Spiegelfoyer des Theaters wiederholt.

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