Kabarettreif in Geheimnisse der Avantgarde eingeführt

Von: Thomas Beaujean
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Aachen. Die erste Jugend-Gala in der Aachener Kammermusikreihe Accordate wurde zu einem Erlebnis der besonderen Art.

In diesem „Preisträgerkonzert der nationalen jungen Elite”, das außerhalb des Abonnements lief, stellte sich das Saxophonquartett sonic.art vor und heimste beim Publikum, in dem erfreulich viele junge Gesichter zu sehen waren, einen Riesenerfolg ein.

Das lag zum einen an dem unbestreitbar hohen Rang der künstlerischen Qualität, das lag zum anderen aber auch an der lockeren Art der Präsentation.

Wie zum Beispiel die Baritonsaxophonistin Annegret Schmiedl das avangardistischste Stück des Abends, „Durch” von Fabien Lévy, erläuterte, das hatte schon Kabarettqualitäten, erleichterte dem Publikum so den Zugang zu dem schwerverständlichen Werk ungemein.

Bei aller Lockerheit der Präsentation: Es wurde in keinem Augenblick die Grenze zum Klamauk überschritten. Dafür war das spieltechnische Können von Ruth Velten (Sopransaxophon), Alexander Doroshkevich (Altsaxophon), Martin Posegga (Tenorsaxophon) und Annegret Schmiedl einfach zu groß.

Mit welcher Perfektion des Zusammenspiels und rhythmischen Brillanz die vier zu Beginn György Ligetis Sechs Bagatellen für Bläserquartett auswendig hinlegten, das war schlicht umwerfend.

In die gleiche Sparte von rhythmisch pointierten Stücken gehörten Astor Piazzollas „Le Grand Tango”, das erwähnte „Durch” von Lévy und die Polka von Dmitri Schostakowitsch.

Da bereitet nicht nur das Zuhören reines Vergnügen, sondern auch das Zuschauen: Die Körpersprache der vier, die einen ungeheuren Spaß an ihrem Tun vermittelt und jedes Stück zu einer kleinen Performance macht, überträgt sich auf das Publikum.

An Alexander Glasunows Quartett für vier Saxophone, und in noch stärkerem Maße an der Elegie von Schostakowitsch, konnten die vier eindrucksvoll unter Beweis stellen, dass sie mehr sind als Spaßmusiker: Schostakowitschs Elegie ging in ihrer klanglichen und ausdrucksmäßigen Intensität unter die Haut. Dazu trug auch die bestechende Sauberkeit der Intonation bei.

Als Zugabe gab es dann wieder einen vergnüglichen Satz von Jean Francaix.
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