Junger Elan, dämonische Wucht

Von: Pedro Obiera
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Gast und Gastgeber: Klaus Mari
Gast und Gastgeber: Klaus Maria Brandauer (rechts) und Lars Vogt beim Kammermusikfestival „Spannungen” in Heimbach. Foto: Sandra Kinkel

Heimbach. Nachwuchstalente und renommierte Stars der Szene: Mit dieser Mischung warfen zwei „Vorspannkonzerte” ihre Schatten auf das am Montag offiziell gestartete Kammermusikfestival „Spannungen” im Jugendstilkraftwerk Heimbach am Rursee voraus.

Bevor Klaus Maria Brandauer und „Gastgeber” Lars Vogt ihre erfolgreiche Zusammenarbeit fortsetzten, hatte der Nachwuchs das Sagen.

Drei Stipendiaten gestalteten ein anspruchsvolles Klavierprogramm: die Geschwister Kiveli und Danae Dörken sowie zum dritten Mal der Vorarlberger Pianist Aaron Pilsan, der sich mit seinen mittlerweile 16 Jahren zum absoluten Publikumsliebling entwickelt. Pilsan wagte sich mit Beethovens Klaviersonate op. 31 Nr. 1 an die gestalterisch heikelste Aufgabe des Abends. Ein Werk, in dem der junge Beethoven selbstbewusst und frech mit musikalischen Traditionen spielt. Der jugendliche Elan Pilsans kommt dem Charakter des Werks entgegen, so dass man einen gewissen Mangel an Hintergründigkeit leicht verschmerzen konnte.

Eine ungewohnte Symbiose ging die knapp 20-jährige, in Wuppertal geborene Stipendiatin Danae Dörken mit den sechs späten Klavierstücken op. 118 von Johannes Brahms ein. Werke von reifer Abgeklärtheit, die auf den ersten Blick nicht so recht zu einer blutjungen Nachwuchskünstlerin passen wollen. So nachdenkliche, verhaltene Töne, wie sie Lars Vogt nach der Pause mit den drei Intermezzi op. 117 anklingen ließ, waren bei ihr in der Tat nicht zu hören. Dafür aber schürte sie mit beeindruckender Musikalität die glimmende Glut, die auch in den schlichten Abgesängen glimmt. Völlig problemlos gelang zum Abschluss Mozarts vierhändige Sonate in B-Dur KV 358 zusammen mit ihrer jüngeren Schwester und Mit-Stipendiatin Kiveli.

„Eine musikalisch-literarische Reise vom Himmel durch die Welt zur Hölle” versprachen am nächsten Abend Star-Schauspieler Klaus Maria Brandauer und Lars Vogt, womit sie ihre erfolgreiche Zusammenarbeit fortsetzten. Eine 75-minütige Veranstaltung voller Intensität und dämonischer Wucht, die von Brandauer dominiert wurde und in der sich Lars Vogt mit kurzen Einwürfen begnügte. Klar, dass dabei Franz Liszt nicht fehlen durfte, der „Mephisto in der Soutane”, der sich mehrfach mit den Mythen um Prometheus und den Faust beschäftigte. Brandauer selbst bot eine Collage durch die Jahrhunderte mit Texten von Goethe über Heine und Thomas Mann bis zu einem erschütternden Bericht über Hiroshima. Mit der ihm eigenen Gestaltungskraft rollte Brandauer das Bild einer Welt auf, in der sich die Menschen seit Gedenken den Himmel und vor allem die Hölle auf Erden bereiten. Mit Mozart schloss das anspruchsvolle Programm versöhnlich.

Nachdem im letzten Jahr Beethoven und die russischen Meister die wichtigsten Akzente beim mittlerweile international renommierten Festival setzten, erwartet die Besucher der ausverkauften Konzerte in dieser Woche eine besonders bunte Mischung aus vieler Herren Länder. Heute Abend stehen zum Beispiel Werke von Schubert, Britten, Janá?ek und William Alwyn auf dem Programm. Die Konzerte sind zwar allesamt ausverkauft, flexible Besucher können jedoch auf Rückläufe an der Abendkasse hoffen.
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