„Kaiserwalzer“ tanzt bei „Schrittmacher“-Festival

Von: Eckhard Hoog
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„Kaiserwalzer“: Diesen hintergründig doppeldeutigen Titel wählte der Aachener Künstler Eric Peters (rechts) für sein 20 Quadratmeter großes Bild voller tanzender Gestalten, das er eigens für das Aachener „Schrittmacher“-Festival angefertigt hat. Wolfgang Becker, ehemaliger Leiter des Ludwig Forums, hier bei einer ersten Besichtigung. Foto: Andreas Herrmann
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Kulturraum mit besonderem Flair: Im Stahlbau Strang, wo auch das 20. „Schrittmacher“-Festival stattfindet, soll das Kunstwerk von Eric Peters vom 27. Februar bis zum 29. März ausgestellt werden.

Aachen. „Das ist eine unglaublich geile Location – das Stärkste, was ich kenne.“ Wenn es um die Spielstätte des Aachener „Schrittmacher“-Festivals geht, ist für den Künstler Eric Peters kein neudeutscher Superlativ zu abwegig.

Was seit 2011 das internationale Tanzpublikum in dem historischen Industriegebäude Stahlbau Strang an der Philipsstraße in Aachen so fasziniert, das begeistert auch diesen Aachener Maler über alle Maßen: geschmeidige Körper unter stählernen Kranschienen, hypnotische Lichtspiele zwischen eisernen Trägern, rhythmische Klangmuster vor rohen Backsteinmauern und zerbrochenen Fensterscheiben. Spannender könnte der Kontrast nicht sein.

Festivalleiter Rick Takvorian und Eric Peters haben nun einen für das Publikum gewinnreichen Weg gefunden, die gegenseitige, auch persönliche Wertschätzung in eine Verbindung von Tanz- und bildender Kunst im Stahlbau Strang münden zu lassen. Beim 20. „Schrittmacher“, das in Aachen am 27. Februar beginnt (Start ist im Theater Heerlen ein Tag zuvor), wird hier während der Zeit des Festivals bis zum 29. März ein Bild des 62-jährigen gebürtigen Stolbergers präsentiert, das es in sich hat. Um Tanz, Historie, Krieg, menschliche Erkenntnis, Philosophie und selbst die Quantenphysik kreist das Werk, das allein von seinen monumentalen Dimensionen von 20 Quadratmetern her bestens in die 110 Meter lange, 22 Meter breite und über zehn Meter hohe Fabrikhalle passt.

Zusammen mit Wolfgang Becker, dem ehemaligen Leiter der Neuen Galerie – Sammlung Ludwig und des Ludwig Forums in Aachen haben wir das Riesenbild in Eric Peters‘ Atelier im Frankenberger Viertel jetzt besichtigt. Kurz: Es ist umwerfend. Und es heißt: „Kaiserwalzer“.

Schemenhaft tanzen dort lebensgroße Gestalten, die wie Roboter wirken, Antennen scheinen in die Höhe gerichtet zu sein – Eindrücke von einem futuristischen „Cyber-War“ vermitteln sich. Auf jeden Fall wird in dieser geheimnisvollen Szenerie getanzt, in einem nebelhaften Schleier. Die Möglichkeiten der Interpretation sind so offen wie auch bei vielen Inszenierungen des „Schrittmacher“-Festivals selbst, das eine überraschende, oftmals zunächst rätselhafte Begegnung mit vielen Kulturen der Welt ermöglicht. „Kongeniale Kunst“ eben.

Wolfgang Becker, der eine textliche Interpretation entwerfen wird, fallen auf Anhieb zwei Buddha-Figuren auf, die sich zwischen den Gestalten befinden – in Babygröße. Die Bildquelle für den „Kaiserwalzer“ gibt Aufschluss: Es ist ein Zeitungsfoto, das zum 100-jährigen Gedenktag des Ersten Weltkriegs 2014 erschienen ist. Es zeigt behelmte Soldaten mit aufgepflanzten Bajonetten beim Angriffssturm im Dampf der Geschütze. Als ob sie sich an den Händen halten würden, vollziehen die Männer einen bizarren, mörderischen und zugleich angstvoll wirkenden Tanz. „Hand in Hand“, erklärt Wolfgang Becker, „so lautete der Titel des Konzertwalzers von Johann Strauß ursprünglich tatsächlich.“

Der Künstler Peters hat die Aufnahme monumentalisiert, farblich kaum, aber in einer anderen Hinsicht – seine Spezialität – folgenreich verändert: Er überlagert die ursprüngliche Bildvorlage, leicht verschoben, mit sich selbst, so dass an den Schnittpunkten neue Formen entstehen. Und wie von selbst ergab sich: die Buddhafigur, für Peters ein Symbol der Nicht-Gewalt und des Friedens. Das Ganze erklärt er, ein glühender Anhänger der Quantentheorie, halb physikalisch, halb philosophisch mit der Erkenntnis, dass sich die Wirklichkeit selbst ändert, wenn man sie bemisst oder auch nur erkennt. Näheres dazu schenken wir uns an dieser Stelle.

Tatsache ist jedenfalls, dass Peters, dem Sammler auf der ganzen Welt die Bilder aus den Händen reißen, da hat er sie noch gar nicht gemalt, seit Oktober an dem „Kaiserwalzer“ arbeitet. Allein vier Wochen hat es gedauert, den Malgrund zu präparieren – Eric Peters malt nämlich auf selbst geschöpftem, am Ende gut zehn Zentimeter dickem Papier, das durch Böschungsmatten aus dem Landschaftsbau stabilisiert wird und seinen Bildern die Struktur buddhistischer Fresken verleiht.

Transport und Hängung des Giganten, die Peters selbst finanziert, werden noch ein Abenteuer...

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