Kabarettist Hans Georgi lässt seine Karriere „ausklingen“

Von: Eckhard Hoog
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Ist mit Texten von Erich Kästner immer noch auf Tour: der in Roetgen wohnende Kabarettist Hans Georgi (70). So langsam will er seine Karriere aber „ausklingen lassen“. Jüngerem Publikum fehlt das Interesse. Foto: eho

Aachen. „Satire hat es schwer heutzutage.“ Überhaupt: Feingeistigere Bühnenangebote kommen offenbar langsam aus der Mode – diese Erfahrung hat ein Mann gemacht, der die Medien- und Kleinkunstszene kennt wie kaum ein zweiter: der in Roetgen wohnende Kabarettist Hans Georgi.

„Das Metier hat sich durch den Comedyboom stark verändert“, sagt er. „Die Ansprüche haben sich sehr gewandelt.“

70 Jahre alt ist der gebürtige Würselener jetzt, und noch immer geht er auf Tour, wenn auch mit etwas gedämpfterem Tempo. „Waren es früher 70 bis 80 Auftritte pro Jahr sind es heute noch zwei bis drei pro Monat. Ich will es so langsam ausklingen lassen.“

Und obgleich er sich bereits 2015 erklärtermaßen von seinem Aachener Publikum verabschiedet hat, gibt es am Freitag doch noch mal ein Wiedersehen bei einem Kästner-Abend in Schloss Schönau in Aachen-Richterich. Wie hieß es noch? „Sag niemals nie . . .“

Erich Kästner und Hans Georgi – beide verbindet eine besondere spöttische Art der Weltbetrachtung, seitdem der Kabarettist Ende der 90er Jahre ein vierbändiges Werk mit Gedichten des Schriftstellers geschenkt bekam. Die Begeisterung für Kästner, dessen Name gemeinhin vor allem mit solchen Romanen wie „Emil und die Detektive“ und „Das doppelte Lottchen“ verbunden wird, münzte Hans Georgi sogleich in ein literarisches Kabarettprogramm mit Musik um: „Die Welt ist rund – Erich Kästner für Erwachsene“. Aus dem ersten Auftritt, damals in Roetgen, zum 100. Geburtstag Kästners, sind mittlerweile über 800 geworden. „Mit Erich Kästner habe ich Deutschland kennengelernt.“

Von der Volkshochschule und der Bücherei bis zum Kom(m)ödchen und dem Mainzer Unterhaus war an Stationen so ziemlich alles dabei, was auch nur irgendwie eine Beziehung zur Literatur hat. Früher waren das sogar Schulen – doch die Zeit ist mit wenigen Ausnahmen vorbei. „Schüler interessieren sich nur dafür, wenn Lehrer sie dazu zwangsverpflichten.“ Der Dekan der Universität Trier hatte ihn jüngst zu einem Kästner-Abend für seine knapp 10.000 Mathematik- und Informatik-Studenten eingeladen, Eintritt und Abendessen frei. „Jetzt raten Sie mal wie viele kamen!“, sagt Georgi: „Kein Einziger!“

Eine bittere Erfahrung, die ein empfindliches Gemüt wohl zermürben könnte. Was also treibt einen alten Kabarett-Hasen wie Georgi an, einfach weiterzumachen? Es sind die genau gegenteiligen Erlebnisse: „Ein paar Tage später war ich in Rosendahl im Münsterland bei einem Kulturverein zu Gast. Da kamen 300.“

Früher oft im Fernsehen

Das Fernsehen hat die Entwicklung vorweggenommen: Georgi, in den 80ern gern gesehener und immer wieder eingeladener Gast als Sportsatiriker bei Sendungen wie „Sport im Westen“, mit Beiträgen in Reihen wie „Markt“, „Westpol“ und „Aktuelle Stunde“: „Das ist heute undenkbar.“

Für Georgi gibt es dafür nur eine Erklärung: „Die Quote ist eine heilige Kuh.“ Irgendwer soll einmal den Wasserverbrauch ins Verhältnis gesetzt haben, wenn Talkshows wie „mittwochs live“ unterbrochen wurden durch einen Auftritt von Leuten wie Doktor Stratmann & Co. Georgi: „Der Wasserverbrauch muss unheimlich angestiegen sein. Der Rückschluss war: Bei eingeschobenen Kabarett- und Satirebeiträgen rennt alles aufs Klo!“ Ergebnis: abgesetzt. Allerdings ist zu beachten, dass diese überaus plausible Erklärung von einem Satiriker stammt . . .

Aachen hatte Georgi also bereits abgehakt: „Da kann man nicht fünfmal mit dem gleichen Programm auftreten“, sagt er. Das war vor allem „Der kleine Maschmeier“, mit dem er Vertreter, Manager, Politiker und die Medien aufs Korn nahm. Da hatte er noch aus seinem reichen Erfahrungsschatz schöpfen können, den er aus seinem „ersten Leben“ zusammengetragen hatte als gelernter Betriebswirt im Vertrieb einer großen Computerfirma. Aus dem Hobby Musizieren und Liederschreiben entwickelte sich die Geburt des zweiten Lebens mit ersten Auftritten in der Aachener Gaststätte „Einstein“. Und aus dem gebürtigen Hans Frohn wurde aufgrund einer falschen Ansage des Wirts der Künstlername Hans Georgi.

Die Lust am Bühnenauftritt ist ungebrochen. Bestätigung findet er zum Beispiel durch eine Einladung der Internationalen Kunstakademie Heimbach am 20. Juli. Thema des Abends: Lesen und Lieder aus seinem Roman „Anne“. In dem beschreibt er unter anderem Maler und Musiker unserer Region sowie die dazugehörigen kleinen und großen „Kulturskandälchen“ der letzten Jahrzehnte.

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