Kaffee für den klaren Verstand im Couven

Von: Elke Silberer, dpa
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Ausstellung Kaffee
Renate Steinbecher zeigt am Donnerstag (02.12.2010) in Aachen eine Kaffeekanne von 1765-1770. Foto: dpa

Aachen. Coffee to Go in Pappbechern mit Trinkschlitz im Plastikdeckel - unsere Vorfahren vor 300 Jahren hätten wohl die Nase gerümpft. Kaffee, das war im 18. Jahrhundert das Getränk der feinen Gesellschaft, genossen aus feinen Tässchen, edel zelebriert - aber bitte mit einigen Löffelchen Zucker und recht viel Milch.

Das Aachener Couven-Museum führt mit seiner Ausstellung „Die Ernüchterung des Abendlandes. Kaffee und Tee erobern Europa” in die kulturellen Anfänge der beiden Heißgetränke.

Es mag ein kleiner Kulturschock gewesen sein, der mit dem ersten Schluck Kaffee verbunden war. Bis dahin wurden Bier, Schnaps und Wein gereicht in handfesten Humpen, Bechern aus Zinn, bestenfalls aus Gläsern. „Pures Wasser hat man damals nicht getrunken wegen der Verkeimung. Deshalb wurde morgens auch schon mal ein Bier getrunken”, sagte Museumsleiterin Dagmar Preising am Donnerstag.

Die Verbreitung von Kaffee und Tee fiel in die Zeit der Aufklärung - mit dem Streben nach Wissen, Klarheit, Vernunft. „Man wollte bei klarem Verstand sein. Dazu passte der Alkohol natürlich nicht”, sagte Preising. Gute Startbedingungen für Kaffee und Tee, obwohl sich die Geschmacksnerven wohl erst daran gewöhnen mussten. Darauf lassen die stattlichen Milchkännchen und Zuckerdosen der edlen Kaffeegeschirre mit ihren feinen kleinen Tässchen schließen.

Kostbar war das handbemalte Porzellan. Sonst bei jedem kleinsten Handgriff auf die Dienerschaft fixiert, legte die feine Gesellschaft beim Spülen des Porzellans selbst Hand an. Zum feinen Geschirr gehörte eine Krumme, eine mit Wasser gefüllte Schale. „Die Herrschaft hat darin selbst am Tisch gespült”, erklärt die Museumsleiterin. Aus dieser Zeit stammen auch die Kaffeekränzchen der feinen Damen, während sich die Herren in Kaffeehäusern trafen.

Die ersten Kaffeemaschinen entstanden noch vor der Mitte des 19. Jahrhunderts. Mit der Lebrun-Dampfdruck-Kanne von 1838 zeigt die Ausstellung eine der frühesten Espressomaschinen. Bei einer Kaffeemaschine mit Boiler aus dem gleichen Jahr wurde das kochende Wasser auf den Kaffee gekippt und umgerührt. Wenn sich der Kaffee gesetzt hatte, konnte das Getränk über einen etwas höher liegenden Hahn abgezapft werden.

Mit der Entwicklung zum Volksgetränk um 1850 wurde auch die Ausstattung einfacher: Es gab Kaffeemühlen aus Holz und Kaffeeröster für den Herd. Nach Angaben des Deutschen Kaffeeverbands ist Kaffee mit einem jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von 150 Litern inzwischen das Lieblingsgetränk der Deutschen.

Kaffee auf dem Weg zum Weltgetränk

Der Begriff Kaffee leitet sich nach Angaben des Deutschen Kaffee-Verbands vom arabischen Begriff „Kahwe” oder „Qahwa” ab. Das bedeute Lebenskraft oder Stärke. Seit dem 15. Jahrhundert trinken die Araber Kaffee. Ab der zweiten Hälfte des Jahrhunderts gelangte das Getränk über Mekka und Medina nach Kairo. Vom 16. Jahrhundert an eroberte der Kaffee, Kleinasien, Syrien, Ägypten und das südöstliche Europa. Das arabische Kaffeemonopol fiel mit den Anfängen der Kolonialisierung. Zunächst brachten wohl die Inder keimfähige Bohnen illegal in ihre Heimat. Ab 1658 bauten niederländische Kolonialherren auf Sri Lanka und Java Kaffee an.

Die Ausstellung ist bis zum 20. März im Couven-Museum, Hühnermarkt 17, zu sehen. Sie wird von einem umfangreichen Rahmenprogramm begleitet. Dazu gehört ein museumspädagogisches Angebot für Schülergruppen. Anmeldungen unter 4798020 oder an renate.szatkowski@mail.aachen.de per Mail.

Jeden Samstag um 15 Uhr werden im Museum Themenführungen angeboten. Am Dienstag, 7. Dezember, gibt es von 15 bis 16 Uhr eine Kaffeeetafel für die ältere Generation. Dazu gehören eine Einführung in die Geschichte der Tee- und Kaffeekultur in Europa sowie ein Rundgang.

Am Sonntag, 5. Dezember, wird zum Familiensonntag mit türkischem Kaffee und chinesischem Tee eingeladen.

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