Kammerkonzert im Spiegelfoyer: Verführerische Barockmusik

Von: Pedro Obiera
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Aachen. An Kontrasten fehlte es dem ersten Kammerkonzert der städtischen Konzertsaison im ausverkauften Spiegelfoyer des Theaters wahrlich nicht. Ein stattlicher Block verführerischer italienischer Barockmusik stimmte auf die bevorstehende Weihnachtszeit ein, dem mit einem Streichtrio des russischen Tschaikowsky-Schülers Sergej Tanejew ein Werk von herberem Zuschnitt folgte.

Für das barocke Allerlei aus den Federn von Alessandro Marcello und Arcangelo Corelli fand sich das mit elf Musikern nahezu vollständige Barockensemble des Aachener Sinfonieorchesters ein, gipfelnd in Corellis berühmtem „Weihnachtskonzert“, das die Solisten Felix Giglberger und Ulrike Fröhlich sowie ihre Mitstreiter zum Glück nicht verzuckerten, sondern markant, aber nicht vergröbernd mit der rhetorischen Kraft barocker Musik erfüllten.

Das taten die beiden Solisten, unterstützt von dem wie immer zuverlässigen und einfühlsamen Volker Hiemeyer am Cembalo sowie Claudius Wettstein am Violoncello, noch ausgeprägter in einer Triosonate aus Corellis Zyklus op. 3 für zwei Violinen und Basso continuo. Die erweiterten Spielmöglichkeiten, die Corelli der Violine eröffnete, konnten sich hier sehr eindrucksvoll entfalten. Nicht minder in Corellis anspruchsvoller, von Giglberger und Hiemeyer vorbildlich gestalteter Violinsonate op. 5 Nr. 1.

Pure Klangschönheit verströmte zum Auftakt des Programms Stéphane Egeling mit Alessandro Marcello bekanntem Oboenkonzert in d-Moll. Mit moderaten Tempi und milden dynamischen Kontrasten konnte Egeling dem warmen Ton seiner Barockoboe freien Lauf lassen. Sergej Tanejews 1910 entstandenes Streichtrio in Es-Dur wirkte nach der Pause wie ein Stück aus einer anderen Welt. Nicht nur der Abstand von gut zwei Jahrhunderten trennte die Werk-Komplexe, sondern auch der Zugriff der Musiker.

Der Geiger Vassil Voronin sowie Martin Smytkal, Viola, und Cellist Claudius Wettstein legten wenig Wert auf klangliche Wärme, die der Musik des immer wieder als „russischer Brahms“ gepriesenen Komponisten gut angestanden hätte. Stattdessen pflegten die drei ein kraftbetontes, von der nicht immer intonationsstabilen Geige dominiertes Spiel, das die feinen und originellen Strukturen des Werks eher überrollte als ausformte.

Dennoch eine hörenswerte Begegnung mit einem wahrhaft zu Unrecht vernachlässigten Meister. Das Konzert wird am Montagabend um 20 Uhr im Spiegelfoyer wiederholt.

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